Film, Musik

Ein Mensch in Bewegung: A Complete Unknown und das Rätsel Dylan (Filmrezension)

Mit A Complete Unknown gelingt etwas, das man bei einem so übergroßen Mythos wie Bob Dylan kaum für möglich hält: Der Film findet einen Zugang, der sich nicht in Ehrfurcht verliert – und gerade deshalb so nah geht.

Allen voran trägt Timothée Chalamet den Film mit einer Intensität, die nie aufgesetzt wirkt. Er spielt Dylan nicht, er lässt ihn passieren – dieses Unnahbare, das Suchende, dieses ständige In-Bewegung-Sein. Es fühlt sich so, “sooooooo” echt an. Auch Boyd Holbrook als Johnny Cash bleibt hängen: kein bloßes Abbild, sondern eine Figur mit eigener Schwere, die sich leise in die Geschichte einschreibt. Und noch einer – Pete Seeger gespielt von niemand geringerem als Edward Norton. 

Was den Film besonders macht, ist sein Mut zur Klarheit. Er versucht gar nicht erst, das gesamte Leben dieses Künstlers zu sezieren oder in kunstvolle Abstraktion zu flüchten. Stattdessen zeigt er einen Menschen, der scheinbar aus dem Nichts auftaucht, sich von seiner Zeit tragen lässt – und plötzlich selbst zur Stimme dieser Zeit wird. Nicht Ruhm, nicht Geld treiben ihn an. Es ist dieser innere Zwang, etwas ausdrücken zu müssen, egal zu welchem Preis.

Und dieser Preis ist spürbar. Besonders in den zwischenmenschlichen Momenten. Seine Beziehungen zu Frauen wirken fast schmerzhaft unausweichlich – als würde da jemand immer weitergehen müssen, obwohl ein Teil von ihm sich nichts sehnlicher wünscht als anzukommen. Diese Spannung bleibt bestehen, löst sich nicht auf. Genau das macht sie so ehrlich.

Auch der Bruch mit der Folk-Szene bekommt den Raum, den er verdient. Der Moment, in dem er sich nicht unterordnet, sondern weitergeht – selbst unter Buhrufen auf einem Festival – wirkt wie ein leiser Befreiungsschlag. Kein großes Pathos, sondern ein stilles Beharren auf Entwicklung.

A Complete Unknown ist kein Film, der alles erklärt. Er ist einer, der etwas fühlen lässt. Und vielleicht ist genau das die treffendste Annäherung an Dylan: nicht als fertiges Bild, sondern als Bewegung.

Und wen interessiert es, wenn der Film für ganze Oscars nominiert war und keinen einzigen gewann? Mich jedenfalls nicht! Und das passt eigentlich ganz gut zu Dylan, der als einziger Musiker jemals den Nobelpreis für Literatur gewann und – nicht hinging. Der Film ist ein Must See und “Feel” für die Seele, people!!!

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