Kim MacQuarrie – The last days of the Incas (Buchrezension, Teil 2)

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Den Spuren Pascual de Andagoyas folgend, segelte Francisco Pizarro weiter in den Süden als alle anderen Entdecker vor ihm, und wurde belohnt! Artikelfortsetzung, hier geht‘s zum ersten Teil.

1522 entdeckte Pasual de Andagoya Kolumbien auf der Suche nach einem Land namens „Biru“, das sich auf das heutige Peru bezieht. Einer Legende nach sollte „Biru“ das größte Reich der neuen Welt sein. Andagoya segelte weiter in den Süden als jeder andere vor ihm, fand aber keine Anzeichen einer modernen Zivilisation. Mit einem leeren Schiff kehrte er nach Panama zurück. Pizarro folgte Andagoyas Spuren und segelte selbst gen Süden bis zum Rio San Juan im heutigen Nicaragua. Später, im Jahr 1526 machte er sich mit 160 Mann Besatzung und zwei Schiffen erneut auf den Weg bis ins südwestliche Kolumbien. Dort sahen sie mit Segeln ausgestatte Boote und damit ein Beweis einer fortschrittlichen Zivilisation. Natürlich wurde das Boot sofort gekentert und geplündert. Dies war der erste Kontakt mit dem Reich der Inca.

zirkel und Landkarte
Im Jahr 1526 sichtete Pizarro vor der Küste Perus Segel, Anzeichen einer fortschrittlichen Kultur. Bild: Horwin, Pixabay

Der Großteil der Besatzung wollte nicht mehr weiter und Pizarro blieb mit 13 Gefolgsleuten zurück, die weiter über Ecuador bis zur Küste Perus reisten, wo sie letztlich fündig wurden. 1528 lag ihr Schiff vor der Stadt Tumbez, von wo Boote von der Küstenstadt auf sie zusteuerten und kurz darauf das Boot inspizieren. Der Kontakt war für beide Lager völlig fremd. Die wohlgekleideten Inca brachten Geschenke, Lamas, Töpfe, Kleidung und Alpacas sowie zwei Jungen. Darunter war Filippo, der mit an Board bleiben und sich die Sprache der Fremden aneignen sollte. Wie fremd mussten die 13 verwahrlosten Männer auf die Inca gewirkt haben? Doch Sie konnten nicht ahnen, dass jener Haufen bärtiger Männer nichts anderes im Schilde führte, als Versklavung, Folter und Mord herbei zu führen. Nach dieser Begegnung segelte Pizarro sofort nach Spanien, um sich in Sevilla von König Charles V die Rechte für die Eroberung Perus zu sichern. Er bekam diese auf eigene Finanzierung zugeteilt. Ein guter Deal für den König, der sich an jeglicher Beute einen großen Batzen Anteil zusichern lies, mit null Beteiligung und null Risiko. Zu dieser Zeit war Pizarro drei Jahrzehnte im Eroberungsgeschäft und letztlich kurz davor, das da erreichen, was zuvor nur Cortés geschafft hatte.

Goldmünzen
Was die Spanier in der Ferne suchten? Gold! Bild: alfapp, pixabay

Die Inca
Die Spanier hatten keine Ahnung, mit wem sie es zu tun hatten. Von 1200 bis 1400 etablierten die Inca ihren Einfluss rund um die Stadt Cusco und dehnten ihr Reich innerhalb von nur 60 Jahren über tausende Kilometer aus. Bis dato hatte sich auf dem Kontinent eine neue Herrschaftsordnung entwickelt, nämlich die Kontrolle einer kleiner Elite über das Volk, die den Herrschern im Gegenzug für deren Schutz Mehrarbeit leisteten. Wie viele andere Völker vor ihnen wären auch die Inca um ein Haar untergegangen. Das Volk der Chanca suchte um 1400 die Konfrontation. Der damalige Inca-Herrscher floh, doch der mutige Sohn blieb und besiegte die Angreifer. Der Mann hieß Cusi Yupanqui, der fortan Pachacuti genannt wurde, der „earthtaker“. Beseligt von dem Sieg setzte er zu Eroberungsfeldzügen über den ganzen Kontinent an und etablierte ein Reich von Bolivien bis ins heutige nördliche Peru.

Reich der Inca Karte
Das Reich der Inca erstreckte sich auf dem Höhepunkt deren Macht vom heutigen Chile bis nach Ecuador. Bild: Wikimedia Commons

Tawantinsuyu nannte man das Reich, das wiederum in vier Zonen unterteilt wurde, mit Cusco an der Schnittstelle. Das Reich wurde über Pachacuti an Tupac Inca und von diesem wiederum an den Sohn Huayna Capac weitergereicht, unter dem das Volk sich auf dem Zenit befand. Zu diesem Zeitpunkt erstreckte sich das Reich über Kolumbien und Chile bis nach Ecuador. Nach dem Tod Capacs herrschte sein Sohn Huascar in Cusco, Sohn Atahualpa in Ecuador. Die beiden Brüder, die beide nach der Alleinherrschaft strebten, konfrontierten sich in einem erbarmungslosen Krieg, den Atahualpa schließlich gewann. Mit zehntausenden Truppen setzte er zu seinem Siegesmarsch nach Cusco an und wurde von einer beiläufigen Nachricht überrascht. „There was only one minor affair…“, schreibt Mc Quarrie. Atahualpa wurde über eine kleine Gruppe bärtiger Ausländer informiert, die sich, einen Ort nach dem anderen plündernd, dem König zubewegten. Aus purer Neugier unterließ er den sofortigen Angriff auf die Spanier. Aus reinem Interesse, wer die merkwürdigen Fremden denn seien.

Portrai von pachacutec
Pachacutec. Bild: Wikimedia Commons, puplic domain

Konfrontation
1530 kam Pizarro mit seiner Eroberungsgenehmigung des Königs in der Tasche in der Stadt Trujillo an. Genau in dem Augenblick, der Zufall der Geschichte wollte es so, als der Krieg der beiden Inca-Brüder sich dem blutigen Höhepunkt näherte. Pizarro traf also auf ein abgelenktes Verteidigungssystem. Und nicht nur das. Der Eroberer Cortés hatte mit seinem Gefolge das Pockenvirus eingeschleppt, gegen das die Menschen auf dem südamerikanischen Kontinent nicht immun waren. Millionen Menschen erlagen der Krankheit, was auch der Grund war, weshalb die Spanier nach Lust und Laune ohne Gegenwehr einen Ort nach dem anderen plündern konnten. Pizarro erfuhr nun von dem sich nach Süden bewegenden Inca Atahualpa, der sich gerade im Ort Cajamarca aufhielt, und machte sich mit seinen Männern auf in dessen Richtung. An einem Freitag im November erreichte er den Ort und war denkbar überrascht. In Erwartung einer kleinen Armee traf er auf ein Militärlager mit unzähligen Zelten. „…so many tents that it frightens us.“ Mehr als 80.000 Krieger erwarteten die Ausländer, die sofort und völlig verängstigt Schutz im Zentrum der Stadt suchten und Quartier im ummauerten Hauptplatz bezogen. Dreist, wie die eroberungserprobten Spanier waren, ritt Hernando de Soto schnurstracks durch das riesige Militärlager, beobachtet von zehntausenden Inca-Kriegern, geradewegs zu auf das Zelt Atahualpas. Er hatte keine Ahnung, dass es verboten war, den Herrscher direkt anzusehen, und bliebt mit seinem Pferd, ein den Incas völlig unbekanntes, ehrfurchterbietendes Tier, nur knapp vor dem Herrscher stehen und unterbreitete ihm eine Rede des Königs. Der Inca-Junge Filippo, mittlerweile des Spanischen etwas mächtig, übersetzte. Es war eine Rede über den einzigen waren Gott, wie bereits geschildert. „They ignored the inca court’s every rule“, schreibt McQuarrie, und als de Soto zurück nach Cajamarca galoppierte, beschloss der verärgerte Atahualpa die Vernichtung des aggressiven und verkommenen kleinen Trupps bärtiger Hinterwäldler.

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Konfrontation in Cajamarca. Bild: Wikimedia Commons, public domain

Das Unmögliche passiert
Am 16. November 1532 rückten 80.000 Inca-Krieger gegen Cajamarca auf mit der Order, die Fremden zu töten. Nicht im Traum hätten die Spanier noch wenige Tage zuvor gedacht, auf solch ein mächtiges, bis dato unbekanntes Reich zu stoßen. Völlig verängstigt versteckten sie sich im ummauerten Hauptplatz und berieten ihre Möglichkeiten. Ihnen, so beschlossen sie, bliebe nur eine einzige Möglichkeit. Nämlich es so zu machen wie einst Córtes bei der Unterdrückung der Azteken, der König Montezume entführte. Man müsse Atahualpa gefangen nehmen, die Inca deren Kopf berauben, das sei die einzige Überlebenschance. Atahualpa selbst betrat mit mehreren tausend Kriegern den Hauptplatz, ein schwerer Fehler! Kein Spanier ließ sich blicken, und wütend rief Atahualpa nach Ihnen, sich zu zeigen. Nach einer langen Stille betraten zwei Männer den Platz, Übersetzer Filippo und der Dominikaner Vincente de Valverde. Dieser las Atahualpa das „Requerimiento“ vor, das aus dem 1513 stammende Dokument des spanischen Königs, nach dem Gott die Welt erschuf und der Papst die Rechte über die Welt westlich des 46 Meridians beanspruchte.

Kanone
Schwarzpulver kannten die Inca nicht. Bild: Hans,Pixabay

Dass dem spanischen König Tribut zu zollen sei und dass, solle man sich dem widersetzen, die Vernichtung drohe. Prinzipiell eine lächerliche Ansprache in Konfrontation mit zig tausenden Kriegern. „I will not leave this place until you return all that you have taken from my land“, erwiderte Atahualpa und beachtete den Dominikaner gar nicht. „I know very well who you are and what you have been doing“, setzte er fort und warf wütend die Bibel weg, die ihm der Dominikaner zuvor in die Hand drückte. Dieser, schwer verärgert, gab nun das Signal zum Angriff, und just in diesem Moment ertönten die spanischen Kanonen und Harkebüchsen (ein Vorläufer des Karabiners) aus dem Hinterhalt. Dieser Lärm, die Explosionen, etwas derartiges kannten die Inca-Krieger nicht, die mit Pfeil und Bogen und Knüppeln kämpften. Sie waren geschockt, gerieten in Panik und ergriffen die Flucht, was Ihnen im dichten ummauerten Platz nicht gelang. Sie saßen in der Falle, und über zwei Stunden hinweg schlachteten 168 gepanzerte Spanier zu Fuß und zu Pferd fast 10.000 Krieger ab, die sich, völlig in Panik versetzt, noch nicht einmal wehrten. Am Ende war Atahualpa in der Gewalt der Spanier und die Inca ihres Herrschers beraubt.

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