Mission Baden Marathon #5 Weniger Training – Mehr Vertrauen? Das Experiment geht weiter.
Seit fünf Wochen bereite ich mich nun auf den Baden-Marathon vor – ohne klassischen Trainingsplan. Oder besser gesagt: Mein Trainingspartner ist eine Künstliche Intelligenz. Das Ganze bleibt ein Experiment. Je länger dieses Experiment dauert, desto klarer wird die Strategie. Während ich anfangs dachte, die KI würde mich einfach nur im Schonmodus trainieren, erkenne ich inzwischen einen roten Faden. Ob er funktioniert? Das wird sich erst am Marathontag zeigen.
Die Trainingswoche
Die vergangene Woche bestand gerade einmal aus vier Laufeinheiten:
- Dienstag: 8,6 km lockerer Dauerlauf mit 4 km Marathonpace
- Donnerstag: 8,6 km lockerer Dauerlauf mit 4 km Marathonpace
- Samstag: 6,4 km lockerer Dauerlauf mit 4 km Marathonpace
- Sonntag: 22 km Longrun mit 5 km Marathonpace zum Schluss
Mehr war es nicht. Keine harten Intervalle. Keine Tempodauerläufe über 10 bis 17 Kilometer. Keine langen Serien in 3:40er-Pace. Dafür viel Regeneration, entspannte Kilometer und ein klarer Schwerpunkt auf dem Longrun.
Das Gespräch der Woche
In dieser Woche habe ich der KI eine Frage gestellt, die mich schon länger beschäftigt:
“Mal ganz ehrlich: Ist eine Zeit unter drei Stunden mit so einem laschen Training überhaupt möglich?”
Die Antwort war überraschend nüchtern.
Sinngemäß sagte die KI:
“Mit diesem Training sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Sub 3 gegenüber einem klassischen Marathonplan. Unmöglich ist sie deshalb aber nicht.”
Der entscheidende Punkt sei ein anderer. Nicht mein Tempo sei das Problem. Meine Bestzeiten über 5, 10 und 21 Kilometer würden eigentlich zeigen, dass ich das Potenzial für eine Zeit unter drei Stunden habe. Der Marathon fällt aus diesem Muster heraus. Die eigentliche Frage lautet also nicht:
Wie werde ich schneller?
Sondern: Warum kann ich mein Tempo ab Kilometer 30 nicht mehr halten?
Die Antwort der KI: Nicht die Geschwindigkeit limitiert mich – sondern meine Energieversorgung.
Drei lockere Läufe. Ein klares Ziel.
Langsam verstehe ich, warum die KI momentan so trainieren lässt. Die drei kurzen Einheiten dienen eigentlich nur dazu, die Beine locker zu halten und immer wieder die Marathonpace zu fühlen. Kein Anschlag. Keine maximale Belastung. Nur kurze Abschnitte im geplanten Wettkampftempo. Die eigentliche Arbeit findet sonntags statt.
Der Longrun bleibt der Mittelpunkt
Der Longrun ist das Herzstück der gesamten Vorbereitung. Nicht mehr möglichst schnell. Nicht mehr möglichst lang. Sondern möglichst kontrolliert. Lange auf den Beinen bleiben. Zum Schluss noch einmal Marathonpace laufen. Und dabei vor allem eines trainieren:
Fueling.
Denn genau dort vermutet die KI meine größte Schwäche.
Fueling: Der größte Fortschritt der Woche
Hier gab es tatsächlich den größten Erfolg. Noch vor wenigen Wochen lag ich bei rund 60 Gramm Kohlenhydraten pro Lauf Diese Woche konnte ich den Wert erstmals auf 90 Gramm steigern. Und das völlig problemlos. Keine Übelkeit. Kein Völlegefühl. Keine Magenprobleme. Ich trinke inzwischen meine Kohlenhydrate aus den Softflasks statt ständig Gels zu nehmen. Dazu kommt eine Elektrolytlösung. Der Magen bekommt jede Woche etwas mehr Arbeit – aber immer nur so viel, dass er sich daran gewöhnen kann. Genau das scheint bisher aufzugehen.
Meine Zweifel bleiben
Trotzdem bin ich noch längst nicht überzeugt. Marathon besteht schließlich nicht nur aus Energieversorgung. Marathon besteht auch aus vielen Kilometern. Aus muskulärer Ausdauer. Aus Tempohärte. Und genau davon trainiere ich momentan deutlich weniger als früher. Vielleicht fehlt mir am Ende genau das. Vielleicht war aber genau das in den vergangenen Jahren gar nicht mein größtes Problem.
Was ich inzwischen glaube
Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass dieses Experiment beweisen soll, dass weniger Training besser ist. Es soll vielmehr beantworten, ob ich jahrelang am falschen Problem gearbeitet habe. Vielleicht hätte ich gar nicht noch mehr Intervalle gebraucht. Vielleicht brauchte ich einfach einen Magen, der bei Kilometer 30 noch funktioniert. Vielleicht lag der Schlüssel nie in noch mehr Tempo. Sondern darin, das vorhandene Tempo endlich über die gesamte Distanz tragen zu können.
Fazit der Woche
Die fünfte Trainingswoche war unspektakulär. Vier Läufe. Viel Regeneration. Drei lockere Einheiten mit kurzen Marathonpace-Spitzen. Ein Longrun mit Endbeschleunigung. Und erstmals 90 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde ohne Probleme. Das klingt alles erstaunlich entspannt. Fast zu entspannt. Ob daraus tatsächlich eine Zeit unter drei Stunden entstehen kann? Ich habe keine Ahnung. Aber eines weiß ich inzwischen ganz sicher:
Dieses Experiment ist längst nicht mehr nur ein Marathontraining.
Es ist der Versuch herauszufinden, warum ich trotz jahrelanger harter Vorbereitung mein eigentliches Potenzial im Marathon bisher nie ausschöpfen konnte. Und genau deshalb freue ich mich mittlerweile auf jede einzelne Trainingswoche.
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2 Kommentare
MRX
Hast du jetzt eigentlich 90g KH pro Stunde erreicht oder pro Longrun?
Im Bericht #5 schreibst du von 90g/h und im Bericht #6 von 90g im zweistündigen Longrun…
MaSan
Hey danke für den Hinweis. Ich meinte 90g pro Lauf, habe das im Text geändert. x4 macht das 360 Kcal. Ich habe in meinem Artikel VERPFLEGUNG BEIM MARATHON mal ausgerechnet, dass ich theoretisch 320 Kcal brauche für einen Marathon in 3:00. Ich habe das nach der Formel hier ausgerechnet:
Zielzeit: 3 Stunden = 3 x 800 Kcal = 2.400 Kcal (Bedarf)
Abzgl. Fettstoffwechsel = – 480 Kcal
Abzgl. Glykogenspeicher = -1.600 Kcal
Ergebnis: 320 Kcal (Menge, die ich zuführen muss)
Was ich dir empfehlen kann ist der Podcast, zu dem ich in dem Artikel verlinke. Das ist das Beste und Fundierteste, was ich bisher über das Thema Bedarf an KH beim Sport gehört habe. D.h. viel höher muss ich nicht kommen, versuchen werde ich es dennoch. Wichtig ist zu wissen, dass es etwas völlig anderes ist, sich so eine Menge bei einer Pace von 4:30 oder 4:15 zuzuführen. Thema 1 ist es den Magen sukzessive an die Menge zu gewöhnen, Thema 2 ist es dann den Faktor Tempo hinzu zu geben. Klappt beides, bist du auf einem guten Weg. Wichtig ist aus meiner Sicht, sich eben auch nicht zu viel zuzuführen, das setzt den Magen nur unnötig unter Stress.