Meine fünf Cent zum Klimagipfel in Kairo /// & ein Konzept, wie wir das Ruder herumreißen können

Bei so einer Konferenz wie jetzt in Kairo blicken viele hin mit der Erwartungshaltung, dass irgendjemand vom Himmel herunterschwebt und die Probleme mit einer Universalformel löst. Ich mache das mal kurz: DAS WIRD NICHT PASSIEREN! Ich erinnere daran, dass der Erdüberlastungstag jedes Jahr immer weiter vorne liegt, dieses Jahr war es im Juli soweit und nächstes Jahr wird dieser noch weiter vorne liegen. Es wird immer schlimmer, weil wir immer mehr werden und an unserer Lebensweise, so wie sie immer war, einfach festhalten. Ich bewege mich aufmerksam durch meinen Alltag, natürlich ohne erhobenen Zeigefinger, denn hey: Jeder kann tun und machen, was er oder sie will und auch ich bin nicht perfekt, bin kein Asket. Aber dennoch stelle ich folgendes fest: Fast niemand ändert auch nur im Ansatz die Verhaltensweise, beispielhaft seien genannt:

  • Gefühlt ist niemand, der Auto fährt, dazu bereit, dieses abzuschaffen, mit dem Zug oder Mitfahrgelegenheit zur Arbeit zu fahren. Im Gegenteil, die Autos werden immer größer In vielen Städten werden jetzt sogar die Parkbuchten an SUV angepasst. Was für ein Irrsinn!
  • Zu wenige Menschen ziehen in Erwägung, sich fleischlos zu ernähren, völlig ungeachtet der drastischen, wirklich katastrophalen Umweltauswirkungen, des immensen CO2-Ausstoßes, der Wasserverschwendung und der damit zusammenhängenden, fürchterlichen Tierquälerei.
  • Für alle bleibt nach wie vor das Leben im Grünen in einem Einfamilienhaus das Ideal. Völlig ungeachtet der Tatsache, dass Flächenversiegelung ein riesiges Problem ist, dadurch der Natur mehr und mehr Flächen entzogen werden.
  • Nicht einmal die Jugend Deutschlands ist bereit, die Lebensweise zugunsten des Klimas einzuschränken. Eine sehr fundierte Studie des Jugendforschers Simon Schnetzer über die Jugend im Jahr 2021 hat festgestellt, dass nur ein kleiner Teil der Jugendlichen bereit ist, auf AUTO, Flugreisen und Fleisch zu verzichten. 56 Prozent von Ihnen schränken sich überhaupt nicht ein, sondern ziehen einen Verzicht allenfalls in Erwägung.

Ich könnte ewig so weiterschreiben, aber was bringt es, Fingerzeige zu machen? Es bringt gar nichts!

Ene Grundlage schaffen

Es muss einen Weg geben, der uns alle dazu bringt, weniger Schaden anzurichten. Um das zu schaffen, muss man eine Grundlage schaffen und mit harten Fakten anfangen, also:

  • Der CO²-Ausstoß in Deutschland liegt laut Wikipedia (Quelle) im Durchschnitt bei 7.7 Tonnen pro Kopf und Jahr. Damit sind wir nicht nur im europäischen Vergleich, sondern auch auf weltweiter Ebene mit dem Platz 31 ganz vorne dabei. 7.7 Tonen also – klimaverträglich sind gemäß atmosfair (Quelle) nur 1.5 Tonnen. Oft verweisen wir mit dem Finger auf andere, sehr gerne zum Beispiel auf Indien, DAS IST FALSCH! In Indien werden pro Kopf 1,7 Tonnen ausgestoßen und damit fünf Mal weniger als bei uns. Man sieht also alleine daran schon, dass die Diskussion um den eigenen Anteil am Klimaproblem zuweilen intuitiv, aber nicht faktenbasiert erfolgt. 
  • Fakt ist also, dass wir von 7.7 Tonnen auf 1.5 Tonnen runter müssen. Denn das ist der Wert, den jeder Mensch auf der Welt nicht überschreiten darf, wenn wir das mit der Rettung des Planeten erst nehmen. Das sind pro Person hier bei uns fünf Mal weniger und da kann sich jeder selbst fragen, was das bedeutet. Einkaufen mit Stoffbeutel reicht da nicht, da müssen Big Points her – Auto, Fleisch, Reisen, Wohnen, Windräder, Solarzellen, richtig dicke Bretter, NoGo’s in unserem Land, weil sich keiner was sagen lassen will. 
  • Unsere Diskussion zum Thema des eigenen Anteils an der Klimakatastrophe ist unfundiert und intuitiv geprägt. Jeder schützt sich selbst, hält sich selbst für das kleinere Übel. Schuld sind die anderen. Und da kann man fragen, wen man will, selbst den Fleisch essenden SUV-Fahrer.
  • Die Auswirkungen der Klimakatastrophe sind unfair verteilt. Jemand, der dem Klima mehr schadet, wird dafür nicht zur Rechenschaft gezogen. Andere, und zwar auch jene, die sich be-mühen, bezahlen die Rechnung anderer. Das ist unfair! 

Die Lösung

In Kairo wurde etwas ganz Wesentliches erreicht. Die Industrieländer wurden ganz klar als Verursacher benannt, die Schwellen- und Entwicklungsländer als Leidtragende. Verursacher, Opfer, ganz klar! Und es wurde auch vereinbart, dass die Verursacher zahlen sollen für den ganzen Scheiß, den sie der Welt antun. Das, und nur das, ist Anreiz, dass sich die Gegebenheiten ändern, Geld! Wer viel kaputt macht, muss viel reparieren. Wer wenig kaputt macht, muss weniger reparieren. Und wer nichts kaputt macht, eben nichts.

Der Einzelne

Ich finde, dass dieses Prinzip auf jeden Menschen übertragen werden sollte, auf die Mirkoebene. Wer mehr zerstört, soll zahlen! Was in Kairo beschlossen wurde, das Verursacherprinzip, ist fair. Und warum sollte man das nicht auf Mikroebene übertragen, auf jeden Menschen? Ich hätte da eine Idee. Die Sache ist doch die: Niemand möchte sich bei uns im Land bevormunden lassen, von nichts und niemand. Veggieday – nicht akzeptiert! Fleischkonsum – steigt! Tendenz – schlimmer werdend! Lösung – nicht in Sicht! Tempolimit 130 – Nein! So könnte man alles analysieren. Fast niemand verzichtet hierzulande auf ein Auto, alle möchten ins Einfamilienhaus, alle wollen Fleisch, Milch, weg mit dem Flieger. Artensterben, Flächenversiegelung, Tierschutz – scheißegal! Scheißegal ist nicht richtig. Es ist nur so, dass sich niemand, wirklich niemand verantwortlich fühlt, es ändert sich nichts, gar nichts. Und genau da muss man aus meiner Sicht ran, aber wie?

Ziel muss es also sein, dass jeder die adäquate Rechnung für das eigene Verhalten erhält. Nun – um das zu schaffen, muss ein Weg gefunden werden, wie man den CO²-Ausstoß des Einzelnen messen kann mit dem Ziel, dass jeder einzelne Mensch für jedes einzelne Kilogramm CO² bezahlt, dass über einem Definitionswert liegt. Dieser Wert könnte zum Beispiel bei 1.5 Tonnen CO² liegen. Jenem Wert, der pro Kopf für den Erhalt der Welt erforderlich ist. Wer drüber liegt, zahlt. Wer darunter liegt, der nicht. Das ist das Verursacherprinzip auf Mikroebene. Das Schöne: Niemand wird bevormundet, niemand bekommt gesagt, was er oder sie zu tun hat. Aber wer kaputt macht, der zahlt, mit harter Währung, mit Geld, Ende! Geld ist die einzige Sprache, die etwas bewirkt bei den Menschen. Der einzige Weg, Menschen zum Umdenken zu bewegen.

Jeder übernimmt Verantwortung für seinen CO2-Footprint

Doch wie schreibt man jedem seine Rechnung? Das ist leicht und es gibt bestimmt viele Wege. Wie ich schon sagte, jeder hält sich selbst für unschuldig, schuld sind immer die anderen. War so, ist so, wird immer so sein. Das ist nur dann nicht so, wenn man einem die Rechnung vor den Latz knallt, auf den Tisch, mit der Aufforderung, die Zeche zu zahlen. Und auf diesem Zettel müssen Zahlen stehen und eine Summe darunter. Wenn man jetzt auf jedes Produkt einen CO2-Aufschlag berechnet, bewirkt das nichts, weil dem Einzelnen die eigene Schuld nach wie vor verborgen bleibt. Es muss einen anderen Weg geben.

Meine Idee: Man könnte zum Beispiel Bargeld komplett abschaffen und nur noch Kartenzahlung zulassen. Jedes Produkt – jedes – wird vom Hersteller mit einem CO2-Impact bewertet. Bei Zahlung mit Karte wird jeder Buchung ein CO2-Betrag zugeordnet, von der Bank, ganz automatisch. Am Jahresende steht dann eine Summe, 5 Tonnen zum Beispiel und damit eine Überschreitung von 3.5 Tonnen. Und dafür wird Geld eingezogen, von jedem einzelnen, und der Schaden beglichen. Wer dann viel zahlt, ändert sein Verhalten, weil er oder sie weniger zahlen will, ganz einfach! Niemand muss sich etwas anhören, niemand wird bevormundet, doch jeder zahlt! Damit wird der eigene Impact auf die Welt deutlich, ein schlechtes Gewissen entsteht, und der Mensch handelt, ändert sein Verhalten!

Wir Einzelne bewegen DIE WELT, sonst niemand

Es ist mir schon klar, dass jetzt der ein- oder andere auf die Indusrtie verweist, doch das missfällt mir extrem. Die Unternehmen, wir einzelne, wir sind es die entscheiden. Verweigern wir das Billigfleisch in der Kantine, wird diese das Essen ändern. WIR ENTSCHEIDEN! Weigern wir uns im Betrieb, an den Kaffeemaschinen Billigmilch von gequälten Tieren zu trinken, wird das Unternehmen Biomilch und Alternativmilch hinstellen – WIR ENTSCHEIDEN! Wollen wir SUV, dann werden SUV gebaut, so einfach ist das. Fahren wir mehr Rad, dann werden Radwege gebaut. Fragen wir vegane Lebensmittel nach, dann wird es früher oder später auch ein entsprechendes Regal im Supermarkt dafür geben. WIR entscheiden, sonst niemand, und deshalb gilt der Fingerzeig uns, und uns allein!

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