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Mission Baden Marathon #9 – Peak-Woche

Anstrengende Woche war das. Peak-Woche. Sechs Laufeinheiten, zwei davon ruhig, zwei mit Marathonpace-Kilometern und am Sonntag dann der Endgegner: ein 36er mit 12 Kilometern Endbeschleunigung, von etwa 4:15 bis unter 4:00 min/km. So kamen knapp 83 Kilometer zusammen, davon 26 Kilometer im Marathonpace-Bereich. Dazu noch Rad und Schwimmen als Ergänzung. Nach Greif wäre das übrigens noch gar nicht die eigentliche Peak-Woche gewesen. Da würde jetzt noch eine folgen – mit einem erneuten 35er und 15 Kilometern Endbeschleunigung. Danach vielleicht noch ein bisschen Leben dazwischen.

Bei mir ist hier Schluss. Jetzt wird das Training heruntergefahren. Und genau das ist eigentlich der interessante Teil dieses Experiments. Ich habe immer noch das Gefühl, dass mir Training fehlt. Das ist vermutlich bei einem Läufer auch gar nicht so einfach abzustellen. Wenn man weiß, dass man früher Wochen mit 90, 100 oder noch mehr Kilometern gelaufen ist, fühlen sich 83 Kilometer plötzlich fast ein bisschen nach Trainingsverweigerung an. Aber genau das war letztlich das Konzept, das ich gemeinsam mit der KI entwickelt habe: weniger trainieren, weniger Pensum, dafür die Key Sessions beibehalten und deutlich mehr Regeneration. Und ganz entscheidend: das Fueling verbessern.

Gerade beim Fueling hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan. Im Long Run habe ich mich Schritt für Schritt an deutlich größere Kohlenhydratmengen gewöhnt. Beim 36er waren es rund 150 Gramm Kohlenhydrate während des Laufs – eine Menge, die ich inzwischen über Wochen trainiert habe und die mein Magen erstaunlich gut mitmacht. Und dann kam der eigentliche Test. Der finale Long Run lief überraschend gut. Ich bin die 36 Kilometer von Anfang an relativ flott angegangen und hatte auch gegen Ende keinerlei Probleme damit, die Endbeschleunigung zu laufen. Zwei Blöcke über sechs Kilometer, zunächst um Marathonpace und dann immer schneller – bis schließlich auf der Bahn sogar noch Kilometer unter 4:00 dabei waren.

Das war ehrlich gesagt ein ziemlich gutes Gefühl. Denn genau das war eine meiner großen Baustellen: Was passiert nach 30 Kilometern? Bisher war die Antwort häufig: Muskeln werden müde, Magen macht Probleme, irgendwann wird es zäh. Diesmal war die Antwort eher: Es geht noch. Natürlich ist ein Trainingslauf kein Marathon. Und die schnellen letzten Kilometer auf der Bahn sind auch nicht eins zu eins mit Kilometer 35 im Wettkampf vergleichbar. Aber als Signal nehme ich das trotzdem gerne mit. Jetzt sind es noch zwei Wochen.

Eine davon wird im Wesentlichen schon Tapering sein. Auch Greif sieht in dieser Phase noch harte Einheiten vor. Die werde ich – wenig überraschend – ebenfalls im Dialog mit der KI etwas entschärfen. Denn jetzt geht es nicht mehr darum, noch möglichst viel Fitness aufzubauen. Jetzt geht es darum, das Level, das ich habe, an die Startlinie zu bekommen. Und genau da merke ich gerade schon ziemlich deutlich, dass die letzte Woche sitzt. Die Beine sind müde. Nicht kaputt, aber müde. Und gleichzeitig läuft das normale Leben weiter. Familie. Job. Einkaufen. Kinder. Termine. Die täglichen To-dos. Greif würde jetzt vermutlich noch einmal drauflegen. Die KI schreibt dagegen gerade REGENERATION in Großbuchstaben. Und irgendwie gefällt mir das.

Denn Marathon bedeutet – das weiß ich mittlerweile aus einigen eigenen Marathons – auch, sich auf den Punkt fit zu machen. Zwischen Untertraining und Übertraining liegt ein erstaunlich schmaler Grat. Wenn ich an Köln im letzten Jahr zurückdenke und an die vielen Wochen mit 100 Kilometern und mehr, dann fühlt sich das, was ich gerade mache, für mich ziemlich gut an. Nicht, weil es weniger ambitioniert wäre. Sondern weil ich ein ambitioniertes Marathontraining mit einem halbwegs normalen Leben zusammenbekomme. Das ist vielleicht eine der Erkenntnisse dieses Experiments, die ich vorher so nicht erwartet hätte: Auch das muss man trainieren.

Nicht nur den Körper für 42,195 Kilometer. Sondern auch die Fähigkeit, ambitioniert zu trainieren, ohne dass das komplette restliche Leben darunter zusammenbricht. Noch zwei Wochen. Jetzt wird nicht mehr draufgelegt. Jetzt wird zugesehen, dass möglichst viel von dem, was wir uns erarbeitet haben, am 20. September noch da ist.

Es bleibt spannend.

Ein Kommentar

  • MRX

    Hallo Martin,

    ich wünsche dir viel Erfolg für morgen. Drücke dir die Daumen, dass alles klappt.

    Vielleicht entdecke ich dich ja auch irgendwo in der Menge…

    Viele Grüße und Vollgas!
    MRX

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