THE OCEAN CLEANUP

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Wie der junge Niederländer Boyan Slat unsere Ozeane retten will

Eine Anmerkung zu Beginn: Die Rechte für die Veröffentlichung der hier publizierten Bilder wurden dem Autor auf schriftliche Anfrage hin gewährt.

The Ocean Cleanup heißt das vom jungen Niederländer Boyan Slat gegründete Projekt. Worum es geht – um nichts Geringeres als die Säuberung unserer mit Plastik verseuchten Ozeane dieser Welt. Zeitrahmen, 5 Jahre. Damit provoziert der junge Mann die Fachwelt. Eine Fachwelt, die sich zwar mit dem Thema auseinandergesetzt, vielleicht auch Lösungsansätze erarbeitet hat, aber auch resigniert, gelähmt ist im Angesicht einer scheinbar unlösbaren Aufgabe, und deshalb keine Initiative zeigt. Als Boyan im Alter von siebzehn Jahren während eines Badeurlaubs die unglaubliche Menge an Plastik unter der Wasseroberfläche erblickt, ist er geschockt und stellt sich eine Frage, die sein Leben in eine neue Bahn lenken wird: „Warum um Himmels willen räumen wir diesen Dreck nicht auf?“ Warum sollte man nun beeindruckt sein von einem nun Neunzehnjährigen jungen Mann mit größenwahnsinnig anmutenden Ideen? Nun – vielleicht weil seine Youtube-Videos millionenfach angeklickt werden. Weil er via Crowd Funding Millionen Dollar einsammelte von Menschen, die fest an ihn glauben. Vielleicht auch deshalb, weil er eine Armee von Wissenschaftlern, Experten und Freiwillige um sich herum versammelt, die alle eifrig daran arbeiten, eine Vision in die Tat umzusetzen. The Ocean Cleanup wird an der Deft University of Technology im Jahr 2012 als Best Technical Design ausgezeichnet. Boyan wird Preisträger des United Nations Champions for the earth award. Quasi über Nacht gilt er als einer der vielversprechendsten Unternehmer der Welt. Das wohl Beeindruckendste aber ist die Tatsache, dass Träume, in welchen Höhen diese sich auch befinden mögen, wahr werden können.

Boyan Slat (Bild: The Ocean Cleanup)
Boyan Slat (Bild: The Ocean Cleanup)

Plastik in unseren Meeren
Wie viel Plastik, wie viel Dreck in unseren Meeren herumschwimmt, keiner weiß das so genau. Sicher aber ist – es sind hunderte Millionen Tonnen. Die Meeresschutzorganisation Ozeana schätzt, dass stündlich fast 700 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen wird, die Hälfte davon Plastik. Und das ist noch nicht einmal der größte Teil. Laut Greenpeace gelangt dieser nämlich vor allem vom Land aus über die Flüsse ins Meer und stammt zum Großteil aus Industrienationen. Nicht etwa von den anderen, den Entwicklungsländern – nein, von uns. Wir sind eine sonderbare Spezies, wir Menschen, in, man merkt es immer wieder, fast allen Belangen. Im Supermarkt kaufen wir doppelt und dreifach in Plastik verpackte Lebensmittel, die wir dann in einer Plastiktüte nach Hause tragen, und diese wiederum nach dem Verbrauch in Plastiktüten entsorgen. Die traurige, erbärmliche Konsequenz dieser Tatsache ist, dass in unseren Meeren heute sechs Mal mehr Plastik existiert als Plankton (Quelle).

Video: Das Schicksal der Seevögel

Gigantisches Ausmaß
Diese riesige Menge Plastik formiert sich durch die Meeresströmungen der Ozeane zu riesigen, sogenannten Plastic Islands. Eine dieser Müllinseln im Nordpazifik, als Beispiel, hat eine Größe von etwa fünfzehn Millionen Quadratkilometern und ist damit größer als ganz Europa. Sie besteht aus einer Million Partikel pro Quadratkilometer, jeder einzelne von ihnen hunderte Jahre haltbar. Meerestiere und Seevögel verwechseln unsere Abfälle mit Nahrung und verenden auf qualvollste Art und Weise. Etwa 70% von ihnen nimmt Plastik zu sich, sie sterben zu Millionen. 80% aller Schildkrötenarten sind betroffen, Seelöwen, Fische – Sie verfangen sich in unseren Abfällen und verenden (Quelle). Damit nicht genug. Durch Sonneneinstrahlung, Reibung und Salz lösen sich toxische Stoffe aus dem Plastik heraus und gelangen auf diese Weise in die Nahrungskette, die schließlich bei uns auf dem Teller endet. Sie sind im Blut in jedem von uns nachzuweisen. Viele Krankheiten, Krebs, sind die Folge. Die vielleicht unwichtigste, aber wie immer der wohl überzeugendste Faktor sind Milliardenschäden an Fischereinetzen und Stränden die, einer nach dem anderen, völlig verdreckt sind.

Boyan bei der Arbeit
Boyan bei der Arbeit

Boyan Slat
Das Problem ist erkannt und an guten Ideen mangelt es der Fachwelt ganz sicher nicht. Doch es bedarf auch dem Mut, Initiative zu ergreifen. Der junge Niederländer Boyan Slat hat dies erkannt und Erstaunliches auf die Beine gestellt. Bei dem besagten Badeurlaub in Griechenland ist er erschüttert vom Grad der Verschmutzung des Meeres, sieht beim Tauchen mehr Plastiktüten als Fische. „Why don’t we just clean this up”, fragt er sich. Zuhause bekommt er die Gelegenheit, sich im Rahmen eines Schulprojektes mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Ihm wird klar, dass einerseits der Ansatz, den Menschen von Beginn an zur Vermeidung von Plastikabfall zu erziehen, richtig ist. Doch andererseits reagiert der Mensch auch nicht, solange ihn ein Problem nicht unmittelbar selbst betrifft. Man wird also nichts und niemanden davon abbringen können, weiterhin seinen Dreck in die Umwelt zu werfen. Primär müsse es also darum gehen, das Plastik aus dem Meer zu holen, doch wie?

Boyan bei der Arbeit
Boyan bei der Arbeit

Eine gänzlich neue Idee
Erneut zieht es ihn zu Versuchen nach Griechenland. Er paddelt einfach mit dem Surfbrett aufs Meer hinaus und experimentiert mit Netzen. Ihm wird klar, dass sich Plastik im Laufe der Zeit in immer kleinere Teile zerlegt, und dass man genau an diese herankommen muss. Um diese aus dem Wasser herauszufiltern, bräuchte es aber Netze mit so engmaschiger Struktur, dass sich auch das Plankton selbst darin verfangen würde. Um dieses wiederum herauszufiltern, bräuchte es wiederum Zentrifugen. Natürlich, man könnte riesige, multiple Netze verwenden, doch wäre das nicht zu aufwendig, zu kostenintensiv? Er arbeitet weiter, mit übereinander gefächerten Boxen, die er in die Tiefe lässt. Möchte wissen, in welcher Tiefe sich die Partikel bewegen. Schließlich wendet er sich an die Universität Delft, fragt, wie viel Plastik in unseren Meeren zu erwarten sei. Man könne schließlich nicht etwas aufräumen, dessen Größe man nicht kenne. Als er die Antwort erhält, dass es sich um mehrere hundert Millionen Tonnen handelt, kommt er zu einer völlig neuen Idee.

Video: Wie aus Ideen Taten werden

Die größte Reinigungsaktion in der Geschichte
Wenn man etwas so außergewöhnliches vorhat, müsse man auch außergewöhnlich, anders denken! Warum sich durch die Ozeane bewegen, wenn sich dieser sich ganz von allein zu einem hin bewegt? Man müsse die natürlichen Strömungen, die fünf rotierenden Sammelpunkte der Ozeane, die sogenannten Gyres, zum eigenen Vorteil nutzen. Dies ist der Ansatz seiner Lösung, ein passiver Säuberungsprozess. Eine sich aneinander reihende schwimmende Barriere, die sich von einer wie ein Manta aussehenden Plattform in zwei Richtungen ausbreitet, fest verankert mit dem Meeresgrund, könnte der Konzentration des Plastiks dienen. Pfeilförmig auf die Plattform zulaufend, würden sich die Partikel ganz von selbst in der Barriere verfangen und an ihr entlang zu deren Spitze treiben, wo es sich sammeln würde. Unter der schwimmenden Barriere, in die Tiefe ragend, würde ein geschlossener, solider Vorhang ragen. Das unter der Wasseroberfläche treibende Plastik würde sich darin verfangen und auftreiben. Fische und Plankton aber, weil schwerer als Wasser, darunter hinweg treiben. Boyan erhält viel Aufmerksamkeit von seinen Lehrern und stellt sein Vorhaben im Jahr 2012 bei der TEDx vor, einer Erfinderkonferenz. Er widmet sich nun ganz dem Thema, unterbricht sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik. Die Machbarkeit seiner Idee müsse bewiesen werden. Er gründet The Ocean Cleanup und erhält per Crowd Funding 100.000 Dollar, zusammengesetzt aus Kleinbeträgen von Menschen aus aller Welt. Mit dem Geld versammelt er eine internationale Mannschaft aus Experten und Freiwilligen um sich und beweist durch Versuche, Analysen und Tests tatsächlich die Machbarkeit.

Video: Boyan bei einem Vortrag bei der TEDx

Machbarkeit
Die schwimmenden Barrieren würden durch ein ausgeklügeltes System Wind und Wetter trotzen. In zehn Jahren ließe sich die Hälfte des Plastiks eines Gyres herausfiltern. 80% des auf die Barriere treffenden Plastiks würde sich darin auch sammeln. Von einer schwimmenden Müllabfuhr würde er dort abgeholt werden. Die Kosten gingen in die Milliarden, sicher, doch die Schäden an Netzen der Fischereischiffe und Stränden bewegt sich in ähnlichen Sphären, nämlich in einer Größenordnung von jährlich etwa 13 Milliarden Dollar. Zudem ließe sich das gesammelte Plastik wiederverwerten, beispielsweise durch die Erzeugung von Öl. Über 4 Euro pro Kilo Plastik könne man so einnehmen. Laut Boyan Slat wären damit die Kosten für die Konstruktion amortisiert. Trotz herabregnender Kritik, sein Konzept sei noch nicht ganz ausgereift, lässt sich der Junge Visionär nicht von seinem Vorhaben abbringen. Per Crowd Funding sammelt er erneut über 2 Millionen US Dollar für den Bau eines Prototyps. Wir werden also noch viel von Boyan hören.

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Die Hoffnung stirbt zuletzt

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