Die Hoffnung stirbt zuletzt

Ich habe einmal eine sehr beeindruckende Dokumentation über Stephen Hawking gesehen. Unter der Anzahl der Zivilisationen in unserer Milchstraße und auch in anderen Galaxien – Hawking rechnet diese im Übrigen zahlenmäßig ziemlich exakt aus und es sind allein in unserer Milchstraße nicht wenige solcher Zivilisationen – würde sich ein nicht unbeträchtlicher Teil selbst vernichten mit der Entdeckung der Atomspaltung, an deren Punkt jede intelligente Spezies irgendwann kommt. Die Frage, ob er für die Menschheit die Hoffnung sehe, zu jenem Teil zu gehören, der diese Phase überwindet, beantwortet Hawking mit nein. Beziehungsweise nicht direkt mit nein. Vielmehr sagt er, dass er, was unsere Spezies angehe, da doch sehr pessimistisch sei. Also ein Funke Hoffnung lässt uns also Hawking noch. Nun – wenn Putin tatsächlich Atomwaffen einsetzt, dann könnte das der Beginn des Endes der Welt sein wenn man davon ausgeht, dass eine Bombe eine Kettenreaktion vieler Bomben auslöst. Mit dem Ende der Welt meine ich nicht das Ende des Planeten Erde, der sich sicherlich in ein paar hundert Millionen Jahren sogar von uns erholen wird, aber das Ende der Existenz des Menschen. Doch was tun? Putin gewähren lassen, damit er den roten Knopf nicht drückt? Tun wir das, wird sich dann nicht als nächstes das muskelstrotzende China den Nachbarn Taiwan einverleiben wie zuvor Hongkong, weil keine Konsequenzen zu befürchten sind? Wird Nordkorea dann nicht alles daran setzen, die Bombe zu entwickeln? Wird Russland dann in Finnland einmarschieren, wenn dieses in die Nato eintreten möchte? Wäre das nicht eine Legitimation aller Regime des Schlages Putin, sich frei auszuleben und Menschenrechte weiterhin zu missachten? Ich glaube ja! Jetzt ist die Zeit zusammenzustehen an dieser roten Linie und Autokraten klarzumachen, dass diese nicht überschritten wird, NO MATTER THE FUCK WHAT! Und damit meine ich die Demokratie als solche im gesamten internationalen Verbund. Es muss klar sein, dass wir bereit sind, nicht primär unser Land, sondern die Demokratie als System, an das wir glauben, zu verteidigen. Ich war gestern auf einer Demo hier in Berlin. 20.000 Besucher waren angemeldet, 500.000 waren da. Mein kleines Kind war auch dabei und ohnehin unzählige Kinder allen Alters. Es ist deren Welt, deren Zukunft und ich hoffe, dass das zu Putin durchdringt und er den roten Knopf hoffentlich nur als Drohkulisse versteht und diesen nicht betätigen wird. Es war bewegend für mich zu sehen, dass auch viele Russen da waren und ganz deutlich machten, dass dieser Krieg nicht der ihrige ist, dass auch sie nicht einverstanden sind mit diesem Wahnsinn. Es bleibt zu hoffen, dass Russland – das zweifelsohne unsere Reaktion unterschätzt hat – ohne Gesichtsverlust aus dieser Nummer herauskommt. Denn nur wenn das gelingt, wenn alle ihr Gesicht wahren können, zieht sich Russland vielleicht zurück, auch ohne die primären militärischen Ziele erreicht zu haben. Hoffen wir also auf die Vernunft aller Beteiligten, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

3 Gedanken zu „Die Hoffnung stirbt zuletzt

  1. Putin wird Kenntnis von den vielen Demos erhalten. Ob ihn das beeindruckt? Keiner weiß es. Es macht jedenfalls nicht den Eindruck. Dass er nicht davor zurückschreckt, ein “Brudervolk” (so hat er es doch selbst genannt, glaube ich) so anzugreifen, ist schwer zu fassen.

    1. Sehe ich genauso bzw. ich begreife das ebenso wenig. So ein brachialer, brutaler Schritt, warum? Warum hat man nicht länger, zäher verhandelt, ein Kompromiss in welcher Art auch immer wäre doch denkbar gewesen? Ich habe eine wage Vermutung, dass wir alle nicht wissen, worum es hier tatsächlich geht. Vielleicht ist es ein viel größeres Konstrukt, das weit über die Ukraine hinausgeht. Wenn man bedenkt, dass Deutschland jetzt quasi fast direkt eingreift und sich mögliche Reaktionen von Putin darauf überlegt, dann wird einem mulmig. Was, wenn das alles, genauso wie es bisher gelaufen ist, ganz genauso gewollt war? Was, wenn die Ukraine nur Mittel zum Zweck ist, Dritte in diese Sache hineinzuziehen, aus welchem Grund auch immer? Ich glaube, wir tappen hier alle im Dunkeln….

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