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Ashlee Vance: Elon Musk – How the Billionaire CEO of SpaceX and Tesla is Shaping our Future (Buchrezension)

Mit Paypal hat Musk das Bankwesen revolutioniert, TESLA wird die Elektromobilität durchsetzen, ob etablierte Automobilkonzerne das wollen oder nicht. Und mit SPACE X hat Musk nichts Geringeres vor, als die Menschheit zur raumfahrenden Zivilisation zu machen. Und das sind nur Musks Zugpferde, denn ich nehme an, dass die wenigsten von Projekten wie Solarcity, Zip2 dem Hyper-Loop oder Elektroantrieben für Flugzeuge gehört haben. Ich glaube, dass ich nicht nur für mich spreche, wenn ich Elon Musk als den bedeutendsten Unternehmer der Welt betrachte und als einer der ganz wenigen, die im Begriff sind, diese grundlegend und zum Positiven zu verändern. Letzteres sieht gewiss nicht jeder so, denn wie jedem erfolgreichen Unternehmer, der zu Geld gekommen ist, wird auch Elon Musk vorgeworfen, unterm Strich an Selbstbereicherung interessiert zu sein. Ich habe das nie geglaubt und griff deshalb zu dieser Biografie, um mehr über diesen Mann zu erfahren. Ashlee Vance kam näher an Musk und sein nahes Umfeld heran wie jeder andere und liefert dem Leser beeindruckende und ja, auch abschreckende Einblicke in dessen Weltsicht und Denkweise.

“You don’t grow up thinking getting a Job is the hard part. That’s not interesting enough.” (Buchauszug)

Die Denke des Silicon Valley
Elon Musks Großeltern waren echte Abenteurer, die nach Südafrika übersiedelten und ihre Kinder nach gängiger, gesellschaftlicher Sicht unverantwortlichen Maßstäben erzogen. Riskante Expeditionen in selbstgebauten Flugzeugen oder unorganisierte Trips in die Wildnis Afrikas gehörten zum Alltag und es liegt nahe, dass diese grundlegende Risikobereitschaft quasi genetisch zu Musks Wesen gehört. Musk ist ein ungewöhnliches Kind und Schüler, der mehr am Programmieren und selbstgebauten Raketen interessiert ist als an sozialen Kontakten und der dadurch auffällt, dass er des Öfteren in sich gekehrt vor sich hinstarrt. Was die Menschen um ihn herum nicht wissen ist, dass er in diesen Momen-ten vor seinem inneren Auge detailgenaue Konstruktionen von Raketen sieht. Für sein Umfeld spielt das allerdings keine Rolle. Er wird gehänselt, verprügelt, verspottet. Seine Kindheit – ein Alptraum! Noch als junger Mann kehrt er seiner Heimat den Rücken und zieht in die USA, wo er ein Studium beginnt, welches er jedoch nach dem Bachelor beendet, weil er dem Ruf des Internets nicht widerstehen kann.

“He’s willing to take an insane amount of personal Risk. When you do a deal like that, it either Pays off or you end up in a bus shelter somewhere.” (Buchauszug)

Mit Zip2 entwirft er bereits in den Neunzigern eine frühe Variante eines Karten-Suchdienstes. Er verkauft die Firma und ist in seinen frühen Zwanzigern bereist Selfmade-Multimillionär. Schon hier aber zeigt sich, dass Geld nicht das ist, was Musk antreibt. Er steckt sein ganzes Geld in Paypal, riskiert alles und gewinnt. Sein Antrieb ist das grundlegende infrage stellen der Art und Weise, wie Geld sich bewegt und völlig unbekümmert der Tatsache gegenüber, wenig branchenaffin zu sein, wagt er sich in dieses Gebiet und erschüttert das Bankwesen in seinen Grundfesten. Diese Vorgehensweise ist typisch für Musk und liegt all seinen späteren Vorhaben zugrunde. Er hinterfragt das Fundament selbst lang etablierter Dinge grundsätzlich. Läuft etwas seiner Ansicht nach grundsätzlich falsch oder ist nicht logisch, geht er das Problem an. Abhängig vom Geld der Investoren verliert Musk jedoch Einfluss bei Paypal, was ihm zukünftig eine Lehre sein wird. Für mehrere hundert Millionen Dollar gibt er die Firma aus den Händen und wendet sich jenen Projekten zu, von denen er von früher Kindheit an träumt.

“Anyone can make a car big on the outside. The trick is to make it big on the inside.” (Buchauszug)

TESLA
Die Überzeugungen von Elon Musk beruhen auf Grundpfeilern, auf denen seine Unternehmenskon-struktionen und folglich sein Produkte in absoluter und kompromissloser Konsequenz aufbauen und das wie gesagt völlig gleichgültig etablierter Meinungen und Kompetenzträger gegenüber. Ihm scheint es schon zu Beginn des Jahrtausends logisch, dass elektrische Mobilität in Verbindung mit solarer Energiegewinnung die Zukunft ist und es interessiert ihn nicht die Bohne, dass sich weder die Autolobby in Detroit noch die übermächtigen Hersteller in Übersee mit der Thematik beschäftigen. Dass eine Stunde Sonneneinstrahlung den Energiebedarf der Welt für ein Jahr abdecken kann, ist das Fundament und seine Überzeugung, dass das Setzen auf fossile Brennstoffe und folglich die ganze Autowelt falsch liegt. Von der Konkurrenz belächelt, geht Musk nach typischem Start-Up-Muster vor. Er engagiert die klügsten Köpfe der Welt und entwickelt ein komplett neues Auto vom Zeichenbrett, und das grundlegend von der Batterietechnologie bis hin zur Metallverarbeitung. Wie wohl nur Steve Jobs vor ihm denkt er sein Produkt auf radikalste Art und Weise, uns was dabei herauskommt, ist unterm Strich kein Auto, sondern ein Lifestyle-Produkt, ein Objekt der Begierde, das jeder haben will. Das ist genau das, was viele Skeptiker nicht verstehen, wenn Sie unzureichende Fugenbreiten kritisieren oder die unzulängliche Reichweite. Ein TESLA ist das Original, wie das IPhone, das jeder haben möchte. Alles andere sind in den Augen der Konsumenten, die letztlich knallharte Kaufentscheidungen treffen, billige Kopien, die niemals an das Original herankommen. Wie Steve Jobs, so kennt jeder Elon Musk, niemand aber die Vorsitzenden der etablierten Autokonzerne. In einem TESLA gibt es keine Autogriffe mehr, keine Knöpfe, kein Hebel für die Scheibenwischer, keine Notwendigkeit des Einstellens von irgendwas. Lediglich einen Flachbildschirm, der zum ersten Mal in ein Auto verbaut wird.

“I know. Thats because it’s never been put in a fucking car before!” (Buchauszug. Elon Musks Antwort an einen Ingenieur, der einen Flachbildschirm für den TESLA entwickeln soll und Musk damit konfroniert, dass er bei seiner Recherche nichts dergleichen auf dem Markt gefunden habe)

Im Gegensatz zur Konkurrenz bündelt er die ganze Firmenkompetenz im Silicon Valley, produziert jedes Teil selbst. Auf diese Weise entfällt jegliche Abhängigkeit zu Zulieferern und zeitraubende Bürokratisierung entfällt. Doch er bricht auch mit vielen anderen unzeitgemäßen Machenschaften der Autokonzerne. Während diese das meiste Geld mit dem Motor geschuldeten Verschleißteilen und Reparaturen verdienen, sind diese dank des Elektroantriebes quasi nicht vorhanden, die Folgekosten dem-nach gleich null. Weiterhin lässt sich ein TESLA in eigenen, solarbetriebenen Supercharging-Stationen kostenlos tanken. Musk steht oft vor der Pleite riskiert stets alles. Die ersten Autos gehen in Flammen auf, die Produktionsraten sind zu gering, der Verlust zu groß, sein Produkt belächelt. Doch spätestens nachdem das Modell 3 das Licht der Welt erblickt hat ist klar: TESLA ist auf dem Weg, ein Produkt für die Masse zu werden. So war es immer gedacht und so wird es passieren. Und genau sehen es immer mehr Menschen. TESLA ist heute der wertvollste Autokonzern der Welt, der Elektroantrieb die Zukunft, der Technologievorsprung der Konkurrenz um Jahre voraus. Und während Musk eine Gigagfabrik in Berlin baut und ein weltweites Netz von für die Kunden kostenloser Supercharging-Stationen aufbaut, denkt man in den deutschen Chef-Etagen noch gebetsmühlenartig darüber nach, ob sich die Elektroenergie durchsetzen wird, trickst bei den Abgaswerten und hält Hybride in die Luft, bei denen alles Verarsche ist. Bei den älteren Kunden mag das vielleicht noch klappen, aber bei den Kunden von morgen ist Ende Gelände. Die etablierten Hersteller werden, wie man im Radsport sagen würde, zu lächerlichen Hinterradlutschern im Windschatten von TESLA. Dass das so ist, sieht auch der wichtige Consumers Report so, der TESLA mit 99 von 100 Punkten die höchste Wertung aller Zeiten gegeben hat als bestes Auto, das je gebaut wurde. Diese Tatsache ist faszinierend und doch auch extrem erschreckend, macht sie doch mehr als deutlich, wie überlegen die Denke des Silicon Valley ist.

“If you hate people and think human extinction is okay, then fuck it, don’t go to space. If you think it is worth humans doing some risk management and finding a second place to go live, then you should be focused on this issue and willing to spend some money.” (Buchauszug)

SPACE X
Space X ist Musks wahre Leidenschaft. Seit Kindesbeinen träumt er von der Besiedelung des Weltraums und sieht diese als ganz logischen nächsten großen Schritt der Menschheit an. Ihn schockiert die Realität, dass nicht einmal die NASA derartige Ideen ernsthaft verfolgt, es keinen Zeitplan gibt, keinen Ehrgeiz in diese Richtung. Und weil es kein anderer macht, macht er es eben und gründet das Unternehmen SPACE X, einzig und allein aus der Überzeugung heraus, dass dies Sinn macht. Dass er von der Materie unterm Strich keine Ahnung hat, stört ihn, ähnlich bei der Gründung von TESLA, nicht im Geringsten. Und auch hier betrachtet er sich das etablierte System der Raumfahrt, analysiert die Probleme und entwickelt ein ganz eigenes Produkt, wie es die Welt noch nie gesehen hat und die Raumfahrt für immer verändern wird.

“Elons mind was always way beyond the present moment.” (Buchauszug)

Zunächst bemerkt er ein allgemeines Desinteresse der Gesellschaft an der Raumfahrt, die seit der Mondlandung und einer Handvoll Sonden-Missionen keine wesentlichen Meilensteine erreichen konnte. Jedenfalls keine, an der die Öffentlichkeit interessiert wäre. Das hauptsächliche Problem liegt in seinen Augen in den hohen Kosten der Raketen, für Material, Starts usw. Dieses Kostenkonstrukt nimmt er auseinander und erkennt, dass sich dieses aus extremer Bürokratisierung und der Abhängigkeit von Zulieferern auf der ganzen Welt für unzählige Bestandteile einer Rakete zusammensetzt. Schnell steht fest: Die Kosten für einen Raketenstart müssen radikal gesenkt werden. Funktionieren könne dies nur durch Eigenproduktion von sämtlichen Bestandteilen in den USA, damit einhergehend durch radikale Kostenreduktion eines jeden Bauteils und damit verbunden die Loslösung jeglicher Abhängigkeiten zu Dritten, die preistreibend wirken. Die entfallende Bürokratisierung durch Entwicklung aus einer Hand würde es möglich machen, schnell zu agieren und Raketenstarts nicht einmal im Jahr, sondern mehrmals am Tag durchzuführen.

„He wants to lower the costs of launches to the point that it becomes ecomomical and practical to fly thousands upon thousands  of supply trips to Mars and start a colony.“ (Buchauszug)

Raketen dürften zudem keine Einwegprodukte sein, sondern müssten wieder-verwendbar sein, für Musk ein ganz logischer Ansatz, bis dato überhaupt nicht berücksichtigt in dieser Industrie, die es sich sehr bequem gemacht habe. Auf diese Weise könne man Kunden wie die NASA gewinnen, profitabel werden und, so der ganz große Traum, in Regemäßigkeit bemannt zu Mars fliegen und diesen kolonisieren. Was sich verrückt anhört, ist nichts weiter als normale Sillicon Valley Denke eines Elon Musk und es dürfte nicht verwundern, das Musk diese Grundideen bis dato vollumfänglich umgesetzt hat mit Ausnahme der bemannten Marsmission, die jedoch bald erfolgen sollte. Vor kurzem ist eine Falcon 9 Rakete, benannt dem Millenium-Falcon aus Star Wars. Mit NASA-Astronauten zur ISS geflogen. Und wenn Musk sagt, dass er in den nächsten Jahren bemannt zum Mars fliegen wird, dann glaube ich ihm das, nachdem ich dieses Buch gelesen habe.

“He has the ability to work harder and endure more stress than anyone I’ve ever met.“ (Buchauszug)

Fazit
Wie er all das genau gemacht hat, würde dem Buch zu viel vorwegnehmen. Aber eines möchte ich dem Leser doch mitteilen. Elon Musk aus der Jetzt-Perspektive zu bewerten und aufgrund seiner jetzigen Macht zu kritisieren, ist nicht fair. Die Probleme, die er überwindet, das Risiko, dass er eingeht, das Pensum, das er leistet – es ist fernab jeglicher Vorstellungskraft. Das folgende sagt er seinen Raketen-Ingenieuren, nachdem einer von vielen Raketenstarts, die ihn unglaublich viel Geld kosten, in Flammen aufgeht und der Traum einmal mehr zu scheitern droht: „We are going to start over. We are going to work together and make this awesome.” Dieser Satz steht sinnbildlich für Musk, der selbst in dunkelster Stunde cool bleibt. Musk ist ein Unternehmer wie nur Steve Jobs vor ihm, und noch größer. Größer, weil die Ziele, die er verfolgt, wichtiger sind. Die Unternehmenskonstrukte eines Jeff Bezos oder Mark Zuckeberg verblassen im Angesicht der Visionen eines Elon Musk ins Bedeutungslose.

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