Laufe am Morgen bevor dein Gehirn merkt, was du vorhast

Laufe am Morgen bevor dein Gehirn merkt, was du vorhast. Das klingt zunächst einmal nach einem lustigen Spruch, was ja auch so ist. Dennoch steckt ein wahrer Kern in diesem Satz, weil der Kopf vielmehr – und zwar unterbewusst – entscheidet, wie ein Lauf, insbesondere ein langer, verläuft. Kleine Nuancen sind es manchmal, die bestimmen, ob das Tempo gehalten werden kann oder nicht. Eine rote Ampel und ein damit verbundener, erzwungener Stopp kann bewirken, dass wir nicht mehr in einen von Leichtigkeit geprägten Rhythmus hineinkommen. Ob wir uns eine lange Strecke vornehmen, also vorher planen, oder aber spontan angehen nach dem Motto: „Ich schaue mal, wie weit ich komme!“, kann einen enormen Unterschied im Tempo ausmachen, weil erstere Variante unter Druck setzt, letztere nicht. Starte ich einen Lauf mit dem Ziel, auf die Marathondistanz zu gehen in einer bestimmten Zeit, dann kann es sein, dass der Lauf ab der Hälfte so hart wirkt und ich so derart kämpfen muss, um das Tempo zu halten, dass diese Auseinandersetzung mit meinem selbst auferlegten Ziel hemmend wirkt auf die Stärke, auf die in mir liegende Kraft.  „Verdammt, ich bin zu langsam, das schaffe ich nicht!“, kann es dann in meinem Kopf spuken. Und wenn der Kopf sagt, dass ich es nicht schaffe, dann schaffe ich es nicht! Wenn der Kopf Widerspruch erhebt und ich mich diesem beuge, dann schwindet die Leichtigkeit. Ich werde nicht zu dieser Maschine, die einfach läuft und die Härte, die durchaus da ist, irgendwo mit Genuss akzeptiert und das Tempo genießt. Ich glaube, dass es genau das braucht, um ein guter Läufer, eine gute Läuferin zu sein. In Tibet gibt es das Symbol des Windpferdes, ein Pferd mit einem über dem Sattel schwebenden Diamant. Letzteres stellt den Geist da und es geht im tieferen Sinne darum, dass der Geist bestimmen soll, was der Körper macht. Im Buddhismus wird das durch Meditation erreicht, also einer lang anhaltenden Konzentration auf etwas, zum Beispiel auf die Bewegung. Es soll verhindert werden, dass sich der Geist verirrt, uns einfach entwischt. Wenn dir das passiert beim Laufen, also du größtenteils gedankenverloren unterwegs bist oder weitestgehend mit Musik läufst, also abgelenkt bist, dann gebe ich dir den Tipp, es einmal wie die Buddhisten zu halten, nämlich in absoluter Konzentration. Im Buch RUNNING BUDDHA von SAKYONG MIPHAM, das ich an dieser Stelle empfehlen kann, schreibt ein laufender Marathon-Mönch über genau das. Schaut man auf die Ultralaufszene, sieht man die Leichtigkeit überall. Manche der besten Athleten in diesem Bereich trainieren noch nicht einmal nach einem Plan, Zach Miller trägt nicht einmal eine Pulsuhr. ES IST ALLES IN UNSEREM KOPF! Das stimmt, zumindest in großen Teilen. Wenn ich weiß, dass ich 160 Kilometer laufen und 10.000 Höhenmeter beim UTMB laufen muss und mir das in jeder Kurve sage, dann ist das keine gute Voraussetzung, das zu schaffen. Wenn ich aber einfach losgehe und mich freue, diese atemberaubende Natur zu sehen, dann habe ich bereits die Marathondistanz zurückgelegt, ohne dass ich es gemerkt habe. Neulich ging ich los mit dem Ziel, einen Trainings-Marathon in einer 4:30er Pace zu laufen und konnte das Tempo einfach nicht halten. Bei K34 brach ich ab mit einer Pace weit drüber. Eine Woche später ging ich anders ran. Ich fing zügig an mit eine 4:30er Pace mit dem Ziel, dies so lange durchzuhalten, wie es eben geht. Bis K30 lief das problemlos und ich beendete den Lauf. Letztlich war bei beiden Läufern der Weg ein gemeinsamer, nur die Herangehensweise war anders. Nicht in allen, aber in vielen Fällen entscheidet unser Kopf. Und manchmal ist es gut, wenn dieser nicht genau weiß, was du vorhast!

Ma San

 

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