Laufen – die Grenze erfahren

Gerade habe ich das Buch Trail and Error von Annabel Müller gelesen, mir Gedanken darüber gemacht und dieses auch hier rezensiert, wie andere Bücher über den Ultra auch. In ihrem Buch schreibt sie, dass sie das Streben von Läufern auf Kurzdistanzen zwar respektiert, aber es nicht ihr Ding ist. Sprich: Sie sucht ihr Limit in der reinen Distanz, nicht in der Geschwindigkeit. Ich finde das interessant und respektiere das meinerseits, stelle aber fest, dass ich genau umgekehrt ticke. Ich liebe es, auf mir bekannte Distanzen immer wieder Gas zu geben, egal ob auf Asphalt, auf dem Trail oder dem Feldweg, und es wurde mir bisher nie dabei langweilig, und wird es wohl auch nie werden. Während die Ultra-Runner den Asphaltlauf hassen, ist das zu 80 Prozent (ich wohne in der Stadt) mein Belag. Und hey, ich habe nichts gegen Asphalt, vor allem nicht bei schnellen Einheiten. Als ich gestern los bin, nach einer Woche Höhenmeter fressen im Urlaub, da hatte ich Lust auf Speed, auf Geschwindigkeit. Ich wollte meine Schuhe glühen sehen! Also bin ich los, Ziel: 4:10er Pace auf 21K, das ist schnell für meine Verhältnisse. Wenn ich dann so einen Lauf mache, dann werde ich sehr, wirklich sehr stark mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert. Ich war nah an der anaeroben Schwelle, manchmal drauf und manchmal drüber bei diesem Lauf hier und kann sagen, dass das eine außerordentlich tolle, erstrebenswerte Erfahrung ist, die nie, niemals langweilig wird, also mir nicht. Man spürt den Laktat-Pegel regelrecht in den Muskeln, nimmt Gas weg, nur um kurz darauf wieder zurückzukommen und den Kampf fortzusetzen. Ja, das it ein Kampf. Einer, der Spaß macht, weil man von Mal zu Mal einfach besser wird in den Körper in seinen Nuancen verstehen lernt. Ich kann es nachvollziehen, wenn Läufer auf Distanz gehen und lange, immer längere Strecken laufen, gehen, sich schleppen, wie auch immer, mein Ding ist das ganz sicher nicht! Also ist es schon, aber nicht primär. Wenn ein Ultraläufer ein Mal im Jahr an einem Straßenmarathon teilnimmt, nehme ich zukünftig vielleicht ein Mal im Jahr an einem Ultra teil. Ich bin eine umgekehrt gepolte Batterie. Ultra ist nicht die Art Laufen, die mich euphorisch werden lässt. Für mich hat Laufen etwas mit Athletik zu tun, mit Leichtigkeit. Mit der Perfektion der Bewegung. Mit Laufeffizienz und Atmung. Mit genau dem Mü Ernährung (auf 42K), die es braucht. Mit dem Kennen des eigenen Körpers bis ins Detail. Mit dem taktischen Herangehen an eine Distanz mit immer einem anderen Resultat. Bei einem Lauf auf 5, 10, 21 oder 42K gibt es immer Hochs und Tiefs. Weil: Wenn man einen Lauf auf welche Distanz auch immer voll durchrauscht am eigenen, maximalen Limit, dann ist die Grenze immer spürbar, sie ist unabhängig von der Distanz. Eine 10K in 37 Minuten zu schaffen ist für mich genauso schwer wie ein 1:24er Halber oder ein sub 3 Marathon. Klar ist der Marathon höher gewichtet, aber ich möchte damit sagen: Eine Kurzdistanz hat für mich ihren Reiz in der Zeit, in der ich sie laufe. Und ich feile und über und trainiere Effizienz-basiert, und besser zu werden. So ausbalanciert wie möglich, dass das Laktat sich immer später bildet und ich immer schneller werde. Meinen Ü-40-Körper zu erleben, wie er stärker wird und immer ökonomischer funktioniert, ist faszinierend für mich, und ich hole gerne alles aus ihm heraus. Und manchmal geht man raus vor die Tür und denkt: Heute geht was, da ist Kraft da. Und dann geht man los, intuitiv mit Speed, weil man das spürt. Und wenn man dann in diese Grenzbereiche kommt, die man gut kennt und die feinen Nuancen spürt, dann ist das Laufen in der reinsten Form, die es gibt.

2 Gedanken zu „Laufen – die Grenze erfahren

  1. Wenn ich das so lese, frage ich mich, wieso du beim Rennsteig angemeldet warst. Das hat ja so gar nichts mit deinen Vorlieben zu tun.

    Das Buch muss ich dringend auch lesen…

    1. Es interessiert mich einfach, und natürlich mag und liebe ich den Trail. Aber meine Vorlieben sind einfach so. Das kann und mag sich ändern und ich möchte den Rennsteig einfach erleben… erfahren wie das ist. Ich glaube aber nicht, dass Ultra längerfristig etwas für mich ist… ich kann auch gar nicht genau sagen wieso… es ist mehr Intuition… aber mitreden können möchte ich trotzdem. In jedem Fall ist mir das, was Annabel und Mitstreiter machen, entschieden zu heftig.

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