Covid – wenn die Laufschuhe am Nagel hängen

Dass mich Covid irgendwann erwischt, das habe ich geahnt, ja fast gewusst. Dass es nun nach über zwei Jahren Vorsicht passiert ist, ist bitter, aber so ist es. Die Vorsicht vieler Mitbürger jedenfalls hat mit der Zeit immer weiter abgenommen, und dann war ich eben auch unvorsichtig – ein Mal. Einmal Unachtsamkeit bei diesem Virus, und das war’s – in sportlicher Hinsicht. Entgegen jenen, die diese Krankheit noch immer verharmlosen, wusste ich von Beginn der Pandemie an, dass wenn es mich erwischt, es mich eine ganze Saison kosten könnte. Jemand, der behauptet, dass dieses Virus harmlos ist, hat – so sehe ich das – überhaupt keine Ahnung von seinem Körper, denn sonst würden er merken, dass da etwas nicht stimmt. Solche Leute Sie merken einfach nicht, wie das Virus Besitz ergreift von ihrem Körper, weil sie diesen nicht kennen. Ich kenne den meinen in der feinsten Nuance. Wenn ich laufe und etwas nicht stimmt, und wenn es nur eine Kleinigkeit ist, dann geht bei mir eine Alarmglocke an. Und im Moment – da stimmt etwas ganz gewaltig nicht! Dieses Virus schickte seine Soldaten in die feinsten Poren meiner Lungen, dem Epizentrum meiner Läufer-Physis, das Kapital des Läufers! Zweieinhalb Wochen nach Infektion war ich immer noch positiv, so hartnäckig sind diese kleinen Biester. Mein Marathon, für den ich drei Monate fast jeden Tag trainiert habe, zerplatzt wie eine Seifenblase! Es macht mich fassungslos, dass Leute lautstark durch die Straßen ziehen und so machen, als könne uns dieses Virus nichts anhaben. Dass es einen nicht auf die Intensiv bringt heißt noch lange nicht, dass dieses Virus keinen Schaden anrichtet. Ich merke diesen Schaden, er ist da, er ist real, und für mich und viele andere Sportler wirklich ganz schlimm.

Als Läufer gebe ich nie auf, NIEMALS! Während meiner zweiwöchigen Pause habe ich mich umgesehen nach einer Alternative, wollte fit werden für einen anderen Marathon. Manche Experten sagen, dass man nach sieben Tagen wieder leicht langsam Antrainieren kann, manche nennen zwei Wochen, andere drei – ich hatte keine Ahnung, was ich tun soll, aber dennoch Hoffnung. Also fing ich nach zwei Wochen ganz locker an mit dem Ziel, bald wieder hart zu trainieren. Doch nach sechs Trainingseinheiten merkte ich, dass mir manchmal schwindelig wurde, ich Druck im Brustkorb, Atemnot verspürte. Ich tat das, was man nicht tun soll, ich „googelte“, und danach musste ich mich auf den Boden legen, die Füße hoch auf einen Stuhl, weil ich fast hyperventilierte. Weil ich nun Gewissheit hatte, dass es vielleicht nicht bei dem einen Marathon bleiben würde, der ins Wasser fällt, sondern es wirklich die verdammte fucking ganze Saison sein könnte, die draufgeht. Und wenn es schlecht läuft, noch viel mehr. Die Symptome, die ich verspürte, könnten Anzeichen sein für eine Herzbeteiligung, bei der Sportler drei Monate aussetzen müssen, besser sechs, noch besser zwölf, keiner weiß das so genau. Diese Unwissenheit ist es, die mich, die viele fertig macht. Profisportler werden hier täglich durchgecheckt, wir Hobbysportler nicht. Gehen wir das Training an mit einer unentdeckten Herzbeteiligung, kann das zu dauerhaften Organschädigungen führen mit lebenslang währenden Leistungs-Einbußen, gar zum plötzlichen Herztod. Natürlich kann es sein, dass da nichts ist, aber wie soll man das wissen? Also bleibt nichts anderes übrig, also sich durchchecken zu lassen, von Experten. Einfach ein Kardiologe reicht da nicht, da muss ein Laufband her mit EKG-Messung vor, während und nach der Belastung, Blut- und Sauerstoffwerte und was weiß ich noch alles. Erst dann, und nur dann kann man guten Gewissens wieder Gas geben. Und bevor das alles klar ist, gehen Wochen, vielleicht Monate ins Land, weil solche Termine immer in der Ferne liegen, schwer zu kriegen sind. Und wenn man dann wieder in der Spur ist, kann es sein, dass einen irgendeiner, den das alles einen Scheiß interessiert, direkt wieder ansteckt. Vor meinem inneren Auge sehe ich diese Querdenker vor mir, wie sie durch die Gegend laufen, ohne Maske, mit einem hochansteckenden Virus. Der die Leute vielleicht nicht auf die Intensiv bringt, aber der Träume zunichte macht – meine Träume!

Ein anderer Traum, der platzen könnte, ist der Rennsteig Ultra, dann noch der Swim-Run in Rheinsberg. Ich bin kein ängstlicher Typ und das hat alles auch überhaupt nichts mit Angst zu tun, sondern schlicht mit dem Fakt, dass keiner weiß, was dieses Virus mit uns langfristig macht. Wenn man an die eigenen Grenzen geht, immer wieder, so wie ich, dann ist diese Gewissheit wichtig, dann ist das essentiell. Gewöhnliche Querdenker oder selbsternannte Besserwisser, die dieses Virus für harmlos halten, wie sie im Supermarkt, auf meiner Arbeit, gar im weiteren Familienumfeld herumlaufen, haben von all dem keine Ahnung, gar keine, null! Sie wissen nicht, wie es ist, monatelang zu trainieren, sportliche Ziele zu haben, für die man kämpft und die dann kaputt gehen, sonst würden sie sich nicht so verhalten. Würden nicht mutwillig riskieren, andere anzustecken mit einen hochansteckenden Virus. Nein, sie nehmen die Ansteckung anderer billigend in Kauf, es ist ihnen scheißegal. Sie sind unfähig, sich in die Lage anderer hinein zu versetzen. Ich bin bis ins Herz enttäuscht von dieser Einstellung, weil ich an die Träume der vielen Sportler denken muss, die bereits zerplatzten, inklusive meinem. Dabei wäre es so leicht vermeidbar, denn eine Maske bricht niemandem einen Zahn ab.

Aber hey, so wie es ist, so ist es. Ich muss damit klar kommen, nicht mehr alles unter Kontrolle zu haben. Muss damit klar kommen, dass andere so denken und die Infektion anderer egal ist. Und das impliziert, dass alle sportlichen Ziele, die in der Zukunft liegen, wie Seifenblasen mit der nächsten Infektion, die in vielen Lebenssituationen vielleicht unvermeidbar ist, zerplatzen können. Und so stehe ich gerade an der Seitenlinie, weil mich dieser Shit erwischt hat, und warte ab. Warte einfach auf die Termine, die Tests die ich brauche, die mir wenigstens ein Mü Sicherheit geben und die Stärke, weiterzumachen.

4 Gedanken zu „Covid – wenn die Laufschuhe am Nagel hängen

  1. Willkommen im Club. Bin auch seit einer Woche positiv. Bin mal gespannt, ob das mit unserem gemeinsamen Rennsteigabenteuer was wird. Mein Optimismus war schon mal größer.

    1. Hi Martin,

      tut mir leid zu hören, dass es auch dich erwischt hat, Mist! Ausgerechnet jetzt, wo die Fallzahlen wieder sinken und man hätte irgendwie ohne Infektion durchkommen können. Achtung Schocknachricht: Ich glaube, den Rennsteig können wir beide knicken, also zumindest ich! Ich jedenfalls habe mich schon damit abgefunden, es geht einfach gar nichts, also so nichts! Heute hat mir ein Marathoni gesagt: Mach vier Wochen gar nichts! Und selbst wenn das zeitlich bis zum Rennsteig irgendwie schadlos zu überstehen wäre, ohne Training 70K zu laufen ist mir glaube ich zu heftig, auch wenn es Bier umsonst gibt! Ich drücke dir die Daumen, dass du schnell und gut da durchkommst. Habe Läuferfreunde, bei denen war das so! FINGERS CROSSED!!!

      1. Da erzählt wirklich jeder was anderes. Ich glaube, wir sind beide alt genug, um uns ein geigenes Bild zu machen.
        Mein Laufkumpel, mit dem ich jedes Wochenende meine langen Runden drehe, war nach zwei Wochen wieder fit. Ich schaue daher mal, wie sich die nächsten Tage entwickeln. Wenn es nicht so ist, dann ist es eben so. Gibt Wichtigeres. Mein erster Rennsteigversuch hat auch wegen einer Verletzung nicht geklappt – alle guten Dinge sind drei. 😉
        Aber hey – jetzt sind wir beide mal optimistisch: Trinken wir schon am Start einen zusammen oder erst im Ziel? 😀

        1. Optimismus hört sich gut an, muss ich mir ohnehin mal angewöhnen (-; Ich hätte nichts gegen ein Bierchen am Vorabend und…im Ziel (falls wir das lebendig erreichen) sowieso (-; und yes, lass mal abwarten, was das Virus noch so vorhat mit uns!

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