Der große Gatsby – F. Scott Fitzgerald (Buchrezension)

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Scott Fitzgerald gibt uns einen Einblick in die Atmosphäre New Yorks in den zwanziger Jahren

In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts steht Long Island vor allem für eines. Menschen mit enorm viel Geld, die nichts anderes zu tun haben, als die elend langen Tage mit Cocktails zu vertreiben und niemals endende Partys zu feiern. Der zugezogene Nick Carraway findet sich in der Nachbarschaft der sagenumwobenen Mr Gatsby wieder. Bald kommt es zur Begegnung und ihm wird klar, dass nichts ist wie es scheint. Fitzgeralds‘ Worte sind so gut gewählt, dass man das bunte Treiben förmlich vor sich sieht. Gleichzeitig ist das Buch auch als Kritik zu sehen. An einer Gesellschaft, der es an nichts mangelt.

Video: Szene aus dem Film The Great Gatsby von 1974, mit Robert Redford

NIchts ist, wie es scheint
„Life is much more successfully looked at from a single window, after all.” Den zielstrebigen Nick Carraway zieht es beruflich nach New York. Eher zufällig mietet er sich ein Haus in Long Island, auf dessen in seinen Worten less fashionable westlichen Teil der Insel, dem West Egg. Wie er bald merkt, landet in einem ganz besonderen Ort: „It was a matter of chance that I should have rented a house in one of the strangest communities in North America.” Seine neuen Nachbarn sind ausschließlich Millionäre, und gegenüber befindet sich das riesige Anwesen eines Gewissen Mr Gatsby, dessen allabendliche Partys mit legendärem Ruf sogleich seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Kurz nach seiner Ankunft trifft sich Nick mit einem alten Bekannten, dem arroganten Tom Buchanen, dessen Frau Daisy sowie Freundin Jordan Baker. In abendlicher Atmosphäre sitzen sie mit Cocktails auf der Veranda der prächtigen Villa, wo Nick in die Gedankenwelt der sorglosen und gelangweilten High Society eingeführt wird. So erzählt ihm Daisy in einem Moment der Zweisamkeit von ihren Gedanken nach der Geburt ihrer Tochter: „I’m glad it’s a girl. And I hope she’ll be a fool – that’s the best thing a girl can be in this world, a beautiful little fool.” Bald erhält Nick einen Einblick in das trügerische Eheleben der Buchanans, als Tom ihn zu einem Ausflug nach New York mitnimmt, wo er sich mit seiner Geliebten, Mrs Wilson, trifft.

Video: The Great Gatsby, die Neuverfilmung 2013, Trailer

Wer ist Mr Gatsby?
Von Mr Gatsby schließlich zu einer Party eingeladen, freut sich Nick voll angestauter Neugier auf die Bekanntschaft mit seinem Nachbarn, von dem jeder spricht, aber niemand zu kennen scheint. Herrlich wach beschrieben ist die Weilt, die der Autor den Leser durch die Augen der Hauptfigur sehen lässt. Beispielsweise als Nick auf der Suche nach dem Gastgeber durch die Partyszenerie zur Bar schlendert: „I slunk off in the direction of the cocktail table – the only place in the garden where a single man could linger without looking purposeless and alone.” Kurz darauf trifft er Jordan Baker und schließlich endlich Gatsby. Dieser stellt sich als Oxford man  vor, was er ihm, wie vieles andere danach, nicht glaubt, den Mythos um ihn noch steigert und zugleich fasziniert: „It was one of those rare smiles with a quality of eternal reassurance in it, that you may come across four or five times in life.“ Wer ist dieser Mann, fragt sich Nick. Und was ist dran an dem Gerücht, dass er einmal einen Mann getötet haben soll. Dann verschwinden Gatsby und Jordan in die Bibliothek für ein vertrauliches Gespräch, und einige Zeit später wird Nick in ein großes Geheimnis eingeweiht. Gatsby und Daisy Buchanen verbindet eine alte, komplizierte Liebe. Für Jahre verschwunden, dienen seine Partys nur einem Zweck, Daisy irgendwie wiederzusehen, was sich allerdings bisher als erfolglos erweist. Nun soll Nick in die Bresche springen. Als Freund der Buchanans und Gatsby soll er ohne das Wissen Toms ein Treffen der beiden alten Liebenden arrangieren. Daraufhin kommen sich die beiden näher und Tom wird misstrauisch. Es kommt zu einer Reihe von Verstrickungen und bei einer Einladung Gatsby‘s zu den Buchanans schließlich zum Showdown. Nichts ist wie es scheint, oder in den Worten Nick Carraways: „I am one of the few honest people that I have ever known.”

Scott Fitzgerald großartiger Roman gibt uns einen Einblick in die Atmosphäre des Glamours der zwanziger Jahre. In eine Welt der Etikette, des Smalltalks und der Unbeschwertheit, aber auch in eine Welt der Arroganz und gelangweiltem Desinteresse der High Society: „They were careless people – they smashed up things and creatures and then retreated back into their money or their vast carelessness, or whatever it was that kept them together, and let other people clean up the mess they had made.”

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