5. Platz (2. Platz AK 40) beim MALL OF BERLIN RUN /// & über die Kunst des Rennens

#RunOrDie

Ein bekannter Läufer und Freund sagte zu mir „Hey, mach einfach mit, just for fun!“ So machte ich das dann auch! Ich wollte dieses Jahr einfach noch ein paar Wettkämpfe mitmachen, und so meldete ich mich u.a. für diesen ungewöhnlichen Lauf in einer Shopping Mall an. Da bin ich im Inneren noch zu sehr Kind (zum Glück), um mir so einen Spaß entgehen zu lassen. Spät abends durch eine Mall, durch Treppenhäuser, Tiefgarage, nach draußen, wieder nach innen, durch drei Etagen, hoch, runter, wieder hoch – das ist schon ziemlich cool, obwohl ich eigentlich kein Freund von Malls bin. Wie auch immer: Die letzten Wochen plagte mich ein Infekt und der war auch vor dem letzten Wochenende noch spürbar. Ich sagte mir dann: „Hey, lieber nicht!” Soll man ja auch nicht! Dann rief mich besagter Läufer an und ich sagte: „Okay, wir sehen uns später!“ Und so war es dann auch.

Bei der Startaufstellung positionierte ich mich in zweiter Reihe, weil ich es langsam angehen wollte um zu sehen, was der Körper macht. Zur Not würde ich einfach ganz easy laufen, nur für den Genuss, und die Stimmung aufsaugen. Ich schaute mich um und wußte, dass 90 Prozent der vor mir stehenden Läufer dort aufgrund des Adrenalins standen. Die würden gleich losgehen in einer 3:30er, vielleicht sogar einer 3:20er, und sich abschießen. Sowas geht nie gut aber hey, das muss man halt lernen, auf die harte Tour notfalls. Ohne das arrogant zu meinen wusste ich, dass ich diese 90 Prozent in der ersten Runde kassiere würde, weitere 5 Prozent in Runde 2. Wer sich ganz vorne reinstellt und denkt, es mit den Cracks vorne aufnehmen zu können (und damit meine ich NICHT mich!), muss halt wissen, was er oder sie macht. Letztlich sind solche Events Rennen – Wettrennen. Und am Ende ist nicht der vorne, der anfangs vorne steht, sondern derjenige, der sich das Rennen bestmöglich einteilt und die eigenen Stärken und Schwächen kennt. Das ist das Schöne, das Spannende, das Geile an einem kurzen und schnellen Rennen wie diesem hier. All die Entscheidungen, die man die ganze Zeit in Millisekunden trifft, das macht es aus! Riskiere ich es, ja oder nein? Überhole ich, ja oder nein? Ich liebe das, auch dann, wenn ich mich verzocke! Man verzockt sich manchmal, aber immer seltener, weil man sich selbst immer besser kennt.

Das Gute in der zweiten Reihe ist, dass man sich an die Jungs und Mädels ran hängen und sich mitziehen lassen kann. In einer Gruppe zu laufen macht es einfacher. Schwierig wird es dann, wenn sich alle abgeschossen haben und keine Gruppe mehr da ist. Mein Eindruck täuschte mich diesmal nicht, es kam genau so. Das heißt nicht, dass ich immer Recht habe, im Gegenteil, diesmal war es aber so. Ich ließ den Pulk los und blieb etwas zurück, und nach knappen 500 Metern wurden die ersten langsamer. Von Ihnen ließ ich mich ein Stückchen mitziehen und arbeite mich langsam schneller werdend nach vorne. 120 Läufer*Innen waren nach zwei Runden hinter mir, etwa zehn vor mir, zwei davon in Sichtweite. Ich schloss auf und hing mich dran, ließ sie arbeiten. War mir ein Ticken zu langsam, nur ein Ticken. Also überlegte ich: Überholen oder nicht? Ich überholte! Das ist riskant, denn vor uns war keiner mehr in Sicht und ich würde die Arbeit machen, die zwei Jungs würden sich dranhängen. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Ich rannte vorbei und gab Gas. Irgendwann drehte mich um, niemand mehr hinten dran. Richtige Entscheidung also! Drei Läufer vor mir, und ich wusste, die sind zu gut, besser als ich. Mich da ran zu hängen wäre falsch gewesen, läuferischer Selbstmord, und das bezahlt man dann teuer, und zwar am Ende des Rennens, wenn man abkassiert wird. Ich habe das selbst öfter schon erlebt, aber es passiert mir immer seltener.

Hinter mir rückte ein Läufer auf, hing sich an mich dran. Fressen und gefressen werden. Das war ein Rennen, und jetzt war ich dran. Ich ließ ihn vorbei, weil ich nicht die Arbeit machen wollte, und hing mich an ihn ran. Wir lachten uns an, weil das halt einfach auch eine coole Situation in einem Rennen ist und wir beide wussten, was in dem Moment gerade los war. Na, wer von uns beiden rockt das jetzt, du oder ich? Es entschied sich schnell, er war stärker als ich. Er übernahm die Führung, und von da an beschleunigte er, und ich ließ ihn ziehen. Muss man nicht machen, kann man aber. Er war cleverer als ich, hat mich ihn ziehen lassen, hätte auch umgekehrt laufen können. Und so war meine Batterie leer, seine voll, ganz einfach. Bleibt man dran, riskiert man, wiederum sich selbst abzuschießen, und dafür war es zu früh, außerdem war ich ja angeschlagen. Ich sagte mir: „Fünfter Platz – ist okay, das verwalte ich so.”

Es war dann recht einsam um mich herum und ich verlor an Pace. Keiner mehr, der zieht und kein Läufer hinter mir, der mich pusht. Auf Position 5 ging ich dann auch über die Linie. Ich finde, ich habe gut gepokert, nicht zu viel und nicht zu wenig riskiert, und an keiner Stelle so, dass ich dachte, ich mache mich jetzt total kaputt. War ein tolles Event, das ich gerne mitgemacht habe. Insgesamt fand ich diese Aktion auch für den Einzelhandel gut und sehe das als eine gute Idee an, diesen zu beleben. Für sowas gehe selbst ich mal gerne in eine Shopping Mall. Nächste Woche geht’s zum Herbstwaldlauf, elf Kilometer, Trail – hoffentlich dann top fit!

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