Neue Bestzeit auf 5 Kilometer

01:15:12 zeigte die Uhr an, als der Letzte von uns vieren die Startlinie überquerte, und das war Platz eins. Okay, man muss sagen, dass die schnellen Staffeln der letzten Jahre nicht dabei waren. Aber von der Zeit her wären wir auch in den letzten Vor-Corona-Jahren entweder auf der Eins gewesen oder knapp auf der Zwei. Wären wir in der Einzelwertung gelaufen, dann hätten zwei von uns – darunter ich – ebenfalls auf dem Treppchen gestanden. Insofern trübte die Abstinenz von starker Konkurrenz nicht unsere Laune, weil wir alles reingelegt haben und darüber hinaus persönliche Bestzeiten gefallen sind. Am Ende fachsimpelten wir noch mit dem Erstplatzierten auf die 20K, einem Engländer, der gerade aus den Pyrenäen vom Höhentraining kam und in ein paar Wochen in Tallin eine 2:24 auf den Marathon laufen will – ein sehr sympathischer Mann und hey, krasser Typ. Der nämlich lief auf 20K mal eben schneller als wie alle vier zusammen in der Staffel, und ich hatte eine Pace von 3:37 auf dem Tacho. Aber das ist das Coole an Wettkämpfen, man lernt sich mal kennen, quatscht ein bisschen, lernt was dazu.

5K bin ich noch nie im Wettkampf gelaufen. Eine 3:45 auf den Kilometer war mein Ziel. Ich wusste, das kann ich jederzeit abrufen, aber mehr eher nicht. Eine 18:13 bin ich gelaufen und die dieser Zeit zugrunde liegende Pace hat mich dann doch überrascht, aber das tut der Wettkampf letztlich sowieso immer – in beide Richtungen! 5K anzugehen scheint einfach, ist es aber nicht. „Überpaced“ man am Anfang, dann klappt man wie ein Kartenhaus zusammen nach 1.5 oder 2K und fängt sich nur schwer wieder, meist gar nicht. Da sind die Muskeln so voller Laktat, dass man keinen Speed mehr aufs Parkett kriegt.

So ein Lauf verläuft bei mir in drei Phasen. Als mir mein Teamkollege den Stab in die Hand legte, ging ich los, zu schnell erst einmal, das ist immer so. Aber das macht nichts, insofern man das genau weiß und in diesem Moment auf die Uhr schaut und dem, was da steht, mehr Beachtung schenkt als dem Adrenalin. Das machte ich und bremste mich langsam runter auf eine 3:35. Schneller als meine 5K-Bestpace im Training, aber eben nicht zu viel Risiko. Da kommt es auf Gefühl an, auf dieses in sich hinein hören. Das jedenfalls hielt ich durch bis etwa Kilometer zwei, dann setzte die Schwächephase ein wie so oft bei solchen schnellen Rennen, oder überhaupt in allen Rennen. Also nahm ich etwas den Zug raus, um mich quasi im Rennen etwas zu erholen, und ging runter auf eine 3:40 bis 3:45. Hört sich nicht viel an, ist es aber. Man merkt da feinste Nuancen bei dem Tempo. Das machte ich bis etwa Kilometer drei, und von da an ging ich wieder sukzessive hoch bis auf eine 3:30, um mit der Länge mehr Risiko zu gehen, und das klappte auch.

Natürlich könnte man so ein Rennen auch konstant angehen. Bei mir hat es sich aber so bewährt, weil ich bei so einem Wettkampf immer auf Tuchfühlung gehe mit meinem Limit, das ja nie in Stein gemeißelt steht. Das Limit, das kann man im Training nie ganz herausfinden, dazu braucht es den Wettkampf. Gibt man sich das Limit in Form einer Pace zu Beginn schon vor, dann kann es eben sein, dass man nicht an dieses Limit geht und Körner verschenkt. Okay, man hat dann kein Risiko, aber ich bin eher der Risikotyp. War ich immer schon!

Ein tolle Erfahrung an so einer Staffel ist es natürlich, Teil eines Teams zu sein, in meinem Fall bestehend aus – wie soll ich sagen – einfach netten, besonderen Leuten. Obwohl man sich lange oder sogar gar nicht persönlich begegnet ist, ist da die Verbindung unseres Sports, die sehr, sehr besonders ist. Dieser Ausflug in die Ultra-Kurzstrecke war sicherlich ein Ausreißer von mir, der nicht so oft vorkommen wird in der Zukunft, aber es hat Spaß gemacht und in Form einer Staffel unter solchen Mitstreitern wäre ich wieder dabei!

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