Powered by Plants: Sind vegan bzw. vegetarisch lebende Läufer*Innen eigentlich leistungsfähiger?

Seit nunmehr fünf Jahren lebe ich vegetarisch. Da ich mittlerweile auch Milch, Butter und Eier durch pflanzliche Alternativen ersetzt, bin ich prinzipiell zu 90-prozentiger vegan unterwegs, würde ich sagen. Ich hatte in der Vergangenheit immer wieder solche Phasen und kam zurück zur tierischen Ernährung, aber seit fünf Jahren ist der Groschen nachhaltig für mich gefallen. Der Verzicht steht diesmal, da bin ich mir ziemlich sicher, auf Lebenszeit. Menschen wie Alex Honnold, Scott Jurek und andere haben mich zu diesem Schritt inspiriert und auch ich möchte einen Beitrag leisten zum Erhalt dieser Welt. Geboren in einer kleinen, privilegierten Gesellschaft der Überflusses, deren Verhalten die übrige Welt bedroht, fühle ich mich dazu verpflichtet, einfach irgend etwas zu machen gegen den Klimawandel, gegen die Zerstörung unserer Meere und Wälder – unserer Welt. Neben dem Verzicht auf ein Auto (ich besaß nie eins) ist aus meiner Sicht der Verzicht auf tierische Produkte aller Art (insbesondere Fleisch) ein riesengroßer und für jeden leicht zu bedienender Hebel, um auf individueller Ebene den eigenen CO²-Fußabdruck sofort und immens abzusenken. Neben dem ökologischen Aspekt gibt es aber auch weitere Gründe, sich fleischlos zu ernähren: Moralische, ethische, philosophische, gesundheitliche und ja, auch sportliche Gründe. Um letztere soll es vordergründig gehen. Denn ich habe mich gefragt: Bin ich mit einer pflanzlichen Ernährung eigentlich leistungsfähiger?

Video: The Game Changers ist sicherlich nicht unumstritten. Dennoch ist es interessant, wie sich viele Topathleten zu dem Thema äußern.

Warum fleischlos?

  • Der moralische Aspekt: Wir leben in einer Welt, die Hunger leidet. Unfassbare Mangen an Getreide, mit denen man die ganze Welt ernähren könnte, wird an Tiere verfüttert, um einen viel kleineren Teil Fleisch für eine privilegierte Minderheit zu produzieren. Die Menschheit wächst, die Agrarflächen nicht. Mehr Erklärung braucht es nicht, um deutlich zu machen, dass das ein Irrweg ist.
  • Der ökologische Aspekt: Immens wichtige Ökosysteme wie Regenwälder, Meere oder Moore werden überall auf der Welt für das Vieh selbst oder deren Futter zerstört, kompromisslos und nachhaltig. Während durch die Fleischproduktion riesige Mengen CO² freigesetzt werden, zerstört man die Ökosysteme, die CO² speichern können. Das ist so, als säge man sich den Ast ab, auf dem man sitzt. Wir brauchen diese Ökosysteme, um selbst zu überleben!
  • Der ethische Aspekt: Und selbst wenn man argumentativ oben genannte Aspekte zu relativieren versucht, so landet man letztlich immer bei dem ethischen Aspekt. Das Tier muss, selbst wenn es nicht (wie die große Mehrheit aller Tiere) qualvoll aufgezogen wird, getötet werden. Und das macht ein einfach keinen Sinn! Warum? Weil wir Fleisch nicht zum leben brauchen. Wir brauchen kein Fleisch, um zu existieren: Genuss und Geschmack sind (im Prinzip) kein Grund, ein Tier zu töten.
  • Der philosophische Aspekt: Weiter gedacht: Ich frage mich manchmal, was eine fortschrittliche, außerirdische Spezies mit uns machen würde, also mit einer vermeidlich schwächeren Spezies. Würde diese uns domestizieren, so wie wir die Tiere? Ich bin der Meinung, dass man schwächeren Wesen mit Respekt und Anerkennung begegnen sollte. Was wir uns unterlegenen Spezies antun, ist in jeglicher Hinsicht verwerflich. Wir sollten unterlege Lebewesen nicht behandeln, wie wir selbst nicht behandelt werden wollen. Das hat auch etwas mit Würde zu tun.
  • Der Gesundheitliche Aspekt: Fleischkonsum erhöht das Risiko für Herzerkrankungen, Krebs, Übergewicht, Arthrose und Diabetes. Das Essen von viel Fleisch mindert die Lebenserwartung immens. Wie viel, ist umstritten. Nach der Aussage von Dr. Probst, dem ich mich im Rahmen eines Artikels schon einmal in Bezug auf Krebs gewidmet habe, mindert das Essen von Fleisch die Lebenserwartung um satte 13 Jahre, was es übrigens doppelt so schädlich macht als Rauchen.

Der sportliche Aspekt
Sportler wie Jan Frodeno, Novak Djokovic, Scott Jurek und Alex Honnold beweisen, dass man mit einer vegetarischen bzw. sogar veganen Lebensweise zur Weltspitze gehören kann. Das Argument, dass man Fleisch braucht, um Leistung zu erzielen, greift also nicht. Doch lässt sich gar behaupten, dass sich fleischlos ernährende Athleten die besseren sind? Nun – es gibt schon einige wissenschaftlich fundierte Fakten, die in diese Richtung gehen, einige seinen genannt:

  • Fleisch zu verdauen ist ein energiereicher Prozess, der in die Erholungs- bzw. Regenerationsphase hineinfällt und diese verkürzt.
  • Die Regeneration dürfte zumindest bei vielen Veganern effizienter ausfallen als bei Fleischessern. Und zwar deshalb, da durch frische, pflanzliche Lebensmittel viele Antioxidantien aufgenommen werden. Diese wiederum bekämpfen den von freien Radikalen verursachten Entzündungsprozess, der durch sportlichen, oxidativen Stress hervorgerufen wird, und das verbessert den Regenerations-Prozess.
  • In erster Linie wird Energie beim Laufen durch Kohlenhydrate umgesetzt. Komplexe Kohlenhydrate (Äpfel, Kohle, Tomaten, Pilze, Erbsen, Vollkorn, etc. ) sind besser als einfache (Weißbrot, Zucker, Schokolade, Pizza, Softdrinks) und in der Tendenz ist es so, dass Veganer mehr komplexe Kohlenhydrate zu sich nehmen, weil sie sich intensiver mit Ernährung beschäftigen.
  • Veganer haben nicht nur bessere Blutwerte, der Blutfluss ist auch besser, wodurch die Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff effektiver läuft.

Aber
Ist deshalb der vegane Athlet der bessere? Ganz klar, nein! Denn – einem veganen Spitzensportler steht ein größerer Anteil Fleisch essender Athleten gegenüber. Klar ist aber auch, dass der vegane Athlet auch kein schlechterer sein muss.

Das “Wie” ist entscheidend
Vor allem Veganer MÜSSEN sich zwangsläufig intensiv mit Ernährung auseinandersetzen. Schon allein deshalb, um Mangelerscheinungen entgegen zu treten. Ernährt man sich richtig und mit allem, was man braucht, dann fehlt es einem auch an nichts. Kohlenhydrate (Nudeln, Reis, Kartoffeln) oder Proteine (Haferflocken, Nüsse, Tofu, Brot) sind leicht pflanzlich bereitstellbar. Auch leicht zu kompensieren sind Vitamin B6 (Kohl, Linsen), Eisen (Hülsenfrüchte, Leinsamen), Vitamin D (Sonnenlicht), Zink (Käse, Erdnüsse), Calcium (Hülsenfrüchte, Obst, Gewürze, Käse), Jod (Jodsalz) und Omega-3-Fettsäuren (Leinöl, Kichererbsen). Das Einzige, was kritisch ist und ergänzt werden muss in Form eines Nahrungsergänzungsmittels, und damit der im Prinzip einzige Vorteil des Fleisch Essenden, ist Vitamin B12.

Ma San[/Avatar]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.