Eine Frage der Moral

Neulich während meinem Urlaub in Frankreich machte ich einen langen Lauf und nahm irgendwann diese Geräusche war. Ich lief in die Richtung, aus denen ich diese vernahm und kam an eine riesige, umzäunte Halle. Was ich sah, schockierte mich bis ins Mark, und dabei sah ich gar nicht mal so viel. Es war das ganze Setting der Situation, das mich fertig machte. Bei der Halle handelte es sich, das sagte mir ein Aufhänger am Zaun, um eine Geflügel-Zuchtanlage. Diese war bestimmt 50 Meter lang, hatte ein Wellblechdach und was bemerkenswert war, nicht ein einziges Fenster. Warum auch? Aus dem Inneren heraus hörte ich die Rufe von zehntausenden Hühnern. Hinter diesen Wänden waren sie, ich konnte sie vor meinem inneren Auge sehen. Vogel-Hybriden, gezüchtet um schnell zu wachsen. Gerade so am Leben gehalten. Genau an dem Punkt, dass sie gerade so nicht sterben. In der Dunkelheit in ihren eigenen Exkrementen stehend, Kraftfutter essend, das maschinell von der Decke fällt. Kein Mensch weit und breit. Um euch einen Eindruck zu geben, anbei dieses Video, das ich selbst gemacht habe. Schließ deine Augen und höre einfach nur hin!

So werden die Tiere gehalten, die wir essen. Im Dunkeln, im Dreck, in ihren eigenen Exkrementen lebend. Ohne Liebe und ohne jegliche Zuwendung.

Ich kann mich nicht erinnern, eine solche Wut gespürt zu haben in meinem Leben. Dabei weiß ich nicht einmal, gegen wen! Dieses Bild, das ich sah, diese Auzuchthalle, sie steht für mich symbolisch für die abgrundtiefe Verachtung der Natur, deren Vergewaltigung durch den Menschen, für dessen Heuchelei! Dieses Bild steht für den Abgrund! Im Dunkeln, fernab der zivilisatorischen Wahrnehmung, werden diese Tiere, diese Geflügel-Hybriden, gezüchtet. Optimiert durch Firmen, Konzerne, Menschen, die unfähig sind zu verstehen, dass all diese Kreaturen Lebewesen sind. In wenigen Wochen wachsen sie zur Schlachtreife heran und das einzige Mal, dass sie diese Hölle – denn das ist dieser Ort! – verlassen, ist für die Reise an einen noch schlimmeren Ort. Dazu möchte ich Jonatahan Safran Foer zitieren aus seiem Buch TIERE ESSEN, das wirklich JEDER besser heute als morgen lesen sollte, weil es SO, SO WICHTIG IST!

“Es gibt keine Auszeit, keine Hilfe: Die Tür wird sich nur einmal öffnen, nämlich am Ende ihres Lebens zu ihrer Reise an den einzigen Ort, der noch schlimmer ist.” (Buchauszug aus TIERE ESSEN)

Das ist so, so falsch

In Deutschland werden jedes Jahr 700 Millionen Vögel geschlachtet (Quelle) – 700 FUCKING MILLIONEN!!! – mit solch drastischen Auswirkungen auf die Umwelt, wie man sich das in den schlimmsten Albträumen nicht vorstellen kann. Und das sind nur die Zahlen für Geflügel! Alle anderen Tiere, die abgeschlachtet werden, kommen ON TOP! Aber noch schlimmer als die reinen Zahlen finde ich unseren moralischen und ethischen Umgang mit dieser Realität. Anders als in Frankreich bekommt man so eine Halle, wie ich sie gesehen habe, quasi nie zu Gesicht. Das Aufziehen der Tiere und ja, das Töten, findet abseits unserer Augen statt und wir erhalten unser Fleisch filetiert im Supermarkt. Frei von Blut und Leid. Einfach ein Stück Fleisch, mehr nicht. Wir essen nur bestimmte Körperteile, in diesem Fall die Brust der Tiere. Den Rest schicken wir an die Armen, mit riesigen Schiffen nach Afrika. Sollen sie den ganzen SHIT essen! So sieht es aus, das ist die REALITÄT! Wir empfinden nicht den geringsten Respekt und Liebe für die Lebewesen, die wir in unvorstellbarer Anzahl essen. Manche Tiere mögen wir – Hunde, Katzen, Hamster, was weiß ich. Andere töten wir – WARUM, NACH WELCHEN REGELN, NACH WELCHER LOGIK? Warum ist das Schwein nicht zu Hause und der Hund (beide sind ähnlich intelligent) auf dem Grill? Sag mir, warum?

STOPP!

In meinem Beitrag zum grandiosen Film THE GAME CHANGERS wird sehr deutlich, dass die Notwendigkeit des Konsums von Fleisch mittlerweile auf breiter Front angezweifelt wird. Auch der Ursprung des Menschen als primär Fleisch essende Spezies wird massiv in Frage gestellt und wissenschaftlich gibt es dazu Fakten, die auf dem Tisch liegen. Der beste Beweis für mich liefern Leistungen vegetarisch oder vegan lebender Top-Athleten, die bis zu den römischen Gladiatoren zurückreichen. Gerade kürzlich bei der Pressekonferenz zum Berlin Marathon äußerte sich der Deutsche Topläufer Johannes Motschmann über die Vorteile einer rein pflanzlichen Ernährung (siehe das Video bei folgendem Beitrag ab Minute 29:05), und diese Aussagen decken sich 1:1 mit diversen Aussagen aus THE GAME CHANGERS (so sehe ich das jedenfalls). Ich finde es im Übrigen ganz toll, dass sich Motschmann so äußert bzw. dies öffentlich genauso kundtut, obwohl er hier sicherlich keine Werbung für die vegane Lebensweise machen wollte, sondern rein seinen Leistungsstatus darstellt. Hätte er nicht tun müssen! Aber gut, dass er es gemacht hat, denn darin liegt die Kraft, viele Menschen zu diesem Thema zu sensibilisieren. In THE GAME CHANGERS äußern sich viele Athleten wie gesagt genauso wie Motschmann und es sollte und aufgrund dieser Tatsache doch ein Licht aufgehen bzw. sollten wir angeregt sein, zumindest im Ansatz über den eigenen Fleischkonsum nachzudenken. Wenn ein Eliteathlet kein Fleisch braucht bei einer krassen sportlichen Leistung, dann braucht es KEINER! Am Ende sowohl diese Films als auch im Buch TIERE ESSEN wird sehr deutlich, welche Zerstörung in der Welt durch die Fleischindustrie angerichtet wird und erneut möchte ich ein Zitat aus TIERE ESSEN verwenden.

“Nichts, was wir tun, kann unmittelbar so viel Leid bei Tieren verursachen wie das Fleischessen, und keine unserer täglichen Entscheidungen hat größere Folgen für die Umwelt.” (Buchauszug)

Neben all der individuellen Abwägung sollte eines in den Fokus rücken. Dass das, was wir essen, zu unserem eigenen Fleisch und Blut wird! Sinnbildlich dafür, dass dem so ist, steht der Fakt, dass man den Fleischkonsum eines Menschen riechen kann (Quelle). Wenn wir gefolterte Tiere essen, dann werden diese auch Teil von uns! Diese in Fäkalien schwimmenden Kadaver den Tiere (in den Schachtbetrieben wird das “Fäkaliensuppe genannt, in TIERE ESSEN nachzulesen!), sie WERDEN EIN TEIL VON UNS! Klar könnte bzw. kann man fragen: “Was will der Typ, der könnte sich auch über Plastik im Meer aufregen!” Ja stimmt, könnte der und hey, macht der auch! Aber im Gegensatz zu allen anderen verwandten und relevanten Themen geht es hier um Leben, um lebendige Lebewesen, die wir behandeln wie Dreck, denen es scheiße geht und die leiden, während ich das schreibe. Und das geht jeden an, JEDEN VON UNS! Niemand würde es auch nur 5 Minuten in so einer Halle ertragen, wir müssten kotzen vor Ekel, das ist eine Tatsache! Und das macht das Ganze eben zur Frage der Moral und auch der Ethik! Ich möchte folgende Frage erneut stellen, die jeder für sich selbst zu beantworten in der Lage sein sollte: WARUM UND WESHALB ESSEN WIR TIERE?

2 Gedanken zu „Eine Frage der Moral

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