Vietnam – eine Reiseroute von Nord nach Süd

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Vietnam ist das neue Thailand, sagte man mir damals. Damals, das war 2011, und ich bereiste das Land von China aus kommend vom äußersten Norden bis in den südlichsten Zipfel. In diesem Artikel zeige erzähle ich euch kurz und knapp von den attraktivsten Stationen auf dem Langen Weg in den Süden. Viel Spaß beim Lesen!

Einreise
Ob man das schmale, langgezogene Land von Nord nach Süd oder umgekehrt durchquert, spielt letztlich keine Rolle. Entweder man bucht seinen Flug nach Ho Chi Minh Stadt oder nach Hanoi, wirft sich den Rucksack über die Schultern und los geht es auch schon. Von China her kommend, was in meinem Fall so war, überquere ich zunächst die chinesische Grenze über den Friendship-Pass. Wichtig zu wissen: Ein Visum für Vietnam bekommt man in China entweder in Peking oder in Nanning. Letzteres befindet sich grenznah zu Vietnam. Von China kann man allerdings genauso gut über Kunming oder Dongxing einreisen. Die komfortabelste Art und Weise, Vietnam zu bereisen, ist mit dem Zug. Wie man an Tickets bekommt bzw. diese bucht, erfahrt ihr in dem Artikel ‚Durch ganz Vietnam – mit dem Zug‘.

Unsere Reiseroute

Erste Station – Hanoi
Über den Friendship-Pass kommend, steuert jeder Bus zunächst Hanoi an. Hanoi – das ist ein Schmelztiegel von Vergangenheit und Gegenwart, von Traditionen und rasant fortschreitender Moderne. Das Herz der wohl schönsten und atmosphärischsten Stadt Südostasiens ist die Altstadt, von der trotz des Krieges ein imposanter Teil erhalten geblieben ist. Sich hier in ein schickes, altes Hotel einzumieten und ein paar Tage zu bleiben, ist sehr lohnenswert. Die Altstadt, bestehend aus alten, französischen Kaufmannshäusern, präsentiert sich in allen möglichen Farben. Von hölzernen Geländern betrachten die Menschen fröhlich das Treiben in den Straßen. Die Fassaden sind gespickt von den Wurzeln tropischer Bäume, von denen exotische Vögel ihre Lieder trillern. Hanoi, das ist auch die Stadt der Motorroller. Ich glaube nicht, dass irgendwo in der Welt eine solche Dichte von Zweirädern existiert. Die Motorroller bewegen sich in regelrechten Schwärmen durch die Straßen, tausende, zehntausende, ja hunderttausende Motorgeräusche bilden ein stetiges Summen, das den ganzen Tag nicht aufhört.

Die Straße zu überqueren gleicht da schon einem kleinen Kunststück. Bei einem Bia Hoi, ein lokal gebrautes Bier, das sofort getrunken werden muss, in einer der traditionellen Bierbars die Szene zu beobachten, ist eine einzige Freude. Die Bars sind eigentlich kleine Kioske, zumeist an großen Straßenkreuzungen. Für jeden Gast stellen die Besitzer einen kleinen Plastikstuhl auf die Straße. Zu Stoßzeiten wachsen die Bars dann immer weiter an und der Plastikstuhlwald wächst in Richtung Straßenmitte, wo er den Rollerfahrern die Fahrbahn verengt. Ein einziges herrliches, freudiges Chaos. Hanoi sollte man auf keinen Fall verpassen.

Straßenszene in Hanoi
Hanoi ist einfach nur mega-spannend. Bild: MaSan (Martin Seibel)

Zweite Station – Sapa
Viele Reisende brechen nur zu schnell zur Halongbucht auf und lassen den bergigen Zauberwald im Nordwesten ganz außer Acht – ein Fehler! Sapa zu erreichen, geht nur mit dem Nachtzug von Hanoi aus, zum Beispiel mit dem Pumpkin Express. Nachdem man dann in aller Frühe in Lao Cai angekommen ist, von wo aus man sich nach langem Feilschen endlich auf dem Rücksitz eines Taxibusses befindet, kommt man an in diesem Schmuckkästchen des Nordens, in Sapa. Einmal eingemietet in einem des vielen Hotels, viele davon mit grandiosem Blick in die höchsten Berge des Landes, kann man auch schon loslegen mit der Erkundung der Umgebung. Die Stadt selbst ist schon sehr touristisch, und Trekking-Geschäfte reihen sich an Restaurants mit englischer Speisekarte. Doch das macht nichts, denn die Umgebung ist das, worauf es ankommt.

Ein Motorroller bietet sich an, um auf Serpentinen die weiter entfernt liegenden Täler zu besuchen, in denen sich unendlich viele Reisfelder aneinander reihen zu einem fast gemäldeartigen Anblick, der einem den Atem stocken lässt. Andererseits kann man sich auch die Höhen hochschrauben, Wasserfälle sehen oder einfach dem Fanispan, dem höchsten Berg des Landes, entgegen fahren. Wer das alles in Reinhold Messner Manier unternehmen möchte, der kann sich in einem der Outdoor-Läden eindecken und los geht es auch schon zu Fuß durch den Dschungel. Nicht weniger schön ist es, die umliegenden Dörfer wie zum Beispiel Kat Kat einfach zu Fuß zu erlaufen und den Bauern dabei zuzusehen, wie sie die Reissetzlinge säen. Sapa, das ist ein Must-See in Vietnam. In dem Artikel ‚Sapa – unterwegs im Norden Vietnams‘ erfahrt ihr viele Details und Bilder über diese Region.

Landschaft in Sapa, Reisterrassen
Sapa – das Schmuckkästchen im bergigen Nordwesten des Landes. Bild: MaSan (Martin Seibel)

Dritte Station – Die Halongbucht
Die Drachenbucht ist das, worunter die Welt Vietnam versteht. Abertausende Inseln, entstanden vor Jahrmillionen, reihen sich dicht an dicht und bilden märchenhafte Lagunen und Strände, die man nie mehr im Leben vergessen wird. Das Traurige – die Halongbucht hat man nicht für sich, nicht mehr. In dem Moment, als man diesen Ort zum UNESCO Weltkulturerbe auserwählte, besiegelte man auch dessen kommerzielle Überflutung und damit eine Bedrohung für die dort lebenden Menschen und Tierarten. Grotesk, eigentlich. Die Halongbucht besuchen die meisten Reisenden via Halong Stadt, ein liebloses Örtchen, vollständig dem Kommerz geopfert. Von dort steigt man einem Boot zu und sticht für einige Tage in See, entweder in kleinen Gruppen oder in großen Party-Booten. Viel besser zur Erkundung der Bucht eignet sich allerdings die Insel Cat Ba Island, die größte Insel der Halongbucht, wenn man so will.

Von Hanoi aus kommend, bringt einem ein Bus zunächst nach Haiphong, von wo es mit einer Speedfähre weiter zur Insel geht. Cat Ba Stadt ist dann der Ort, von wo aus man in See sticht. Es lohnt sich, hier einen Tag zu verweilen und sich den Bootsbetreiber in aller Ruhe auszusehen und Preise zu vergleichen, die stark variieren. Preiswerte Hotels gibt es einige, allerdings ohne jeglichen Charme. Doch es gibt eine Perle: Am kurz außerhalb der Stadt gelegenen Strand Cat Co befindet sich auf einem der Strände ein von Studenten betriebener Campingplatz, der Bambushütten direkt am Strand für ein paar Dollar vermietet. Der Charme der Stadt selbst offenbart sich dann des Abends, wenn die Strandpromenade zum Leben erwacht und die Bewohner auf und ab flanieren.

Bild aus der Halongbucht in Vietnam
Die Halongbucht gehört zu den spektakulärsten Landschaften der Welt. Bild: MaSan (Martin Seibel)

Doch dann heißt es, in See stechen! Ein paar Dollar für ein privates Boot zu investieren, lohnt sich. Wie oft wirst du im Leben noch zur Halongbucht kommen? Für ein privates Boot mit Küchencrew und Guide bezahlen wir zu zweit weniger als 160 Dollar pro Person für drei Tage, das heißt zwei Nächte auf See. Das ist nicht der richtige Ort, um zu sparen. Sobald Cat Ba Island aus dem Blick verschwindet, ist alles Weitere ein einziger Traum. Wo man auch hinblickt, sieht man einen dieser steil aus dem Wasser ragenden Kalkfelsen, der von dichtem Dschungel überwachsen ist und in dessen Bäume sich die Affen tummeln. Ein bisschen Mut erfordert es, mit dem Kajak unter Felsen in Lagunen hinein zu paddeln, wo man ganz eintaucht in eine ganz eigene, tropische Welt. Aber auch einfach nur Anker zu legen, vom Dach des Bootes zu springen oder an Deck zu faulenzen ist ein einziges, paradiesisches Erlebnis vor dieser einzigartigen Kulisse, die zu den spektakulärsten der Welt gehört. Die Nacht auf See zu verbringen und bei sachtem Hin- und Hergewippe einzuschlafen, nachdem einen die Crew mit frisch gefangenen Fisch bekocht hat, ist unvergesslich. Mehr über die Halongbucht erfahrt ihr in dem Artikel ‚Die Halongbucht in Vietnam‘.

Landschaft der Halongbucht in Vietnam

Vierte Station – Nin Binh
Das ist das ländliche Postkarten-Vietnam, in dessen Landstrichen Bauern mit den berühmten spitzen Hüten ihre Wasserbüffel in die Reisfelder treiben, während die Frauen die Ernte auf dem heißen Asphalt trocknen. Sich hier ein Fahrrad auszuleihen und durch die Landstraßen zu fahren, gibt einem die nötige Ruhe nach dem lauten Hanoi, von wo aus man mit dem Zug nach Nin Binh anreist. Ein touristisches Highlight ist eine Bootsfahrt auf dem Ngo Dong, von wo aus der Blick in die Höhe schweift. Denn der Wasserlauf wird von steil in die Höhe ragenden Karstfelsen umrahmt.

Landschaft in Nin Binh, Vietnam
In Nin Binh kann man das ländliche Vietnam bestaunen und mit dem Fahrrad durch die Felder radeln. Bild: Ma San (Martin Seibel)
Straßenszene in Nin Binh, Vietnam
Eine Bäuerin trocknet die Reisernte. Bild: Ma San (Martin Seibel)

Fünfte Station – Hue
Hue ist ein perfekter Zwischenstopp nach einer langen Anreise von Nin Binh aus. Hier eine Nacht zu bleiben, ist absolut angebracht. Waren die Halongbucht und Nin Binh Balsam für die Seele, ist man in Hue in einem kulturellen Hotspot angelangt. Palaste und Pagoden sind überall zu finden und auch kulinarisch spielt die Stadt in der ersten Liga Vietnams. Ein Must-See sind die Zitadelle und der darin liegende alte Kaiser-Palast Can Chanh. Hier wird auch die Geschichte des Vietnamkrieges lebendig, denn dies war Schauplatz schwerster militärischer Auseinandersetzungen.

Zitadelle in Hoi An, Vietnam
Der Kaiserpalast inmitten der Zitadelle von Hue war Schauplatz schwerer militärischer Auseinandersetzungen. Bild: Ma San (Martin Seibel)

Sechste Station – Hoi An
Dieses kleine, alte Dorf mit Weltkulturerbe-Status stammt direkt aus dem Bilderbuch. Kleine, bunte Häuschen in allen Farben bilden enge Gassen, in denen man sich nach Lust und Laune verlieren kann. Die autofreie Stadt schmiegt sich eng an den Fluss, der sich durch das Dorf schlängelt. Hoi An ist der perfekte Ort, um sich Schuhe machen zu lassen. Zahllose Geschäfte laden dazu ein, vermessen den Fuß und am nächsten Tag hält man die wohl ersten individuellen Schuhe in den Händen. Kulinarisch ist Hoi An ganz oben angesiedelt, und in den wunderschönen Häusern – ich hab in ganz Vietnam keine schöneren gesehen – findet man wunderschöne Hotels. Wem das Gewusel zu viel wird, kann mit dem Motorroller einfach in die ländliche Umgebung fahren, die direkt vor der Haustür liegt. Unbedingt besuchen sollte man My Son, eine alte Tempelanlage der Cham, die sich nur unweit von Hoi an befindet.

Hausfassade in Hoi An, Vietnam
Hoi An beherbergt die schönsten Hotels des Landes. Bild: Ma San (Martin Seibel)
Tempelanlage My Son in Vietnam
Die Tempelanlage My Son kann man in einem Tagesausflug von Hoi An aus erreichen. Bild: Ma San (Martin Seibel)

Siebte Station – Nha Trang
Nha Trang ist eines der vielen Strandparadise des Landes. Hier kann man nach Lust und Laune entspannen und den schweren Rucksack einfach mal eine Weile ablegen. In der Umgebung warten viele Strände und kleine Fischerdörfer darauf, entdeckt zu werden. Auf dem Speiseplan steht so ziemlich alles, was aus dem Meer kommt, und diniert wird an einem kleinen Holztisch direkt am Meer. Noch Fragen?

Zwei Boot in Nha Trang, Vietnam

Achte Station – Ho Chi Minh City
HCMC kommt bei Weitem nicht an den Charme Hanois heran. Groß, laut und hoch gebaut hat man es hier mit einer modernen Großstadt zu tun. Das ist ein Ort zum Ankommen, zum Shoppen und um Reisepläne zu schmieden. Am besten macht man das im Stadtteil Saigon, dem Backpacker-Mekka des Landes. Hier reiht sich ein hölzernes Wifi-Cafe an das nächste, und aus den Lautsprechern tönt Creep von Radiohead. Kurz. Saigon ist Backpackerkommerz, ganz ähnlich der Khao San Road in Bangkok. Hier ist nichts mehr da, außer Nostalgie an alte Zeiten. Backpacker versucht man hier, in fertig verpackte Touren zu verbuchen, in denen meistens nicht viel drinsteckt außer Fake. Hier ist deshalb Vorsicht geboten. HCMC ist das Gate zu den berühmten Cu Chi Tunneln, in denen die Nordvietnamesen die Amerikaner überlisteten. Diese in einem Tagesausflug zu besichtigen, ist eigentlich ein Must-Do. Denn schließlich liegt der Krieg nicht lange zurück, sondern schwingt hier immer mit.

Szene aus dem Vietnamkrieg
Im Palast der Wiedervereinigung mit angeschlossenem Museum wird die Geschichte des Krieges lebendig. Bild: MaSan (Martin Seibel)

Neunte Station – Ben Tre / Mekong Delta
Das Mekong Delta ist ein Must-See in Vietnam. Dieses riesige, von Flüssen und Unteratmen durchgezogene Wasserland ist ein ländlichen Idyll, das seinesgleichen sucht. Hier kann man mit dem Fahrrad tagelang durch Palmenwälder fahren, sich während eines Homestays mit einer einheimischen Familie austauschen, herrliche Früchte probieren und die berühmten Floating Markets besuchen.

Foto aus dem Mekong Delta
Unterwegs im Mekong Delta. Bild: Ma San (Martin Seibel)

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Packliste für Vietnam

MaSan
Ma San

 

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2 Gedanken zu „Vietnam – eine Reiseroute von Nord nach Süd

  1. Hallo Martin,
    interessanter Blog, schöne Fotos und kurz gefaßt. Da kommt keine Langeweile beim lesen auf. Wenn ich ein paar Jahre weniger drauf hätte, könnte ich mir diesen Trip auch vorstellen. Wie lange warst du auf der kompletten Tour unterwegs und wie groß ist der finanzielle Aufwand? Falls du das nicht hier beantworten möchtest, kannst du das gern in facebook per PN machen.

    Weiterhin viele schöne Erlebnisse und bleib gesund!

    Beste Grüße vom 50plus-freizeitundreisen.de Team

  2. Hallo Ulrich,

    vielen Dank für deinen Kommentar und lobenden Worte, über die ich mich sehr freue! Bei der Tour bin ich von Shanghai aus gestartet und war dann sechs Wochen unterwegs bis nach Südvietnam. Ungefähr zwei Wochen der Zeit habe ich aber in der Chinesischen Provinz Guangxi verbracht, der reinste Wahnsinn übrigens. Also ich schätze mal, dass ich vier Wochen in Vietnam unterwegs war. Flugkkosten hatte ich gar keine, und genau das ist das teure in Vietnam. Ich war ausschliesslich im Zug unterwegs, und in Vietnam kann man über Nacht für sehr wenig Geld hunderte Kilometer vorankommen. Ich schätze, dass ich, ohne den Rückflug wohlgemerkt, etwa 600 Euro gebraucht habe, ohne an coolen Unterkünften zu sparen. Bedenke! Das war 2011!
    Vielen Dank fürs Lesen nochmal und ich schau gerne auch bei dir auf der Seite vorbei!

    LG
    Martin

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