Und noch eine PB aus dem Nichts – 17:31 auf 5K
Vor ein paar Wochen lief ich – ich habe darüber berichtet – ziemlich überraschend eine PB über 10 km in 37:11. Überraschend deshalb, weil ich mich weder in einer Halbmarathon- noch in einer Marathonvorbereitung befinde. Stattdessen bereite ich mich – mehr schlecht als recht – auf zwei Trail-Wettkämpfe vor, laufe ein eher zu niedriges Pensum und fahre eine Art Notprogramm. Heißt: Ich versuche, mit Intervallen und Longruns zumindest die Key-Sessions irgendwie unterzubringen.
Und dann gehe ich an einem Sonntagmorgen auf die Bahn und laufe die 10 km schneller als je zuvor. Wie ist das möglich? Ähnlich lief es am letzten Sonntag über 5 km. Der Longrun fiel mangels Zeit aus, stattdessen begleitete ich meinen Sohn zu seinem ersten offiziellen 5-km-Rennen. Am Nachmittag ergab sich dann doch noch ein Zeitfenster, und ich radelte – mein Sohn wollte mit – zur Bahn für einen schnellen Zehner.
Die Stimmung war entspannt: Eine Gruppe Inder spielte Cricket, zwei Läufer waren noch auf der Bahn, und hinten am Basketballplatz warfen Jugendliche ein paar Körbe. Ich gab meinem Sohn ein High Five, der selbst ein paar Runden drehte, und lief los. Erster Kilometer: 3:41. Zweiter: 3:27.
Langsamer laufen? Nope, mache ich nicht.
Diese Einheit war so eine Art „schlechtes Gewissen“-Run. Eigentlich hätte ich auf dem Trail lang gehen sollen, stattdessen jetzt etwas Kurzes. Das wollte ich kompensieren – mit Tempohärte im Intervallstil. Warum? Um trotz fehlender Grundlagenausdauer einen Trainingsreiz zu setzen, insbesondere in Richtung Laktattoleranz. Besser als nichts.
Ich brauche keinen Wettkampf, um mich zu motivieren – das funktioniert auch so. Es geht mir darum, die eigenen Grenzen zu spüren. Und irgendwie stellte sich genau dieses Gefühl hier und jetzt ein, in diesem etwas schrägen Setting. Ich spürte gar nicht, dass ich eine 3:27er-Pace lief – also machte ich genau so weiter. Kilometer drei: wieder 3:27.
Irgendwann beschloss ich, es bei 5 km zu belassen – auch, weil mein Sohn inzwischen aufgehört hatte zu laufen und es sich in der Sonne gemütlich machte. Ihn jetzt noch 20 Minuten warten lassen? Eher nicht. Also: 5 km. Kilometer vier in 3:29, keine Anzeichen von Schwäche. Den letzten dann ebenfalls in 3:29 „runtergeknallt“, auf die Uhr gedrückt – 17:31.
Da trainiert man die ganze Zeit für Trails oder Marathon – und dann passiert so etwas. Klar, das freut mich. Aber eigentlich hätte ich es gern umgekehrt. Manchmal ist das alles ein Rätsel, und ich verstehe nicht so ganz, warum.
Wenn ich mir meine PBs anschaue, zeigt sich ein klares Bild: Die 5 km sind – gemessen an meinem Alter – meine beste Leistung. Danach kommt der Zehner, dann der Halbmarathon und erst danach, mit deutlichem Abstand, der Marathon als Ausreißer nach unten. Rein rechnerisch müsste ich, basierend auf den Unterdistanzen, einen Marathon irgendwo zwischen 2:50 und 2:55 laufen können – tue ich aber nicht.
Meine Stärke liegt offenbar in der Grundschnelligkeit und Tempohärte. Je länger die Distanz wird, desto mehr baue ich ab. Vor allem muskulär und insgesamt physisch setzt mir das zu – mir fehlt da schlicht die nötige Resilienz.
Das liegt wiederum daran, dass ich über das Jahr hinweg zu wenig Umfang laufe. Wenn ich dann in der Endvorbereitung im klassischen „Peter-Greif-Killer-Modus“ hochschraube, ist das vermutlich zu viel und zu abrupt – keine nachhaltige Anpassung an die Langdistanz.
So erkläre ich mir das zumindest im Moment und nehme es erst mal so hin. Jetzt stehen zwei ziemlich harte Trail-Wettkämpfe an. Mal sehen, wie das läuft und wie ich mich schlage.
Bock habe ich auf jeden Fall.
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