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Parkrun – barfuß

länger war ich nicht mehr dort, beim Ebenberg Parkrun. Das hat damit zu tun, dass ich mich gerade für einen Marathon vorbereite und die Longruns Freitagabend durchziehe bis teilweise nach Null Uhr nachts. Das Los eines Ü-Vierziger-Marathonis mit Kids, der sich weigert, die Sportklamotten gegen Karohemden in der Größe L einzutauschen. Jedenfalls erübrigt sich dann meistens der Parkrun am Samstag. Letztes Wochenende allerdings lief der Longrun nicht so gut und ich brach nach 31K ab, und deshalb ging ich am Folgetag zum Parkrun, um die fehlenden Kilometer einigermaßen wettzumachen. So was wurmt einen dann halt schon.

Weil es recht warm war hatte ich Lust, mal wieder meine Huaraches zu tragen, meine Rennsandalen. Insgesamt trage ich die ohnehin gerne nach Longruns bei Regenerationsläufen, alternativ auch meine Five Fingers. Wie dem auch sei. Es regnete ein bisschen, aber ich blieb dabei. Keine gute Idee, denn eigentlich hätte ich wissen müssen, dass mein Fuß keinen Halt hat auf der nassen 4mm-Vibram-Sohle. Egal, ich ging an den Start und wie das manchmal so ist an einer Startlinie, hatte ich dann doch keine Lust mehr auf easy mitlaufen, sondern auf Speed. Why not!?

Ich wusste, dass ich in meinen Huaraches schnell laufen kann, einmal bin ich mit den Teilen bei einem Rennen schließlich sogar mal Dritter geworden. Viele Leute hatten mich damals angesprochen, was ja irgendwo klar ist und völlig okay. Da kommt einer in Sandalen an den Start und wird nicht ernst genommen, geht dann aber mit der ersten Fuhre los. Generell ist es ja schon so, dass man Barfuß- oder Sandalenläufer immer häufiger sieht, was toll ist. Aber wenn man mit den Dingern nicht nur ein bisschen mitgeht, sondern richtig vorne mitballert, dann hat das eine andere Wirkung, die von mir auch gewollt ist.

Mir geht nämlich diese ganze Aufrüstung mit Carbon und mit immer mehr Unterbau auch unter normalen Schuhen so richtig auf die Nerven. Ich halte diesen Trend so dermaßen für falsch, das gibt’s gar nicht. Gerade zum Beispiel habe ich realisiert, dass mein Kinvara – seit eh und je geliebt von Minimalisten – dass selbst dieser Schuh in der neuen 14er Version auf diesen Zug aufspringt und so dermaßen Futter drunter hat, dass ich kotzen könnte. Jetzt versuche ich noch schnell eine 13er Version – das ist die letzte Version, die den Kinvara-Anhängern noch gerecht wird – zu bekommen. Das Gleiche passierte damals mit dem Brooks Pure Flow, der leider vom Markt verschwand, und jetzt auch mit dem Muzuno Wave Shadow. Einfach ein geiler Schuh, den Mizuno nicht mehr baut – Shit! Ich verstehe das schon. Es geht um Umsatz hier, und die Community möchte derzeit halt keinen Minimalismus.

Und in Zeiten wie diesen bin ich dann doch schon mal zu haben für ein BRIGHT STATEMENT, so wie an diesem Tag bei diesem Parkrun. Als ich an den Start ging, fragte mich gleich jemand: „Was hast du denn da an?“ Ich sagte: „Mexikanische Rennsandalen!“ Dann war Ruhe. Start. ich gehe los. Nach 10 Metern rutsche ich raus wegen der Nässe, Mist. Ich halte an und ziehe die Schnürung fester. Ich renne los wie bescheuert und habe nach einer Minute die Spitze in Sicht. Nach 2K reißt mir die Schnürung ab, Shit! Breche ich ab? Barfuß bin ich noch nie ein Rennen gelaufen. Ich dachte, okay, let’s give it a try. Ich ziehe die Huaraches aus und laufe barfuß weiter, schließe erneut auf zu den schnellsten Läufern und ziehe schließlich vorbei. Auf der geraden Asphaltpassage fühlt sich das Laufen total easy an, total natürlich. Es ist kinderleicht, eine Pace unter 4 Min. zu halten, weh tut nichts. Es ist völlig okay, so zu laufen. Dann geht es berghoch auf groben Asphalt und das ist nicht so leicht, weil die raue Oberfläche durchaus mal wehtun kann. Dann kommt der Killer, ein Schotterweg. Und da muss ich Tempo rausnehmen, weil das schlichtweg wehtut, wenn man an die falsche Stelle tritt.

So laufe ich weiter, gehe die erste Runde als erster über die Linie, werde dann aber auf Schotter kassiert. Ich habe zwei Blasen am Fuß, die merke ich auch. Dennoch gehe ich das Rennen gerne ein und habe Lust drauf. Am Ende bin ich Zweiter und als ich mir meine Füße betrachte denke ich schon: „Mann: Musste das sein?“ Vielleicht nicht. Vielleicht aber doch! Ich habe das zweite Mal bewiesen, dass man barfuß vorne mithalten kann und der nackte Fuß im Stande ist, eine hohe Pace zu liefern, die man ansonsten nur teuren Schuhen zutraut. Wenn ich nur einen einzigen Läufer beeinflusst habe an diesem Tag, dann war es das wert. Eines weiß ich und eines kann ich der Welt nämlich sagen. Nicht mehr ist der Weg, sondern weniger. Ich habe das schon so oft gesagt und geschrieben: der Fuß ist ein Meisterwerk, kreiert aus Millionen Jahren der Evolution. Er braucht nichts. Er funktioniert sogar viel besser mit nichts. Wir sind BORN TO RUN., PEOPLE!

Als ich mir später die Werte anschaue für diesen Lauf, stelle ich gleich fest, dass dies von sechs Parkruns jener war mit der höchsten Schrittfrequenz. 182, für mich gigantisch hoch. Das heißt kurzum: Effizienter, ökonomischer, sparsamer, Ressourcen-schonender, wie es nur geht. Am Ende war ich physisch nicht am Limit, sondern entspannt im Ziel, auch das ungewöhnlich. Ökonomie bedeutet nämlich gleichermaßen einen niedrigeren Puls. Da kann mir sonst wer erzählen, dass reduziert laufen keine Evidenz bietet. Ich hoffe, mit diesem Lauf einmal mehr ein Stück Evidenz geliefert zu haben.

Ma San[/Avatar]

6 Kommentare

  • Oliver

    Willkommen in meiner Welt 🙂
    Meine Laufstrecken geben es leider nicht her überall barfuß zu laufen, da sind die Sandalen dann der “Kompromiss”, mit dem ich aber wunderbar leben (und unbedacht einfach rennen) kann. Bei jedem Tempo, auf jeder Distanz.
    Und meine Meinung zu “modernen Laufschuhen” (Carbon, Sprengung, Dämpfung, Stütze, …) kennst du ja vermutlich mittlerweile. In meiner Sicht ist das alles bloß (gefährliches) Marketing, dass langfristig Füße und Gelenke kaputt macht.
    Jaja, aber … die Elite läuft doch aber auch mit modernen Schuhen, dann muss das ja gut sein! Genau, für den Sponsor ist das gut, der freut sich dass ihr seine Marke kauft …
    Wer mit Minimal anfängt, fängt von vorne an und muss(!) langsam alles von vorn lernen, Gelenke, Sehnen, Muskeln müssen sich daran gewöhnen und aufgebaut werden, ich hab ca. 1,5 Jahre gebraucht. Und trotzdem noch einen Ermüdungsbruch kassiert. Ohne Geduld geht da nichts.
    Wer aber dann seinen Laufstil auf natürliches Laufen (und nichts anderes ist es) umgestellt hat, wird bei jedem Lauf belohnt, mit Tempo, Trittsicherheit, Energiereserven. Und auch im Alltag. Ich hab zb keine Rückenschmerzen mehr und die stabilsten Fußgelenke im Universum, das gesamte “Gerüst” fühlt sich “rund” an, keine Selbstverständlichkeit für einen End-50er der auch gern mal ein intensives Rennen läuft.
    Bleib dran, dann wird die 182er Kadenz zur Normalität 😉

    • MaSan

      Hi Oliver,

      ich kann mich noch gut erinnern, als ich die Warnung ignoriert habe, beim ersten Sandalenlauf nur 100 Meter zu laufen und dann ganz sachte sukzessive zu steigern. Ich lief gleich einen Kilometer und danach schmerzte meine Achillessehne eine ganze Woche lang. Dann nahm ich es ernst und machte es so, wie es Christian sagte. Jener Mensch, der mich auf diesen Pfad gebracht hat und dem ich heute noch dankbar bin deswegen. Der tauchte damals in Huaraches bei einem Firmenlauf auf und wurde mehr oder weniger belächelt. Ich war extrem interessiert an dem, was er da machte und nun ja, es hat aus mir einen anderen Läufer gemacht…einen aufmerksamen, achtsamen Läufer. Jetzt heißt es für mich, neue Huaraches zu basteln, weil die alten ja kaputt sind. Ich habe da etwas vor demnächst, etwas großes mit den Dingern… dauert noch en bisschen, aber ich glaube ich mache es (-;

      Sportliche Grüße und allzeit HAPPY RUNNING
      Martin

  • Jochen

    Hi Martin, danke für deinen Blog. Wenn du die alten Kinvara magst, versuch es doch mal mit den Altra Rivera (wenn due noch den Rivera 2 bekommst, umso besser). Mich haben die sehr überzeugt.

    • MaSan

      Hi Jochen,

      danke für den Tipp, dafür bin ich immer dankbar und den Rivera schaue ich mir mal an! Ich bin mal einen Escalante für 1.000K gelaufen und fand den super, das war allerdings jetzt nicht DER Wettkampfschuh für mich. Auf jeden Fall habe ich tatsächlich noch einen Kinvara 13 in meiner Größe gefunden, den kann ich jetzt 1.000K tragen. Entweder Saucony kommt dann zurück, also back to the roots mit einem neuen Modell nächstes Jahr, oder ich habe Pech gehabt. Dann wird Altra sicherlich sehr interessant für mich!

      Lieben Gruß
      Martin

  • Jochen

    Hi Markus,
    hatte den Kinvara von 9 bis 13, aber der Rivera ist ohne Sprengung und mit breiter Zehenbox viel angenehmer und natürlicher zu lsufen. Mit den Rivera laufe ich problemlos Marathon, was ich mich mit den Escalante nicht trauen würde. Den Rivera gibt es auch oft sehr günstig. Habe meinen letzten für 55 EUR gekauft…
    Viele Grüße
    Jochen

    • MaSan

      Hab mir den jetzt mal genau angesehen. Ich glaube das ist ein Schuh der definitiv 1A zu mir passt, höchst interessant ist die Sprengung von 0. Da Saucony der Irrweg einlegt, ist das wohl der potentielle Nachfolger für mich. Herzlichen Dank nochmal für den Tipp!!!

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