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REFORM ‒ warum eine Designerküche nicht teuer sein muss

REFORM KÜCHE

Vorab vielen Dank an REFORM für das zur Verfügung stellen der tollen Bilder!

Mit der Planung einer Einbauküche ist das ja so eine Sache. Meistens orientiert man sich zunächst einmal in dem blau-gelb angemalten, schwedischen Möbelhaus. Ich finde deren Idee unterm Strich ja super, weil prinzipiell genau das umgesetzt wird, was das berühmte Bauhaus in Dessau wollte. Jeder findet das Bauhaus neuerdings ja ganz toll, wobei die wenigsten verstehen, worum es im Großen und Ganzen eigentlich ging. Und was war das? ‒ durch industrielle Serienfertigung die Stückkosten soweit zu senken, um damit erstklassiges Design jedem zugänglich zu machen. Das ist jetzt sehr verkürzt dargestellt, doch genau das fällt mir als erstes zu dieser Thematik ein. Lässt man sich dann durch die Flure den großen Hallen gleiten und landet letztlich in der Küchenabteilung, stellt man auch dort fest, dass vieles richtig gemacht wird. Zack, zack, und man befindet sich vor einem Computer und ein Küchenexperte zaubert den echten Raum von zu Hause in 3D in den Rechner mit Heizkörpern und allem drum und dran. Und ehe man sich versieht, entstehen zwei oder drei Varianten mit Informationen zu allen Produkten von der Küchenfront bis zur Abzugshaube mit Preisschild darunter. Die gute Nachricht ‒ der Preis ist unschlagbar günstig. 4.500 EUR steht da, für die komplette Küche inkl. Elektrogeräte, wow! Auch das Design ist gut, weil man sich offensichtlich Gedanken darüber gemacht hat. Klar kann man das auch mal kritisieren, weil mir zum Beispiel immer sofort auffällt, dass so ziemlich jedes Möbelstück, was dort irgendwo rumsteht, sich schon ganz schön dreist an die Originale echter Designklassiker anlehnt. Hier erkenne ich die Linien eines Arne Jacobsen, dort die Handschrift von Charles Eames. Aber das ist nur so ein Verdacht, und während ich denke: „Hey, erfindet euren Scheiß doch gefälligst selber, statt billige Kopien herzustellen“, hole ich mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Und der signalisiert mir, dass ich ja selbst leibhaftig hier bin, um von den günstigen Preisen zu profitieren.

Auf der Suche
Nun gut, unterm Strich versteht man also etwas vom Zeitgeist hier, sowohl was den Wunsch nach Minimalismus angeht als auch von Praktikabilität, das ist schon gut! Im Prinzip sind das erst einmal ganz gute Voraussetzungen für den Küchenkauf, doch wo ist der Haken? Zunächst einmal ist es das Design. Dieses geht aus meiner Sicht in die richtige Richtung, aber nur mit angezogener Handbremse. In der Architektur würde man sagen, nicht konsequent genug. Design muss radikal sein, voll durchgezogen, und das ist hier nicht der Fall. Ist ja auch klar irgendwo, weil man es eben jedem recht zu machen versucht. Während mich dort die hässlichen Griffe an der ansonsten eigentlich ganz schicken Küchenfront stören, ist es dort die Ornamentik für die Fraktion Landhaus-Liebhaber. Das ist natürlich alles sehr subjektiv, doch mich persönlich spricht keine einzige der hier ausgestellten Küchen so richtig an. Und dennoch ist da der günstige Preis, der den Fehler im Design wettmacht. Dann kommt aber Haken zwei, und der liegt in der Qualität. Nicht bei allen Teilen, aber bei vielen. Dass man Pressplatten für Fronten verwendet, ist nicht nur hier der Fall, sondern auch in den teuren Küchenstudios. Dass die sauschweren Platten also mehr aus Kleber bestehen als aus Holz, ist weitverbreitete, traurige Realität. Es ist aber etwas anders, was mich stört: Die Armaturen, Waschbecken, Griffe, Elektrogeräte, all diese Sachen sehen auf den ersten Blick gut aus. Der Eindruck ändert sich allerdings, sobald man sich diesen nähert und spätestens dann, wenn man die Teile anfasst. Das ist einfach zu billig! Und dann ist da Haken Nummer drei. Mich reizt die Idee, eine individuellere Küche zu haben, die nicht hunderttausendfach überall verbaut wird, um nicht in die Situation zu kommen, die viele kennen: „Hey, die gleiche Küche habe ich auch!“ Ich stelle also fest, dass das einzige Argument, hier eine Küche zu kaufen, der Preis ist, und sonst gar nichts! Ich beschließe dann ‒ Geld ist nicht alles! Ich wäre bereit, mehr zu zahlen für bessere Qualität und Design und sehe mich immer weniger als Mitglied der Zielgruppe von, ja nennen wir es doch beim Namen, IKEA.

Die Suche geht weiter
Also suche ich weiter und gehe in ein Küchenstudio. Ich orientiere mich über eine bekannte Suchplattform, die auf Bewertungen basiert und suche den Laden auf, wo ich mich nach kurzer Zeit vor einem Tresen befinde. Dahinter ein etwas lustloser Mann in den späten Fünfzigern, dessen Klicks mit der Maus mir über seinem Kopf auf einem riesigen Monitor angezeigt werden. Und wieder: Zack, zack, Küche fertig! Preis für alles für unsere Küche: 27 tausend Euro, mehr als das sechsfache als bei IKEA. Okay, erst mal sacken lassen. Warum ist das eigentlich so teuer? Und da ist der Haken: Zwar sind einzelne Stücke wie Arbeitsplatten und Elektrogeräte wesentlich qualitativer, doch auch hier besteht die ganze Unterkonstruktion ebenfalls aus Pressspan. Wenn das also unterm Strich das Gleiche ist, warum muss ich dann mehr zahlen? Design-mäßig ist mein Gegenüber in der Zeit stehengeblieben. Zu viel Ornamentik überall, ein Griff-Massaker an den Fronten. Hier fehlt ganz klar eine Design-orientierte Festlegung. Fazit: Zu teuer, zu hässlich, schon hochwertiger, aber nicht so hochwertig, dass es diesen Wucher rechtfertigt. Das sage ich dem Mann auch. Der tippt ein bisschen in die Tasten und sagt dann, dass er mir die Küche nun doch, Sonderpreis, für 19-tausend anbieten könne. Ich denke: „Du kannst mich mal“, und sage: “Ich überlege es mir nochmal“. Ich stelle fest, dass das das letzte Mal war, dass ich mich in die Hände solcher Abzocker begeben habe. Dann lieber doch die Küche von den Blau-Gelben?

Alle guten Dinge sind drei
Als ich den Showroom von REFORM in Berlin betrete, da weiß ich ab dem ersten Schritt, den ich auf den geschliffenen Estrich setze, dass hier Leute hin- und herlaufen, die den Zeitgeist verstanden haben. Die es geschafft haben, aus den zuvor geschilderten extrem voneinander abweichenden Erfahrungen eine perfekte Symbiose zu erschaffen. Und was soll das sein? Ganz einfach: Ich will ein erstklassiges Design haben, ‒ oberste Prämisse! ‒ welches so nachhaltig produziert ist wie mein Essen im Bioladen, ‒ zweite Prämisse ‒ nicht irgendwelchen Mist angedreht bekommen, ‒ vierte Prämisse ‒ und nicht abgezockt werden ‒ fünfte Prämisse. Und dem gehe ich jetzt auf den Grund. Der große Raum ist nicht zugeknallt mit unzähligen Mustern in allen Farben ‒ was überfordert! ‒ sondern eine Handvoll Küchenmodelle stehen mit ausreichen Platz zueinander und ausreichend Luft zum Atmen dazwischen. Ungefähr so wie die Speisekarte eines guten Vietnamesen, auf deren Menükarte man nicht aus achtzig Gerichten entscheiden muss, sondern eben nur aus fünf. Und diese fünf sind halt so gut, dass es keine 75 halbherzige Häppchen drum herum braucht. Also in etwa so ist das jedenfalls hier. Und die Handvoll Küchenmodelle, die hier rumstehen, die haben es in sich. Vergessen ist das überteure Küchenstudio, vergessen die großen Möbelhallen, das hier ist Design in der allerersten Liga. Hier wurden keine Vitrakataloge durchblättern mit der Absicht, den ein- oder anderen Strich von Eames und Kollegen zu klauen, sondern man hat sich hier eigene Gedanken gemacht. Hat sich die Fragegestellt, wie man eine Küche heute interpretiert und die Idee radikal bis zum Ende durchgezogen. Um das zusehen, braucht man nur eine einzige Sekunde. Jedes einzelne Detail ist konsequent durchgeplant von hinten bis vorne, nichts, gar nichts stört.

Es geht doch
Ich bin also zunächst einmal beeindruckt gehe jetzt der Frage nach, warum das so ist. Nun, REFORM arbeitet mit einigen der renommiertesten Architekten und Designern der Welt zusammen ‒ Bjarke Ingels und Ilse Crawford zum Beispiel, um nur zwei zu nennen. Das sind Leute , die Häuser und Einrichtungen entwerfen, zu denen Menschen aus aller Welt pilgern, um sie sich anzugucken, weil sie so gut sind. Und so wie diese ihre Gebäude planen, so widmen sie sich auch diesen Küchen hier. Das merkt man sofort! Und wenn man sich dann näher informiert, stellt man fest, dass auch noch der Nachhaltigkeit höchste Beachtung geschenkt wird. Eben genau das gemacht wird, was den Menschen heute wichtig ist. Recyceltes Holz. Wiederverwendung von Material, natürliche Oberflächen. Genau das, was ich, was jeder will. Ich denke, das ist zu teuer und frage, was die Küche vor mir kostet. Die Antwort fällt erstaunlich aus, denn der Preis ist zwar höher als beim Möbelhaus, aber weit aus günstiger als im Küchenstudio. Das kann man übrigens sehr leicht selbst prüfen, indem man auf der Website von Reform ein Beispielmodell mit gewünschten Fronten und Arbeitsplatten bestücken kann. Innerhalb von 30 Sekunden hat man ein Preisschild, ohne Registrierung und anderem Gedöns, auf das niemand Lust hat. Die Küche, die mir gefällt, liegt mit 6.0000 EUR ca. 1.500 EUR über der Möbelhausküche, allerdings ohne Elektrogeräte. Alles in allem ist das aber kein KO-Kriterium, weil man die wirklich günstig erwerben könnte. Ich kalkuliere mit 9.000 mit erstklassigen Geräten und sage mir: „Hey, schlafe mal eine Nacht drüber!“

Das Konzept
Wie schafft REFORM diesen Preis? Der Trick liegt darin, dass die Fronten, die REFORM anbietet, auf dem üblichen Method-Unterschrank-System von IKEA aufbaut. Ein waschechter IKEA-HACK also. Genau das ist die Aufgabe an die Designer, welche die Küche entwerfen, die an jegliche Geometrie adaptierbar ist, so lange sie nur auf IKEA basiert. Das ist natürlich genial! Der günstige durch die Serienproduktion verursachte Preis für die Unterkonstruktion wird genutzt und alles, was sichtbar ist, von „echten“ Gestaltern in die Hand genommen. Wo ist der Haken? Der liegt in der Planung, denn die wird komplett an den Kunden übertragen und mit diesem an IKEA abgewälzt. Sprich: Du gehst zu IKEA, machst einen Termin mit einem dortigen Küchenplaner, planst das Ding durch und gehst mit der Produktliste zu REFORM. Du siehst, du musst also mitdenken und zum Küchenplaner werden. Du musst messen und lernen, was geht und was nicht und noch vieles mehr, bis du REFORM die Liste in die Hand gibst. Und auf dieser Liste muss jedes Maß, jeder Winkel stimmen: Denn wenn nicht, ist das dein Problem! So, und nur so, lässt sich eine Designer-Küche für einen so günstigen Preis anbieten, und das verstehe ich.

Die Umsetzung
Zunächst einmal ist ein Termin mit einem Küchenplaner bei IKEA notwendig. Im besten Fall hat man sich schon vorher mit dem 3D-Küchenplaner befasst, den Grundriss dort bereits mit korrekten  Maßen versehen und sich vielleicht Gedanken gemacht, wie die Küche aussehen soll bzw. könnte. Die Mitarbeiter in der Küchenabteilung sind meiner Erfahrung nach sehr firm und gut darin, Vorschläge einzubringen und den Entwurf noch besser zu machen. Nach ein, zwei oder vielleicht auch drei Terminen ‒ man sollte grundsätzlich eine Nacht über einen Entwurf schlafen ‒ ist dann alles planerische geklärt. Wenn nun alles steht, bestellt man die Küche nicht etwa gleich, sondern schickt die Planung an REFORM mit der Bitte um ein Angebot. Man kann sich durchaus zwei oder drei Designs anbieten lassen oder auch unterschiedliche Materialität der Arbeitsplatte. In der Folge erhält man von Reform ein Angebot, in dem jede einzelne Front einzeln mit Maßen aufgelistet ist und in welche Richtung diese aufschlagen. Man sollte jedes einzelne Maß und die Menge genauestens prüfen, bevor man die Bestellung ausgelöst. Sobald der Auftrag rausgeht, beginnt die Produktion. D.h., dass man einen Fehler in der Bestellung auch bezahlen muss, das muss klar sein. Also, Augen weit auf! Man erhält dann ein voraussichtliches Lieferdatum und daran wiederum richtet man die IKEA-Bestellung für die Unterschränke aus, die wesentlich schneller geht. Daneben gilt es, die gewünschten Elekrogeräte, Armaturen, Waschbecken usw. auszuwählen und zu bestellen. Es ist also einiges an Koordination gefragt, die einem niemand abnimmt. REFORM ist aber auch hier stets mit Ratschlägen da, was wirklich toll ist! Irgendwann ist es dann soweit und REFORM liefert eine tolle Holzkiste mit den Küchenfronten an die Haustür, leider nicht in die Wohnung. Ich finde, diese Leistung könnte man anbieten! In meinem Fall habe ich REFORM auch mit der Montage beauftragt, was ich jedem anderen auch empfehlen würde. Obwohl ich handwerklich nicht ganz ungelenk bin, ist das, was die erstklassigen Monteure machen, wirklich ein außerordentlich toller Job. Die zwei Jungs packen alle IKEA-Kisten aus und schrauben die Elemente zusammen, alleine das dauert einen ganzen Tag. Die eigentliche Montage dauert nochmal drei Tage und ist technisch höchst anspruchsvoll. Die Montage zu bezahlen ist jeden Cent wert und man erspart sich viel Zeit und unendlich viel Ärger.

REFORM KÜCHE

Und nun steht sie da, die Küche und sieht super aus, u.a. deshalb, weil sie 1A montiert wurde. Letztlich war sie doppelt so teuer, als wir sie bei IKEA hätten kriegen können. U.a. aber auch deshalb, weil sparsame und sehr gute Elektrogeräte ausgewählt wurden, welche man günstiger hätte kriegen können. Letztlich landet man wie in meinem Fall aber auch bei der Hälfte des Preises, den man in einem Küchenstudio hätte bezahlen müssen. Von dem her also folgendes Fazit: Billiger als bei IKEA geht es nicht. Das Design im Küchenstudio ist nicht unbedingt besser als IKEA, die Unterschränke auch nicht qualitativ besser und der hohe Preis nicht rechtzufertigen. REFORM liegt preislich etwa in der Mitte, ist also letztlich nicht billig wenn man bedenkt, dass man nur für die Fronten einiges an Geld mehr bezahlt. Dennoch handelt es sich dabei um eine ECHTE Designerküche, mit der weder IKEA noch ein Küchenstudio mithalten kann.

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