Life man – what a gift

Als Vater ist es nicht immer ganz einfach, den Trainingsalltag in den Tagesablauf unterzubringen. Eine Regel gilt für mich immer – die Familie geht immer vor! Das heißt, dass ich auch mal Samstagabend zu einem 30er aufbreche mit meiner Stirnleuchte um den Arm gewickelt, weil ich in die Dunkelheit hineinlaufe. Die ersten Schritte sind dann oft nicht einfach, weil ich mich manchmal einfach gerne mit einem Buch auf das Sofa hauen würde, aber ich mache es trotzdem. Warum? Weil Frankfurt kommt, Ende Oktober diesen Jahres, und das DER LAUF für mich werden wird, jedenfalls habe ich mir das so gedacht. Na ja, auf jeden Fall laufe ich oft zu ungewöhnlichen Zeiten und bei ungewöhnlichem Wetter, aber wenn ich dann 5K unterwegs bin, dann fällt mir auch immer wieder ein, warum ich das Laufen so liebe. An diesem Abend jedenfalls geht die Sonne erst nach Neun unter, und jetzt um Acht leuchtet sie in diesem besonderen, goldenen Licht, das zu keiner Tageszeit so schön ist. Und jetzt bin ich froh, dass ich zu dieser Uhrzeit so weit draußen vor der Stadt bin, weit im Norden, wo die Felder und Wiesen die Häuser längst abgelöst haben. Das Korn steht hoch und raschelt im Wind, und überall ragen die Mohnblumen mit ihren roten Köpfen empor. Die Birken fangen mit ihren an langen, herunterhängenden Ästen baumelnden Blättern die letzten Sonnenstrahlen ein und in der Ferne sehe ich die Windräder, wie sie sich drehen und drehen. Und während die zirpenden Grillen zu einem abendlichen Konzert anstimmen, laufe ich durch durch dieses Bild hindurch, das die Natur inszeniert und sich abspielt, ob wir hinsehen oder nicht. So hat es Annie Dillard geschrieben in ihrem wunderbaren Buch Pilgrim at Tinker Creek: Dinge, Wunder passieren, spielen sich ab, und zwar ganz egal, ob wir ihnen Beachtung schenken. Jetzt gerade sehe ich, höre ich genau hin, bin ganz da, und spüre ganz stark – was für ein kostbares Geschenk das Leben ist.

6 Gedanken zu „Life man – what a gift

    1. Ich hatte beim Laufen an eine Botschaft von Annie Dillard gedacht, den sie in ihrem Buch Pilgrim at Ticker Creek schreibt. Nämlich dass Dinge passieren und das ganz egal, ob wir hinsehen oder nicht. Sie beschreibt das anhand einer Sonnenfinsternis, die sich abspielt, aber nur von einer Handvoll Menschen beachtet wird, während alle anderen nicht mal mit dem Auto anhalten, um wenigstens mal kurz zu hoch zu gucken. Na ja, jedenfalls ging mir das durch den Kopf, weil das einfach so schön ist grade wenn man im Grünen unterwegs ist, alles blüht und so. Na ja, und wenn ich nicht da gewesen wäre, dann wäre es ja trotzdem so schön gewesen, ich hätte es nur nicht gesehen. Und das hat mich tatsächlich etwas melancholisch gestimmt, und trotzdem dankbar, weil ich halt einfach da war. Wahrscheinlich ein Symptom einer Art Midlife Crisis (-;

      1. Ob das mit einer Midlife Crisis zu tun hat, wage ich zu bezweifeln. Die ist bei mir schon durch und dennoch geht es mir auch manchmal so. Und nicht nur, wenn es blüht. Jede Jahreszeit hat so Momente, wo ich denke: “Hey, warum lauft ihr nicht alle auch mal in der Natur? Das hier verpasst ihr alles!”

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