Adrian Klie und Christoph Streicher: Reisehacks für Laufbegeisterte (Buchrezension)

Adrian Klie und Christoph Streicher sind vielen bekannt durch deren Reisepodcast Welttournee. Mit diesem kleinen, ausdauernden Wegweiser, wie auch der Untertitel lautet, ist den beiden ein Werk gelungen, was ich so noch nicht in der Hand hatte. Kurioses, Lustiges, Interessantes, Unbekanntes und Wissenswertes über die im wahrsten Sinne des Wortes Welt der Läufer, wurde hier toll gestaltet zusammengestellt mit dem Ziel, der läuferischen Entdeckung der Welt zu huldigen. Eines ist sicher – nach diesem Buch wirst du, auf welcher Reise auch immer, deine Laufschuhe nicht mehr zu Hause lassen!

„Laufen ist eine der besten Möglichkeiten, Neues zu entdecken.“

Mehr entdecken durch das Laufen

Die wenigsten von uns sind Blogger, digitale Nomaden oder Influencer, die wann immer sie wollen, so viel sie wollen und von wo sie wollen arbeiten. Leider nein! Die meisten von uns arbeiten und haben 30 Tage Urlaub, so wie die beiden Autoren dieses Buches auch. Ein Buch von uns für uns also! Warum also nicht eine Tugend aus der Not machen? Und genau das haben die beiden Läufer hier gemacht. Wenn ich also schon wenig Urlaub habe, dann muss ich die wenige Zeit, die ich habe, eben besser nutzen. Und das ideale Werkzeug, dies zu tun, ist das Laufen! Läuferisch unterwegs zu sein bedeutet, mehr Strecke zurückzulegen, dadurch Dinge zu entdecken und das Reiseland so viel besser zu entdecken, als dies im normalen Fußgängertempo möglich wäre. Wie man das am besten organisiert, welche Länder sich dafür am besten eignen und auch, wie man dabei am besten Kultur und Menschen im Reiseland näher kommt, das ist der Benefit dieses Buches, das sich in erster Linie an Läufer*Innen richtet, die den Sport neu für sich entdeckt haben.

Kurioses und Außergewöhnliches

Wusstest du…

  • Dass Barack Obamas Laufroute quer durchs Weiße Haus verlief?
  • Dass es einen Lauf in Finnland gibt, bei dem Frauenkleider getragen müssen?
  • Dass es keine schlechte Idee ist, zum Machu Picchu zu joggen?
  • Dass der Athen Marathon ein ganz besonderer ist, was unter anderem mit einer besonders mutigen Frau namens Stamata Revithi zu tun hat?
  • Dass es bei der Erklimmung des Lotusgipfel in Huangshan 60.000 Treppenstufen zu überwinden gilt?
  • Dass selbst Profis wie Katharina Heinig vor internationalen Wettkämpfen auch mal in einer Absteige landen?
  • Dass du nach Singapur auf keinen Fall Kaugummis mitnehmen solltest?
  • Dass Laufgruppen in Burundi verboten sind?
  • Küssen an der Ziellinie eines Marathons in den Vereinigten Arabischen Emiraten keine gute Idee ist?
  • Es in Devon/USA untersagt ist, rückwärts zu laufen?

Was Adrian Klie und Christoph Streicher an Kuriositäten aus aller Herren Länder zusammengestellt haben, lässt einen nicht selten mit einem Lächeln oder einem Staunen zurück. Jedes Land hat Eigenarten, die auch das Laufen betreffen und vielleicht nimmt so mancher nach der Lektüre ein Land ins Visier, dass vielleicht zuvor nicht auf der Agenda war. Auch so mancher Mythos wird entzaubert, so dass das kenianische Hochland durchaus den Reiz verlieren kann zugunsten einer Alsterrunde in Hamburg.

Viele nützliche Tipps

Das kleine Büchlein gliedert sich in die Kapitel Entscheidungshilfen, Loslegen, Übernachten, Entdecken, Reise, Konsum, Aktivsein und das Heimkommen. Mit Sinn für Humor erfährt man im Kapitel “Entscheidungshilfen” über einen Multiple Choice Test, dass man schon wieder urlaubsreif ist, und schon ist man bei dem WOHIN! Hier wurde kurz und knapp Wesentliches zusammengestellt: Was ist wann los? Welche Top-Marathons gibt es? Welche sind denkbar ungewöhnlich? Was muss ich hinsichtlich Anmeldung, Reise, ggf. Impfungen und Unterkunft beachten, damit ich optimal auch nach längerer Anreise ausgeruht an den Start komme? Wo kann ich vor Ort trainieren und was nehme ich eigentlich an Gepäck mit? Das Kapitel “Entdecken” unternimmt den mutigen Schritt hin zur Selbstreflexion. Was für ein Läufertyp bin ich eigentlich? Der reine Sportler, der perfekt ausgestattete, der entspannte oder doch eher der humorlose Läufer? Der auf die Uhr Schauer, ein Kampfjogger vielleicht? Oder gar ein Tiefstapler, auf die Katharina Heinig, die öfter mal zu Wort kommt, gar nicht gut zu sprechen ist? All das hat vielleicht Auswirkungen auf die Art, wie ich laufen möchte. Vielleicht ist eine Laufgruppe doch nichts für mich und doch eher die sporadische Verabredung zum Laufen? Und für jene ganz geselligen unter uns gibt es reichlich Ratschläge, wie und wo man garantiert selbst in der Ferne nicht alleine laufen muss. Je nach Läufertyp bietet das Buch Organisationshilfen von der Tagesplanung bis hin zur Bucket List. Im Kapitel “Fortbewegen” wird es dann detaillierter: Was mache ich, wenn ich mich verlaufe? Warum darf ein Satz Laufklamotten im Handgepäck auf keinen Fall fehlen und wie die Laufschuhe als Koffer herhalten können, das erfährt man hier. Und auch, dass es sich lohnt, auch mal ganz entspannt langsam zu machen und wo das besonders gut geht. Nach der Reise ist vor der Reise. Irgendwann geht es immer wieder heimwärts. Im Flugzeug geht das am besten auf einem Sitz mit Beinfreiheit. Und wie man sich einen solchen Sitz stibitzt, auch dafür gibt es hier einen cleveren Ratschlag. Welches atypische Souvenir kann ich eigentlich mitnehmen und was mache ich, wenn ich aus welchem Grund auch immer nicht vereise kann? Auch darauf gibt es für den Leser eine Antwort.

Fazit

Ihr habt es zwischen den Zeilen ja schon gelesen. Das ist kein klassisches Läuferbuch, das einen schneller macht. Das ist ein kleines Lustmacherbüchlein, das zum Stöbern und Blättern einlädt und ja, auch zu inspirieren vermag. Ich denke, dass es sich primär an Läuferneulinge richtet, die Lust an den großen, berühmten Events haben und gerne Action-orientiert verreisen. Als Individualist und wettkampforientierter, schon älterer Marathoni bin ich sicherlich nicht die adressierte Zielgruppe. Dennoch fand ich die Lektüre erfrischend anders und halte diese als Geschenkidee für alle, die diesen Sport für sich entdeckt haben, für bestens geeignet.

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Weitere tolle Bücher über das Laufen, die ich hier rezensiert habe:

Ma San

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