Peter Wohlleben: Hörst du wie die Bäume sprechen (ein Buch für Kinder)

Das geheime Leben de Bäume von Peter Wohlleben gehört für mich definitiv zu den ganz wichtigen Büchern. Kein literarisches Meisterwerk zwar wie Pilgrim at Tinker Creek von Annie Dillard, The sea around us von Rachel Carson – beides Jahrhundertbücher – aber dennoch in der Wirkung extrem stark und in jedem Fall sehr ähnlich. Alle diese Werke erklären elementare Zusammenhänge und Geschehnisse unserer Welt und unseres Daseins in einer nie da gewesenen Art und Weise. Dinge, die alltäglich und in jeder Minute passieren, essentiell sind für das Leben selbst und von denen wir keine Ahnung haben, weil wir nicht hinsehen. Liest man das und schaut sich dann um, dann ist man ein anderer Mensch, weil man die Welt anders sieht. Man kann gar nicht anders.

Das geheime Leben der Bäume

Als Pfälzer, im wahrsten Sinne des Wortes im Wald aufgewachsen, bin ich immer erschüttert darüber, wie mit diesem umgegangen wird, sei es wenn es mich mal wieder nach Hause verschlägt, auf eine Wandertour in Irland oder in den peruanischen Regenwald. Das mag arrogant klingen: Was weiß der Städter schon, der hat doch keine Ahnung! Aber sei es drum! Ständig werden ganze Waldgebiete zugunsten Industrieflächen niedergemacht, überall hört man Motorsägen, um zu ernten, was der Mensch als seines ansieht. Überall entstehen Monokulturen, weil der Mensch denkt, er müsse alles regulieren, alles steuern. Überall ragen heute lange Edelstahlrohre in die Höhe, aus dessen Spitzen der Rauch verfeuerter Bäume qualmt, um das CO2 freizusetzen, dass der Baum sein ganzes Leben lang eingespart hat. Es fliegt dort hinauf in die Atmosphäre und trägt dazu bei, dass es wärmer wird auf unserer Welt. Das passt für mich alles nicht zusammen, sollte der Wald doch gerade für jede, die dort Leben, das Maß aller Dinge sein, einfach schützenswert. Aber so ist es eben nicht. Für viele Menschen, ich würde sogar sagen für die meisten, ist ein Baum lediglich eine Ressource, von der er denkt, sie gehöre ihm. Nichts weiter als ein Stück Holz zum Heizen des Eigenheims, ein Stück Fassade für sein Haus oder was weiß ich was. Auch für viele Förster sind Bäume nicht mehr als ein Stück Holz, das möglichst gleich, möglichst schnell auf möglichst großer Fläche zu wachsen hat, damit man sie möglichst schnell umnieten und zu Geld machen kann. Aber die Bäume, der Wald, das hat mich dieses Buch gelehrt, ist doch so viel mehr! Bäume gehören zu den Grundlagen allen Lebens auf der Erde. Ohne sie können wir nicht atmen, ohne sie wird es überall heißer, ohne sie wird feste, feuchte Erde zu Wüste. Wir können ohne Bäume nicht existieren! Bäume reden miteinander, sie kommunizieren (und zwar messbar) und interagieren mit Pilzen, ziehen ihre Kinder mit Liebe auf und unterstützen sich in schlechten Zeiten. Jeder Baum hat einen Rang in der Gemeinschaft, und in einer Baumgruppe sorgt sich der eine für den anderen. Bäume warnen einander vor Schädlingen, wissen sich zur Wehr zu setzen, indem sie passende Bitterstoffe für den passenden Schädling erzeugen. Sie erkennen Jahreszeiten und den strategisch besten Zeitpunkt, ihre Blätter zu öffnen und abzuwerfen. Sie überlegen sich strategisch den besten Zeitpunkt zum völlig unregelmäßigen, gemeinschaftlichen Abwurf der Samen, um die Samen-fressenden Tiere zu überlisten und möglichst viel Nachwuchs durchzubringen. All das ist, all das kann der Baum sein, wenn man ihn lässt.

Hörst du wie die Bäume sprechen

In diesem Buch wird unseren Kindern behutsam und doch sehr deutlich das Ökosystem Wald erklärt, dass dieser durch den Menschen bedroht ist verursacht durch eine falsche Sichtweise auf diesen. Und dass dieser in der Folge geschützt werden muss durch möglichst wenig Eingriff in diesen. Peter Wohlleben öffnet die Augen für dieses Wunder und was soll ich sagen, es ist vollends gelungen. In kleinen zum Vorlesen bestens geeigneten Kapiteln wird vieles erklärt, was auch wir Erwachsene nicht wissen:

  • Wie Bäume atmen und trinken
  • Wie Baumkinder in die Schule gehen
  • Wie sie sprechen
  • Was in den Blättern passiert
  • Dass Insekten intelligent sind
  • Welche Rolle die Pilze spielen
  • Was Bäume krank macht
  • Wie Bäume die Jahreszeiten kommen sehen
  • Warum die Blätter abgeworfen
  • Wie das Wasser bis in die Kronen gelangt
  • Wie Bäume schlafen und wie man das merkt
  • Warum Wölfe nicht gefährlich sind und ein Recht haben, hier zu sein

Aufklärend und meinungsbildend, aber weder dogmatisch noch belehrend

Bei alldem ist das Buch weder dogmatisch noch bevormundend, aber dennoch bestimmt und souverän und zu jedem Zeitpunkt wissenschaftlich fundiert und sehr unterhaltsam. Man kennt ja Wohhlebens Haltung, der ja ganz klar die Zurückhaltung des Menschen propagiert und in seinen Wäldern die Dinge sich selbst überlässt, indem eben nicht eingegriffen wird. Der Klimawandel gibt ihm Recht. Kranke Wälder sehen wir überall, die von dem Borkenkäfer niedergemäht werden, als wären es Zahnstocher. Und zurück bleibt nur Wüste, mit einem ökonomischen Schaden, der unvorstellbar viel größer ist, als man sich das je hätte ausmalen können. Unsere Kinder werden eingeladen, in den Dialog mit uns zu treten. Ja, wir brauchen die Natur, wir brauchen die Ressource Holz und ja, natürlich ist es ein Problem, wenn Schafe von Wölfen gerissen werden. Aber nichtsdestotrotz ist der schlechte Zustand unserer Wälder dem rigorosen Eingriff des Menschen geschuldet. Die Ökonomie aber, dieses extrem kurzfristige, dumme Denken, ist in Anbetracht der Klimakatastrophe eine Milchmädchenrechnung, die nicht aufgeht. Der Wolf ist auch kein Biest, sondern vielmehr ein Primärjäger, der das Ökosystem Wald in Bewegung hält und für einen ausgeglichenen Zustand der Spezies untereinander sorgt. Wer das nicht glaubt, dem Empfehle ich herzlichst die Doku “Das Gesetz der Serengeti”. Oh, Mann, jetzt gerate ich schon wieder in Rage. Zeit, zum Ende zu kommen! Mir jedenfalls und meinem Kleinen hat diese Buch einen rießen Spaß gemacht und ich finde es ganz großartig, den Blick für einen behutsamen Umgang mit unserer Natur für unsere Kinder zu öffnen.

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Ma San

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