Laufen, Sport,  Laufinspiration

Laufen – etwas zurückgeben

Am letzten Wochenende lief ich nicht mit beim PARKRUN, stattdessen stand ich als Streckenposten auf halber Strecke mit meiner gelben Weste und wies den Weg, klatschte, motivierte. Die Woche davor nämlich wurde von den Leitenden gefragt, ob wer aushelfen könne, und da das Zustandekommen einer Aktion wie dem Parkrun nicht nur von Laufenden lebt, sondern zu gleichen Teilen von Helfenden, war das für mich eine Ehrensache.

Schon vorher hatte ich bei Läufen geholfen. Beim Berlin Marathon reichte ich bei Kilometer 40 Wasser und beim Berliner Mauerweg Ultra stand ich bis tief in die Nacht bei Kilometer 156 in einem Verpflegungsstand. An beide Events kann mich heute besser erinnern als an die allermeisten Läufe, an denen ich teilnahm. Das lag zum einen an den Menschen, die ich dort kennenlernte, zum anderen an der wechselnden Perspektive, nämlich jener von außen drauf schauenden Sicht. Steht man da an der Seite, dann öffnet sich der Blick für andere und man entdeckt Facetten in dem Sport, den man da tut, die man vorher nicht sah. Man merkt dann, dass jeder einzelne ganz eigene Gründe, eine ganz eigene Motivation hat, die eigenen Grenzen zu erfahren. Und man spürt ganz deutlich die Community, die Gemeinschaft des Laufens, der man angehört und die etwas ganz großartiges ist.

Und dann realisiert man, dass jeder in diesem Sport etwas anderes sieht und möchte nichts mehr, als dass jeder einzelne das eigene Ziel, was auch immer dieses ist, erreichen möge. In gewissem Sinne wird man vom Nehmenden zum Gebenden, man ist von Nutzen und kann sich in diesem Licht etwas sonnen, und dann ist man als Läufer letztlich auch ein anderer als vorher, weil man die eigenen Ziele nicht mehr ganz so wichtig, nicht so ernst nimmt weil man weiß, dass man nicht der einzige ist auf der Welt.

Selbst bei so einer unscheinbaren Veranstaltung wie dem Parkrun hier in Landau macht man die interessantesten Bekanntschaften, wenn man dort hilft. Als ich dort zwei Mal mitlief, hatte ich großartige Rennen, es machte tierisch Spaß und ich hatte nette Unterhaltungen am Ende über das Laufen. Als Helfender dieses Mal hatte ich einen vollkommen anderen Blick. Da war ein Barfußläufer bei unter null Grad, der genüßlich und ohne Blick auf Zeit mitlief. Später unterhielt ich mich mit ihm und er erzählte mir, dass er nach den Methoden von Wim Hof und einer Art Kältetherapie besser mit Schmerzen klar käme. Dann war da eine Frau mit Rollator, die Langsamste im Feld. Sie lief die zwei Runden mit ihrem Hund an ihrer Seite und kämpfte wie eine Löwin. Später laß ich ein Interview von ihr, in dem sie sagte, dass ihr der Parkrun unheimlich viel bedeutete, mitunter weil jeder dort akzeptiert, jeder gefeiert, niemand bewertet wird.

Und dann war da die Gruppe jener, die immer wieder hilft. Leute, die weit vor Beginn eines Rennens da sind und die letzten die gehen. Die Muffins backen, Tee mitbringen, die Strecke organisieren, den Lauf leiten. Mitunter Leute, die gar nicht mitlaufen, sondern einfach helfen, das Ding am laufen halten, weil es ihnen Freude macht. Und da fragt man sich, was ein solcher Lauf, was die Gesellschaft denn wäre ohne solche Menschen – gar nichts.

Ich kann jedem von euch raten, es mir gleich zu tun und egal bei welchem Rennen einfach mal helfen, um die Maschinerie drumherum einfach mal kennenzulernen und jene, die das alles möglich machen. Mit hat das ungemein gut getan und diese Erfahrung hilft mir auch, mich selbst und meine eigenen Ziele nicht so verbissen ernst zu nehmen. In gewissem Sinne erinnerte mich diese Erfahrung und die oben erwähnte Rolle des Gebenden an meine Rolle als Vater zweier Kinder. Das ganze Leben fürchtet man sich vor dem Zeitpunkt, wenn man keine Zeit mehr hat für sich selbst. Und dann wenn es soweit ist, erkennt man, dass es nicht Bereichernderes gibt auf der Welt als das, und das Geben einen selbst weitaus glücklicher macht als Nehmen. Es ist mit Mühen verbunden, mit Selbstaufopferung klar, aber man bekommt so ungemein viel zurück. Und so etwas kann man nicht erahnen, man kann es sich nicht vorstellen, man muss es erleben.

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