The Fantasy Life Of Poetry And Crime: Peter Doherty überrascht mit einem wunderbaren, melancholischen Album

Ich glaube dass es viele überrascht, dass Peter Doherty heute überhaupt noch lebt. Die Welt schaute zu, als er sich in einer Linie mit Amy Winehouse anschickte, sich mit Drogen noch vor dem dreißigsten Lebensjahr umzubringen. Nun hat er es bis über die 40 geschafft, ist verheiratet, und clean. Ich weiß nicht, warum er in diesem Dorf in der Normandie gelandet ist, aber ich male mir aus, dass es etwas zu tun hat mit dem Bruch, der Flucht vor den harten Drogen und dem ganzen Rattenschwanz, der da dranhängt. Er ist dieser Vergangenheit entkommen und man sieht ihm das auch an. Sein Körper wirkt älter als jener eines 43-Jährigen, der er ist. Die Haare grau, etwas Schweiß im Gesicht, die Augen tief und traurig, und kräftig ist er geworden mit einer anständigen Plauze. Aber man sieht ihm auch an, das er alles, WIRKLICH ALLES erlebt und gesehen hat. Viele halten Peter Doherty für einen Rabauken, einen ekligen Rocker, der nur besoffen daher schwafelt, aber das stimmt nicht. Als Frontman der Kultband THE LIBERTINES war er neben Carl Barat der Mann für die sanften Töne, das Melodische und ja, die Poesie. Diese Charakterzüge waren und sind für mich an ihm immer offensichtlich gewesen und ich kann mir vorstellen, dass genau das der Grund ist für die Zerbrechlichkeit und Hang zur Selbstzerstörung.

Wie dem auch sein, Doherty ist in der Normandie gelandet, und dort begegnete er aus Zufall dem Musiker Frederic Ló. Aus dieser Begegnung wurden regelmäßige Treffen in Dohertys kleinem Häuschen und die beiden begannen, Songs zu schreiben, zunächst ohne Erwartungshaltung, wohin oder zu was das führen würde oder könnte. Die beiden begegneten sich in einer jeweils kritischen und zerbrechlichen Lebensphase und es entstand etwas wie ein gegenseitiger Support gegründet auf gegenseitigem Verständnis für die jeweilige Situation. Doherty war einfach froh, Frederic Ló begegnet zu sein, und dieser sah es genauso.

Letztlich sind aus dieser Begegnung zwölf Songs entstanden, die nostalgisch und melancholisch zugleich sind und aus denen man den Ort der Entstehung heraushört. Die beiden haben Streicher, einen Gitarristen, einen Schlagzeuger einen Bassisten sowie einen Pianisten hinzugeholt und Doherty findet sich ein reinen Sänger wieder und damit in einer für ihn ganz neuen Rolle. No, You Can’t Keep It From Me Forever heißt einer der Songs und spielt darauf an, dass die Drogen noch immer auf ein Comeback Dohertys warten. Es bleibt ihm zu wünschen, dass das nicht passiert und dass wir noch viel von ihm hören werden. Die Entstehung der Songs wurden in einer Dokumentation auf ARTE festgehalten, die ich dir ans Herz legen kann (Video oben!).

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