Bestzeit mal ganz unerwartet – 37:11 auf 10 Kilometer
Eigentlich läuft es ja gerade wirklich nicht so gut bei mir. Den Marathon im Bienwald habe ich gestrichen und darum gebeten, mich bitte aus der Liste zu löschen. Ob ich stattdessen den Halbmarathon laufen wolle, fragte man mich. „Mhm, ach komm, warum nicht!“, schrieb ich zurück – und dann habe ich versucht, noch irgendetwas aus diesem vergeigten Marathontraining zu machen, das eigentlich keines war.
Ambitionen für den Halbmarathon nächste Woche habe ich sowieso keine. Was soll da schon bei rumkommen? Ist mir aber auch egal. Ich mache den Lauf nicht mit, um etwas zu reißen. Ich mache mit, um mitzumachen. Um dabei zu sein. Nur deshalb. Das Resultat ist mir völlig gleichgültig – was allerdings nicht heißt, dass ich nicht alles reinlege. Auf keinen Fall! Wenn ich ein Rennen laufe, dann laufe ich ein Rennen. Auch wenn ich nicht richtig trainieren konnte, aus welchen Gründen auch immer, oder zuletzt mal wieder krank war – ich mache immer das Beste aus jeder einzelnen Einheit.
Und so war es in den letzten Wochen eben doch nicht nichts: einige Longruns, Tempo- und Intervalleinheiten kamen zusammen. Nicht würdig eines großen Rennens – aber da war schon etwas.
Und manchmal ist es vielleicht genau das.
Jedenfalls ging ich am Samstag auf die Bahn und lief 10 Kilometer mit der klaren Intention, sie so schnell wie möglich zurückzulegen. Einfach, um zu sehen, was ich beim anstehenden Halbmarathon realistisch angehen kann. Keine speziellen Schuhe, keine Verpflegung, gar nichts. Kopfhörer rein, „Detektor FM Entspannt läuft“ – bester Online-Stream, das kann man an dieser Stelle ruhig mal sagen – und dann hieß es: Runden laufen.
Es war ein bisschen was los, das Wetter war super, und der ein oder andere schnelle Läufer war auch unterwegs. Das hatte vielleicht einen gewissen Einfluss. Jedenfalls lief ich zügig los. Auch als die ersten zwei Kilometer in einer hohen 3:30er-Pace standen, interpretierte ich nichts hinein. Ich plante nichts. Soll der Einbruch doch kommen – interessiert mich nicht.
Er kam nicht.
Dreimal stand eine 3:30er, fünfmal eine 3:40er und zweimal eine 3:50er Pace auf der Uhr. Keine Schwäche.
Wenn ich an manche Läufe zurückdenke, komme ich zu dem Schluss, dass es schon einige Male genauso war. Ich breche mit sämtlichen Plänen, mit allen Regeln der Kunst, starte einfach im Samurai-Modus – mit einem Lächeln im Gesicht, weil ich einfach Bock habe. Und genau dann passiert etwas Cooles.
Die Bestzeit nehme ich also gerne mit.
Ob ich jetzt Ambitionen für den Halbmarathon habe? Nope. Habe ich nicht. Wenn am Ende eine 1:23:00 herauskäme, wäre ich schon glücklich. Aber wer weiß – vielleicht bringe ich ja einen Ticken dieser Entspanntheit mit auf die Strecke.
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2 Kommentare
Oliver
Das sind doch immer wieder die besten Läufe, einfach machen, nichts erwarten und plötzlich BÄÄM! steht da eine unerwartet gute Zeit. Glückwunsch 🙂
MaSan
Hi Oliver,
ich glaube da sind wir uns einig. Ich brauche den Wettkampf nicht, um mich herauszufordern. Ich kann da ganz alleine für mich machen, an Motivation mangelt es überhaupt nicht. Und weil man niemandem etwas schuldet und vielleicht wenig investiert hat, macht man Dinge einfach direkt, spontan und mit einer Coolness. Betrachtet den Puls nicht, die Pace nicht, sondern verlässt sich auf die Intuition. Wenn das mit Spaß einhergeht, ist das die purste, schönste Art des Laufens.
LG