Annabel Müller: Trail And Error – Der Weg ist nicht das Ziel (Buchrezension)

Die Tor des Géants – die Tour der Riesen – gehört zur Kategorie der ganz harten Ultras. Mag er vielleicht im Schatten der großen, berühmten Trail-Rennen stehen, ändert das nichts an der Anziehungskraft, die er in erster Linie auf erfahrene Ultraläufer*Innen ausübt. Zu diesen gehört Annabel Müller. In Ihrem Buch Trail And Error berichtet sie über die Herausforderung, 350 Kilometer und fast 30.000 Meter Höhendifferenz im Zeitlimit von 150 Stunden anzugehen. Nackte Zahlen sind das vielleicht für den Laien, doch ein Ultra-Runner weiß, was diese bedeuten – unberechenbares Wetter, schwer laufbares Gelände, extreme Müdigkeit, Halluzinationen und Schmerzen, jede Menge Schmerzen. Für die meisten der rund tausend Teilnehmer, die sich im Ort Courmayeur an der Startlinie treffen, ist nicht etwa eine Bestzeit das Ziel, sondern das bloße Ankommen, welches mehr als ungewiss ist. Für den Außenstehenden stellt sich die Frage des Warums. Warum tut man sich so etwas nur an? Ist es nur das Bedürfnis nach Anerkennung, oder steckt mehr dahinter? Annabel Müller gibt eine Antwort auf diese Frage und bietet dem Leser einen tiefen Einblick nicht nur auf diesen ganz besonderen Ultra, sondern auch tief hinein in den Kopf einer Extremläuferin.
„Die Fähigkeit, mich nach kurzen, teils durchaus intensivem Leid und Selbstmitleid auf die positiven Dinge im Leben zu konzentrieren, ist wahrscheinlich das Wertvollste, was ich besitze.“

Sechs Tage Laufen

Der Tor des Géants, das ist eine einzige, gigantische Etappe, die in maximal sechs Tagen zurückzulegen ist. Wer an den Verpflegungsstationen bzw. Life Bases eine Cut-Off-Zeit verpasst, fliegt aus dem Rennen. Trail Assistants sind erlaubt, aber nur an den VP’S, nicht auf dem Trail. Ein Läufer, der so etwas mitmacht, muss allein klarkommen und zwar ganz egal, was passiert. Das sind harte Regeln, aber normal bei dieser Art Rennen, bei dem sich die Harten der Harten die Kante geben. Ich sage bewusst “die Kante geben”, weil hier wirklich bewusst an die äußersten Grenzen gegangen wird, und zwar in jeglicher Hinsicht. Die Route beginnt in Courmayeur und folgt den beiden Hochrouten des Aostals über zwei Dutzend, bis auf über 3.000 Meter Höhe hinaufreichende Pässe, um wieder in Courmayeur zu enden. Während Topläufer – allen voran Javier Domínguez mit dem Rekord von 67 Stunden und 52 Minuten – die Strecke oft ganz ohne Schlaf in knappen drei Tagen herunterreißen, kommt das hintere Feld ganze drei Tage später ins Ziel. Knochenhart das Ganze also und folglich logisch, dass der Lauf mit knappen tausend Teilnehmern eher ein kleiner ist. Mit klein ist das Teilnehmerfeld gemeint, nicht die Organisation, die sich mit sagenhaften dreitausend freiwilligen Helfern in den entlegensten Winkeln der Strecke um das Wohlergehen und die Sicherheit der Läufer*Innen kümmert. Annabel Müller schreibt sehr detailliert im Hier und Jetzt über den Verlauf des Rennens aus ihrer Sicht. Aus dem Trail hinaus übernimmt sie dann Ausflüge – ihre Geschichte, ihre Träume, ihren Antrieb, und die große Frage des Warums.

„Das Ultratrail-Laufen hat mich gelehrt, wie sinnlos es ist, sich über unveränderbare Ereignisse aufzuregen.“

Die Frage des Warums

Die Frage des WARUMS ist eine, die in Erfahrungsberichten von Ultra-Runnern immer eine Rolle spielt. Im absolut großartigen Werk Der Aufstieg der Ultraläufer von Adharanand Finn (ebenfalls im EGOTH Verlag erschienen) geben die vielen Eliteläufer*Innen, mit denen der Autor spricht, unterschiedlichste Antworten auf diese Frage. Die ehrlichste liefert Zach Miller, einer der großen Stars der Szene: „Das Ego spielt eine große Rolle, denke ich. Das Gefühl des Siegens, die Komplimente, die Aufmerksamkeit, es macht süchtig. Und du willst immer mehr, denn irgendwann ist es vorbei!“ Auch Finn ist auf der Suche nach dem Warum und erklärt sich das Ganze so, dass es unserer Wohlstandsgesellschaft bei so etwas wie einem Ultra darum gehe, Leid zu erfahren, um dadurch Alltag und Leben wieder mehr schätzen zu können. Der Mensch sei eben kein Wesen, dass es sich in Gemütlichkeit einrichte, sondern vielmehr gewohnt sein, unter widrigsten Umständen zu überleben. Seine Interviewpartner, allesamt bekannt dafür, über die härtesten Trail-Strecken Rekorde zu brechen, haben weitestgehend eines gemeinsam – eine mindestens ungewöhnliche, oft schwierige und manchmal gar traumatische Kindheit. So auch Annabel Müller, um hier wieder die Kurve zum Buch zu nehmen. Ihr Vater – Alkoholiker – stirbt früh, und sowohl ihre Mutter als auch ihre Schwester interessieren sich nicht für sie. So etwas prägt natürlich. Mit einem geringen Selbstwertgefühl ausgestattet wird sie auch in der Schule zur Außenseiterin. Ihr großer Wunsch, einfach dazu zu gehören, wird nicht erfüllt. Aus ihr wird eine Persönlichkeit, die niemandem mehr vertraut und eine Antihaltung entwickelt, aus der wiederum etwas sehr Interessantes entsteht, nämlich die Rolle eine Rebellin. Ihre ausklingende Jugend ist geprägt vom Nachtleben, schachtelweise Zigaretten und Alkohol. Manchmal aber verliert ihr Mut seine Substanz und der Teppich über ihrer verletzten Seele wirft Licht in die tiefsten Abgründe. So tief, dass sie sich an manchen Tagen den Tod herbeiwünscht. Mit Anfang dreißig beschließt sie, ihren Job aufzugeben und Physiotherapeutin zu werden. Sie jobt nebenbei in einem Kiosk, um sich die Ausbildung zu finanzieren, und weiß manchmal trotzdem nicht, wie sie Ende des Monats die Rechnungen bezahlen soll. So ist manchmal der einzige Weg jener zur Mutter mit der Bitte um Geld zu dem Preis, deren Bild der eigenen Tochter als Versagerin zu festigen. Ihrer ersten großen Liebe unterwirft sie sich, indem sie sogar ihren Job für ihn aufgibt und für ihn arbeitet. Er ist der Boss und auch er gibt ihr das Gefühl, stets nicht gut genug für nichts zu sein. Dieser Werdegang ist – ich habe viel über diesen Sport gelesen – charakterisch für „den klassischen“ Ultra-Runner. Unweigerlich musste ich beim Lesen dieser sehr persönlichen Ereignisse an Scott Jurek denken und an dessen Kindheit, die er in Eat & Run schildert. Um Lichtjahre heftiger als die hier geschilderten, ohne das werten zu wollen, entspringt aus seiner Fähigkeit, zu leiden (und zwar richtig heftig zu leiden, und das schon als Kind), der Weg in den Ultra, und zwar als ein Mittel heraus aus dem Leid, wie ein Befreiungsschlag. Adharanand Finn schreibt in seinem o.g. Buch ein wenig mit Spaß, dass seine Kindheit vermutlich leider nicht traumatisch genug war, um zu den Besten des Genres Ultra zu gehören. Obwohl das etwas irritierend klingt, ist aus meiner Sicht etwas Wahres dran an dieser Aussage. Jetzt aber wieder zum Buch.

„Heulen und warten, dass mich jemand abholt, funktioniert weder im Leben noch beim Laufen.“

Ein neues Leben

Auch Annabel Müller entwickelt aus diesen widrigen Umständen heraus den Antrieb, sich aus ihrer Situation zu befreien und wendet sich wie viele, die so etwas erleben, sehr schnell Ultraläufen der krassesten Kategorie zu. Mit knappen dreißig Jahren kommt sie zum Laufen, lässt den ersten Halbmarathon, dann den ersten Marathon hinter sich, bevor sie 2011 ihr erstes Bergrennen läuft. Berge, das merkt sie sofort, sind ihr Ding, und dann geht es Schlag auf Schlag. Der Zugspitz Ultratrail über 100 Kilometer, der Swiss Irontrail über 200 Kilometer, das Südtirol Ultra Skyrace, der Jurasteig Ultratrail über 170 Kilometer, der Swiss Peaks über 360 Kilometer, der Madeira Ultratrail, der Großglockner Ultra, der JUNUT, und auch die großen berühmten Rennen wie den Lavaredo Ultratrail oder gar der berüchtigte UTMB – Annabel Müller gibt sich die Kante, nimmt alles mit. Anfangs zu den Langsamen gehörend, gerade so die Cutt-Offs schaffend, wird aus ihr eine erfahrene Trail- Runnerin. Die Erfahrung in den Bergen bei diesen Rennen beeinflussen nun ihr Leben in positiver Art und Weise. Sie ist fasziniert von den Momenten, die sie inmitten der Natur erlebt und es gelingt ihr, Wissen, Kraft und Erfahrung daraus zu ziehen. In dieser Lebensphase entsteht ihr Antrieb, ihr Leben zu ändern. Und zwar so, wie ausschließlich sie es möchte. Sie beginnt, Vorträge zu halten, wird Business Speakerin. Es ist ihr ein Bedürfnis, ihre Erfahrungen aus den Rennen mit anderen zu teilen, weil sie fest daran glaubt, dass es zwischen dem Ultra und dem echten Leben eine Verbindung gibt, die auch anderen helfen kann, wie sie das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Sehr erfolgreich in der Rolle der alle Hindernisse überwindenden Heldin, füllt sie große Hallen, in denen die Menschen gebannt ihren Abenteuern lauschen. Ihr Lebensgefährte Björn, den sie bei einen Ultra kennenlernt, ist wahrscheinlich das größte Symbol ihres Wandels. Entgegen ihrem früheren Partner ist er jemand, der sie genau so nimmt, wie sie ist und sie unterstützt, wo es nur geht. Auch er hat dieses Rennen bereits erfolgreich hinter sich gebracht, mit Annabel als Trail Assistant. Dieses Mal ist es umgekehrt und Björn supported Sie während des gesamten Rennens. Er ist stets erreichbar, wenn sie die Orientierung verliert, wartet an den Life Bases zu jeder erdenklichen Uhrzeit mit einem fertig zubereiteten Essen, macht Fotos für ihre Vorträge, sprich: Er ist für sie da mit genau dem Verständis, dem Abstand und der Nähe, den in einer Stresssituation wie dieser braucht. Dazu gehört auch, die Dinge so anzusprechen wie sie sind, keine falschen Hoffnungen zu machen und zu pushen, obwohl einen das Leid des Partners sogar selbst wehtut. Und als wäre das alles Fügung, klopft auch noch ein Verlag an die Tür mit der Chance, mit einem Buch über den Tor des Géants eine große Leserschaft zu erreichen. Und so kommt es, dass Annabel Müller, nicht ganz ohne Erfolgsdruck, dieses Rennen angeht.

„Wenn du ans Aufgeben denkst, überlege, warum du angefangen hast.“

Das Rennen

Annabels Ziel ist es, am Sonnenaufgang des sechsten Tages am Col Malatrà zu stehen und hinunter ins Ziel zu laufen mit genügend Puffer zum Cut-Off. Um das zu schaffen, hat sie den Lauf akribisch geplant und eine entsprechende Schlafstrategie durchdacht, die drei Stunden Schlaf alle zwei Tage vorsieht. Soweit die Theorie, die bei einem Ultra oft von der Realität abweichen kann. Heftige Schneefälle und die Notwendigkeit des Tragens von Steigeisen machen das Vorankommen schon schnell mühsamer als gedacht. Eiskalte Nächte in absoluter Finsternis mit so gut wie keiner Sicht erschweren die Navigation. Nicht nur deswegen kommt es dazu, dass der beabsichtigte Schlaf mehr als einmal ausfällt, sondern auch scheinbar banale Gründe werden zum Problem. Beispielsweise sind die Feldbetten in so mancher Life Base einfach komplett belegt, so dass Annabel zwar gerne schlafen möchte, es aber einfach nicht geht und sie deswegen einfach weiterläuft. Oder es bricht einer der Laufstöcke ab, die bei den Up- und Downhills so wichtig sind. Das kostet Zeit, und Zeit wiederum Schlaf, das wichtigste Kapital bei einem Ultra von dieser Länge. Wie Annabel Müller mit diesen Problemen umgeht, ist sicherlich für jeden Ultrarunner und jene, die es werden wollen, sehr interessant. Ohnehin kann man von ihr jede Menge lernen. Das fängt an mit der richtigen und notwendigen Ausrüstung wie Speed Sticks, Flasks, Sleeves, Westen und jeder Menge andere Sachen. Ausrüstung als solche ist das eine, diese richtig einzusetzen und mitzuführen, die andere. Ordnung, so sagt sie, sei das halbe Rennen und es komme darauf an, nicht zu viel dabei zu haben, sondern genau das, was man braucht und eben nicht mehr. Dann ist da das Wetter, das im Gebirge zwischen eiskalt nachts und extrem warm tagsüber schwankt. Nachts ist es wichtig, Kältebrücken mit der richtigen Kleidung zu vermeiden. Tagsüber ist der Schutz vor extremer Hitze und folglich Dehydration essentiell. Hier wird einem ganz deutlich die ganze Erfahrung von Annabel bewusst, die sie in den vielen Rennen gewonnen hat und sie dazu bewegt, gefühlt jeden Moment im Rennen zu werten und eine Entscheidung zu treffen. Schlafen oder nicht? Weiterlaufen oder nicht? Essen oder nicht? Rennen oder gehen? Sich vergewissern, dass der Weg stimmt, oder lieber weiterrennen? Es gelingt ihr auch, stets die Wichtigkeit einer Situation richtig einzuschätzen, wie zum Beispiel trotz Müdigkeit die Konzentration bei einem Klettersteig hochzuhalten. Besonderes Augenmerk gilt dem Schlafentzug, diese extreme Müdigkeit, die einen bei so einem Lauf ereilt. Nicht selten fällt sie in einen Sekundenschlaf während des Laufens, den auch die kräftigste Guarana-Tablette nicht verhindern kann. Die Ernährung und das Trinkverhalten sind weitere immens wichtige Facetten, mit denen Annabel umzugehen weiß, genauso wie mit den Halluzinationen, die sie ereilen. Was ist echt und was nicht von dem, was man in einer Phase des größten Stresses scheinbar sieht?
„Ich war und bin ganz sicher keine Masochistin.“

Schmerzen, Schmerzen und nochmal Schmerzen

Schlimmer noch als die Müdigkeit sind einsetzende Schmerzen in einem Knie, die mit zunehmender Strecke immer heftiger werden und entgegen ihrer Vermutung nicht abklingen, sich nicht einfach rauslaufen lassen. Diese Schmerzen entwickeln sich zur reinen Qual, die ihr die Tränen ins Gesicht treiben, weil es so wehtut. Wie steht man so etwas nur durch? Hier spielt natürlich die mentale Stärke eine entscheidende Rolle und hier im Spezifischen die Fähigkeit, zu leiden. “Ich bin keine Masochistin”, schreibt Annabel in diesem Zusammenhang, und dennoch ist dieser Punkt mir als Leser schon etwas schwerer begreiflich. Wieder einmal komme ich nicht drum herum, an Finns “Der Aufstieg der Ultraläufer“ zu denken. Finn stellt fest, dass die besten Läufer der Welt, die Kenianer, bei den Ultras nicht vertreten sind, und bringt mit großer Mühe einen an den Start. Der gibt sich beim allerersten Rennen sehr gut und führt haushoch gegen jegliche Konkurrenz, doch dann hört er einfach auf. Der Grund: Ihm tut der Fuß weh. Finn verhält sich zunächst verständnislos, weil aus seiner Sicht Schmerz zum Ultra einfach dazugehört und der Läufer wegen einer Lappalie (aus Ultrasicht) einen Sieg verschenkt. Doch letztlich wird das Gefühl von Bewunderung abgelöst. Der Kenianer hört einfach auf seinen Körper. Mit dieser Art Schmerzen zu laufen ist für ihn einfach eine rote Linie, die es nicht zu überschreiten gilt. Obwohl die Autorin verneint, unter Erfolgsdruck für das Buchprojekt zu stehen, nehme ich ihr das nicht ganz ab. Natürlich ist Druck da, und zwar ganz gewaltig. Jener Druck, weiterzumachen, immer weiter, trotz aller Schmerzen, um letztlich vom Sieg zu berichten. Annabel Müller ist keine Profiläuferin. Keine, die durch Zeiten auffällt, sondern in erster Linie durch die gelaufene Distanz, diese zurückzulegen sich andere nicht vorstellen können und die, da Ultra längst keine Nischensportart ist, gezwungenermaßen immer länger werden muss. MUSS, wenn man seinen Lebensunterhalt durch die Schilderung von extremen Abenteuern bestreiten möchte. Wie auch immer, Annabel läuft weiter, beziehungsweise sie geht, läuft im Seitgalopp, schleppt sich irgendwie vorwärts, so dass man als Leser wirklich mitleidet und stellenweise hofft, sie würde einfach aufhören, damit die Qual ein Ende hat.

„Alles, was wir leisten, ist einen Schritt vor den anderen zu setzen, und dabei niemals nachzulassen.“

Die größte Herausforderung

Als wäre das alles nicht schwer genug, gesellt sich immer wieder eine Läuferin zu ihr, um Segmente der Strecke mit ihr gemeinsam zu laufen. Eine sehr unsympathische Läuferin namens Verena. Sie kommen langsam ins Gespräch und Annabel vertraut der neugierigen Frau Details aus ihrem Leben an. Statt Verständnis zu zeigen, reagiert diese oft gehässig, provozierend und gemein. Ihren Lebenswandel als Erfolgstrainerin und Business-Speakerin empfindet sie als lächerlich und die ganze Art, das Rennen anzugehen, als amateurhaft. Sie gibt ihr genau das Gefühl, dass sie seit der Kindheit plagt, nämlich nicht gut genug zu sein für nichts auf der Welt. Statt Verena in den Wind zu schießen, lässt sie sich jedoch auf diese ein im Glauben, dass eine solche Begegnung kein Zufall sein kann. Und so werden die Gespräche zwischen den beiden zur Zerreißprobe für Annabel und zu einem der dominierenden Themen im Buch. Verena repräsentiert auf gewisse Art und Weise den Schatten ihrer selbst, dem sie sich stellen muss wie diesem Trail, womit eine wichtige Verbindung zwischen Ultra-Trail und Leben entsteht, die sehr gelungen ist, wie ich finde. Und während Schmerzen zunehmen, die Geschwindigkeit abnimmt und die Schlafpausen dadurch immer knapper werden, wird das Rennen zum erbarmungslosen Kampf mit der Uhr.

Fazit

Entgegen anderer Rezensionen auf dem Blog habe ich meine Kritik bereits mit Verweisen auf andere Bücher im Text selbst integriert. Aber hey, was denke ich jetzt über dieses Buch? Ich finde es klasse, in vielerlei Hinsicht! Dieses Buch ist im Blickwinkel einer Amateurläuferin geschrieben, was für alle angehenden Ultraläufer*Innen die beste Möglichkeit ist, zu lernen und Fehler zu vermeiden. Wie geht man einen Ultra an, worauf kommt es an? Annabel hat Erfahrung en masse und auf alles eine Antwort, außer vielleicht auf die Frage des Warums, der sie wie alle anderen nachzugehen versucht und dessen Antwort hier nicht verraten wird. Jeder, der sich dem Ultra stellt, wird auf ähnliche Herausforderungen stoßen wie sie. Berichte von Eliteläufern wie Scott Jurek oder Kilian Jornet sind da zu weit weg von der Welt der Normalsterblichen und ich denke, dass genau hier die Stärke dieses Buches liegt. Annabel hat außerdem eine Message für alle von uns: nämlich dass man, was auch immer, alles schaffen kann. Es ist einfach eine schöne Geschichte, wie sie ihr Leben in die Hand nimmt und den gewünschten Wandel angeht, und zwar trotz aller Widerstände, und dass ein solcher Wandel auch gelingen kann. Das ist die Botschaft für mich in diesem Buch. Was habe ich zu bemängeln? Vielleicht eine Sache: das Buch ist mit knappen 400 Seiten etwas zu lang, finde ich. “Kürze ist nicht meine Stärke” schreibt sie an einer Stelle, und ich muss da zustimmen. Gefühlt lässt Annabel keinen einzigen Anstieg und keinen Downhill aus, was nicht für Mehrwert sorgt und etwas auf Kosten der Spannung geht. Insgesamt habe ich dieses Buch wirklich sehr gerne gelesen und viel für mich dazu gelernt.

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Ma San

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