Kim MacQuarrie – The last days of the Incas (Buchrezension, Teil 3)

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Inca Atahualpa in ihrer Gewalt, machen sich die Spanier daran, die Hauptstadt Cusco zu erobern. Was sie dort erwartet, übertrifft deren kühnste Träume. Artikelfortsetzung, hier geht‘s zum ersten Teil.

Atahualpa, der gerade dabei war, die absolute Macht über das Reich anzutreten, fand sich also plötzlich in der Gewalt einiger dreister bärtiger Männer, die gerade tausende seiner Gefolgsleute abgeschlachtet haben. Um sein Leben bangend, versuchte er herauszufinden, mit wem er es nun zu tun hatte. Dies wurde ihm alsbald deutlich, als er die Faszination der Männer für Gold erkannte, als diese mit der Kriegsbeute – goldene Teller aus dem Heereszelt des Incas sowie die goldene Ausrüstung gefallener Krieger – in Beschlag nahmen und sich daran ergötzten. Für die Inca war Gold das Symbol der Sonne und deren Inkarnation, des Incas, also dem Oberhaupt des Volkes der Inca, der sich in diesem Fall in Atahualpa manifestierte. Gold war heilig und hatte keinen kapitalistischen Zweck. Ganz im Gegensatz zu den Spaniern, für die Gold den einzigen Zweck der Kolonisation darstellte. Das merkte Atahualpa wie gesagt sofort und bot den Spaniern an, Ihnen noch viel mehr Gold geben zu können.

Video: Francisco Pizarro und die Eroberung Perus

Dieses sei in einer Stadt namens Cusco, dem Zentrum des Reiches, und er würde ihnen den großen Raum, in dem sie sich gerade befanden, bis zu einer an die Wand gezeichneten Line mit purem Gold füllen. Die Spanier zeigten sich begeistert und sofort sendete Atahualpa seine Order aus. Ein weiterer, schwerer Fehler! Atahualpa war der Meinung, die Männer seien lediglich Plünderer, keine Invasoren. Pizarro aber dämmerte nun die Größe des Landes und die scheinbar endlosen Reichtümer. Er bot Atahualpa im Gegenzug bei Erfüllung des Versprechens seine Freilassung und die Fortsetzung seiner Herrschaft im nördlich zum Reich gehörigen Quito an, im heutigen Ecuador. Natürlich war das nichts weiter als eine dreiste Lüge, den Pizarro hatte nicht vor, den Inca jemals freizulassen. Im Gegenteil. Er schickte eine Nachricht nach Panama an seinen Kollegen Diego de Almagro, mit Verstärkung herbei zu eilen. Wenig später schleppten ganze Heerscharen treuer Untertanen Atahualpas in großen Karawanen 500 Pfund Gold täglich nach Cajarmarca zu den Spaniern. Als wäre das nicht genug, machte Atahualpa einen weiteren, selbstzerstörerischen Fehler. Angst um seine Zukunft, lies er seinen ihm zuvor unterlegenen Bruder Huascar töten, anstatt sich mit ihm und seinem Gefolge zu verbünden. Er unterschätzte die Spanier maßlos und besiegelte damit sein Ende.

Video: KimMcQuarrie im Interview

Cusco
3 Männer wurden ausgewählt, die besagte Stadt auszukundschaften und wurden mit einem großen Inca-Gefolge – in Todesangst um ihren heiligen Inca-Führer – auf Sänften ins weit entfernte Cusco getragen. Sänfte waren ausschließlich den obersten Inca-Persönlichkeiten vorbehalten. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass es sich bei den drei Spaniern um Angehörige der untersten Schicht handelte. Es waren die ersten Europäer, die die mächtigen Gipfel der Anden sehen würden, die höchsten Gipfel der Welt nach dem Himalaya. In Cusco angekommen, dieser prächtigen, von schneeweisen Bergen umgebenen Stadt, konnten sie nicht fassen, was sie sahen: „This city is the greatest and finest that has ever been seen in this realm or even in the Indies.“ Sie waren erstaunt über die Architektur, die selbst in Spanien für Aufsehen eregt hätte. Eine besondere Faszination übte auch die vor der Stadt gelegene Festung Saqsaywaman auf sie aus, die noch eine bedeutende Rolle spielen sollte.

Inca Ruinen
Die Festung Saqsaywaman. Bild: LorettaLynn, Pixabay
Cusco Peru
Cusco. Bild: jdbenthien, pixabay

Getäuscht
Eine Festung, so mächtig und in der tollsten Bauweise, wie sie nie zuvor gesehen wurde. Mit Wänden aus riesigen Steinblöcken, mörtellos so genau verfugt, dass keine Nadel in die Fugen passte. In Cusco selbst war ein Gebäude prächtiger als das andere. Manche schienen sogar aus purem Gold gebaut zu sein, und das waren sie tatsächlich. Wie im Wahn ließen sich die Spanier zum Tempel Qoricancha führen, den Mac Quarrie von der Bedeutung mit dem heutigen Petersdom vergleicht. Sprich, heiliger geht es nicht mehr. Die Männer zogen sich nicht einmal die Schuhe aus und rissen vor lauter Gier vor den Augen der entsetzten Priester die goldenen Platten – der ganze Tempel bestand aus purem Gold – von der Wand. Das alles wurde argwöhnisch und zähneknirschend geduldet vom Inca-General Quisquis, dem mit 30.000 Soldaten im Anhang nichts anderes übrigblieb, als dieses Trauerspiel mitanzusehen. Mit über 1000 Trägern, bepackt mit purem Gold, machten sich die Männer auf zurück zu ihrem Führer Pizarro, wo sie die vielen Kunstgegenstände – heutzutage extreme Raritäten – in Barren einschmelzten. Jeder einzelne der 168 Spanier hatte nun die Stellung eines heutigen Multimillionärs. Als schließlich Diego de Almagro mit sechs Schiffen ankam, witterte Atahualpa den Verrat. Dies war tatsächlich keine Plünderung, dies war nichts weniger als eine Invasion. Niemals würde er freikommen. Atahualpa war ein gebrochener Mann.

Inca Mauer
„This city is the greatest and finest that has ever been seen in this realm or even in the Indies.“ Incamauerwerk. Bild, Pixabay

Trick
Aufgrund des Gerüchtes, dass sich eine große Armee zur Befreiung Atahualpas nähere, wurde Atahualpa exekutiert und dessen Sohn Tupac Hualpa als Marionettenführer eingesetzt. Dieser erlag allerdings einer Krankheit, so dass man Manco Inca, den Bruder des zuvor exekutierten Huascars, als Marionette in Cusco einsetzen wollte. In Cusco angekommen, erwartete sie bereits der wütende General Quisquis mit zehntausenden Soldaten. Wie bereits in Cajamarca, konnten sie auch diesmal den Spaniern mit Steinen, Pfeilen und Knüppeln nichts entgegensetzen. Mehrere tausend tote Inca-Soldaten standen nur 6 gefallenen Spaniern gegenüber. Der Grund für die Bilanz war ein denkbar einfacher. Die Inca befanden sich technologisch gesehen in der Bronzezeit, und keine ihrer Waffen konnte, so schreibt McQuarrie, einen spanischen Helm brechen. Manco Inca wurde, da er der Sohn Huascars war, als Befreier in Cusco angesehen und somit die Spanier auch als Heilsbringer. Ein cleverer Schachzug, denn so stand der Plünderung der Stadt nichts im Wege. Pizarro bezog direkt am Hauptplatz Residenz, und seine Gefolge tat es ihm entweder gleich oder bezog herrschaftliche Häuser auf dem Land. Nachdem die Herrschaft in der Hauptstadt gesichert war, machte ich Pizarro im Jahr 1534 auf zur Küste, um die Stadt de los reyes zu gründen, das heutige Lima.

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MaSan
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