Man lernt nie aus

Nach all den Jahren, in denen Laufen integraler Bestandteil meines Lebens war, liegt die Annahme nahe, dass ich das, was ich da tue, bis ins Detail verstehen müsste. Aber so ist es nicht! Immer wieder überraschen mich neue Erkenntnisse über eine scheinbar banale Sache wie das Laufen, für das es viele halten. Und manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass ich gerade erst angefangen habe, die Oberfläche zu durchbrechen uns ins Innere der Materie vorzudringen.

Ich bin gerade dabei, an mehreren Stellschrauben zu arbeiten, um die Sub3 auf die 42 im Oktober zu brechen, und eine der Stellschrauben ist die Kadenz, die zu niedrig ist. Gestern lief ich 1.000er Intervalle auf der Bahn in einer 3:35er Pace und selbst in meinen 12er Kinvara fällt es mir schwer, auch bei dieser Geschwindigkeit in Richtung 180er Kadenz zu kommen, was ideal wäre. Nach ein paar Intervallen zog ich die Schuhe aus und lief barfuß, was ich oft mache, aber nicht in dem Tempo. Eine Kadenz von weit über 180 stellte sich sofort ein, ganz von alleine, das war einfach krass. Man könnte nun denken, dass das so war, weil ich es ja genau darauf abgesehen habe, aber so ist es nicht. Ich komme in den Kinvara meist nicht einmal so hoch, wenn ich es mit Zwang versuche, barfuß ging das mühelos.

Ich laufe mittlerweile gute 30% in Barfußschuhen und natürlich fällt mir auf, dass die Kadenz höher ist bzw. sich diese leichter laufen lässt. Es ist sogar einer von vielen Gründen, warum ich das mache. Aber so bewusst, so klar wie gestern erschien mir der Unterschied zu Schuhen noch nie, was daran lag, dass ich gleiche Intervalle in exakt gleichem Tempo miteinander vergleichen konnte auf einer gleichen Strecke.

Da ich schon lange barfuß laufe und meine Physis mittlerweile gut darauf eingestellt ist, frage ich mich langsam, ob ich mal einen Marathon mit z.B. meinen Five Fingers angehen sollte 🤔.

4 Gedanken zu „Man lernt nie aus

  1. Hallo lieber Ma San,

    die Lauffrequenz ist echt ein spannendes Thema. Ich trainiere gerade für meinen nächsten Marathon im Oktober.
    Gestern habe ich meinen Long Run gemacht. Und während ich sonst eher nach der Herzfrequenz und dem Tempo schaue, ist mir diesmal meine Schrittfrequenz aufgefallen.

    Die hat sich bei mir auch verbessert. Sie liegt jetzt im Durchschnitt bei 170 BPM. Wenn ich drauf achte, schaffe ich aber auch leicht 180.

    Ich laufe eben auch mit Minimalschuhen und denke auch, dass ich ohne diese nicht auf diese Frequenz kommen würde.

    Zusätzlich mache ich aber 2 bis 3 Mal in der Woche Lauf ABC. Ich habe das Gefühl, dass auch dieses Zusatztraining meine Laufleistung und meine Schrittfrequenz wirklich verbessert.

    Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Training

    Viele Grüße
    Andrea

    1. Liebe Andrea,

      gute Punkte alles! Um stärker zu werden, habe ich über die Jahre viel gefeilt, mal hier, mal dort, und Schwachstellen nach und nach beseitigt. Die Marken 1:30 und die 40 auf die 10 zu knacken, hat mich jeweils viel Mühe gekostet und eine intensive Auseinandersetzung mit dem Laufen. Auf den Marathon schnell zu werden, war aber das Härteste überhaupt, weil da wirklich alles zusammenkommt. Beim Knacken der genannte Marken sollte es nicht bleiben, weil ich immer mehr gelernt habe, besser geworden bin. Doch die Verbesserungsschritte wurden kleiner, sodass ich heute wirklich intensiver mein Training auswerte und mir auch anschaue, was bessere Läufer anders machen. Und dazu gehört die Kadenz, die bei den mir überlegenen Läufern höher ist. Es gibt Ausnahmen, so manch ein Profi hat eine niedrige Kadenz, genauso wie es Profis gibt, die Ferse laufen. Es ist weiterhin so, dass ich in Minimalschuhen im Wettkampf schwächer wäre, weil es auch den Support braucht, um schnell zu sein, also für mich… von daher versuche ich weiterhin, viel in Barfußschuhen zu trainieren, damit die hohe Kadenz quasi in die DNA übergeht und ich diese auch in Wettkampfschuhen zumindest annähernd hinbekomme. Wo läufst du deinen Marathon?

      Liebe Grüße
      Martin

  2. Ich würde ja einfach sagen, lauf den Marathon in Fivefingers, du wirst überrascht sein. Die Ausdauer hast du, den Fokus und den Ehrgeiz eh, versuch es einfach, ich bin mir sicher dass es klappt.
    Aber verbeiss dich nicht in der Kadenz 180, das ist ja auch alles etwas abhängig von Körpergröße usw. Ich mit meinen 1,80m lande zb immer so bei 182-184 während meiner Alltagsläufe, bei Tempoläufen auch mal höher. Ich achte da schon lange nicht mehr drauf, das ist einfach so.
    Viel Erfolg bei dem Vorhaben! Achja, und zum Glück lernen wir nie aus! Wie öde wäre das Leben ohne lernen zu können 🙂

    1. Lieber Oliver,

      bei der Kadenz bist du ja absolut im grünen Bereich, Andrea ja auch… und viele Läufer die ich kenne auch… aber bei mir ist sie zu niedrig… ich könnte mir vorstellen, dass es daran liegt, dass ich früher Ferse gelaufen bin, mit viel Dämpfung und kräftigem, weiten Schritt… Ich weiß es nicht. Seit ich angefangen habe, verstärkt auf die Zahlen zu schauen, also Trainingsanalyse, habe ich diese Sache auf dem Kieker und es wird besser.

      Bei einem Marathon im Kampfmodus würde mir allerdings in den Five Fingers die Muskulatur kollabieren denke ich… irgendwann mach ich es aber garantiert.

      Liebe Grüße

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