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Auf in die Toskana – ein Familien-ROADTRIP mit dem Campervan

Nachdem wir im Sommer drei Wochen lang zu viert durch Südfrankreich gegondelt sind, haben wir uns im Herbst die Toskana vorgenommen und waren reichlich unterwegs. Über die Schweiz ging es zum Lago Maggiore, über Parma und Arezzo nach Cortona und schließlich über Cecina und Vinci langsam wieder gen Norden. Wie es war erfahrt ihr in diesem Reisebericht.

Campingurlaub im Herbst, geht das?

Ja das geht, auch mit Kindern. Ach, Europa ist doch so schön, oder? Potential haben Südfrankreich, Kroatien, Griechenland und hey, natürlich Italien. Im Normalfall sind tagsüber noch T-Shirt und Shorts drin, während es abends kalt werden kann. Darauf muss man vorbereitet sein und das waren wir mit einem Campervan mit eingebauter Standheizung. Das Gute im Herbst ist, dass so wunderbar wenig los ist überall. Venedig, Florenz, Cortona im Sommer? FORGET IT! Viel zu voll alles, im Prinzip eigentlich längst nicht mehr erträglich. Im Herbst aber – entspannt. Was Camping angeht: Mitte Oktober haben sicherlich viele Campingplätze schon zu, aber bei weitem halt nicht alle. Probleme einen zu finden hatten wir nie und wir waren sehr spontan unterwegs ohne irgendeine Vorbuchung. Auf den Campingplätzen war dann wenig los, aber eben nicht nichts, und die Preise waren auch wesentlich billiger als in der Hauptsaison. Und auch unserer Campervan von ROADSURFER war aufgrund der Nebensaison billiger als sonst. Nicht zuletzt muss gesagt werden, dass die Straßen frei waren und wir keinen einzigen Stau hatten. Auch das steht im krassen Kontrast zu einem Sommerroadtrip in Mitteleuropa. Grund genug also, einen Roadtrip im Herbst anzugehen und es wird garantiert nicht unser letzter gewesen sein.

On the Road again… kurz vor dem Gotthardtunnel

Lago Maggiore

Die letzten Italienbesuche führten uns über Österreich nach Südtirol, entweder über den Brenner oder die Passstraße über das Timmelsjoch. Für die Toskana wählten wir den direkten Weg in den Süden über die Schweiz und hatten das Glück, dass auf der Windschutzscheibe des Campervans bereits eine noch gültige Vignette klebte. 40 Euro gespart – macht zwanzig Cappuccino! Ein Highlight in der Schweiz war der Gotthardtunnel, der die Kinder zum Staunen brachte. Stolze 17 Kilometer ist dieser lang und darf sich viertlängster Straßentunnel der Welt nennen. Über das Tessin führt uns die Straße in die Lombardei entlang des Ostufers des Lago Maggiore auf einen Campingplatz am südlichen Zipfel des Sees. Auf einem Campingplatz direkt am Wasser schlagen wir unser erstes Lager auf und fahren das Klappdach unseres VW T.6 aus. Es is richtig gemütlich hier. Vor unserer Nase plätzschern die Wellen ans Ufer und an einem Steg baumeln ein paar Boote. Mit den Rädern fahren wird entlang einer abenteuerlichen Straße nach Sesto Callende. Ein kleiner, hübscher und authentischer Ort ist das mit einer Uferpromenade und einem belebten Platz, wo wir in einer tollen Eisdiele an deren letzten Öffnungstag unser erstes Eis essen in diesem Urlaub.

Sesto Callende

Parma

Wir lassen den Lago hinter uns uns steuern an Mailand vorbei nach Parma zu einem Zwischenstopp. Parma empfängt uns mit einem entspannten, fast schon eleganten Flair – eine dieser Städte, die man auch bei einem kurzen Zwischenstopp sofort sympathisch findet. Wir schlendern durch die Altstadt, vorbei an warm getönten Fassaden, kleinen Boutiquen und einladenden Cafés, die typisch italienische Lebensfreude versprühen. Zum Mittag gibt es natürlich Pizza – einfach perfekt –, bevor wir uns noch ein wenig treiben lassen. Parma ist berühmt für seine kulinarischen Schätze, insbesondere den Parmigiano Reggiano, der prinzipiell als riesiger Klotz in jedem Geschäft rumsteht, also regelrecht zelebriert wird.  Doch auch abseits des Essens und des obligatorischen Espressos bzw. Lemonsoda für die Kids, gefällt uns die Stadt richtig gut. Man spürt die Geschichte – hier der Dom, dort das Baptisterium aus rosafarbenem Marmor. Wir schlendern durch viele schmale Gassen, die den Geist alter Zeiten atmen. Ein kurzer Stopp, der Lust macht, wiederzukommen – mit mehr Zeit und großem Hunger auf all das, was Parma zu bieten hat.

Parma

Castiglion Fiorentino

Die Straße führt uns weiter an Florenz vorbei und mitten hinein in die Bilderbuch-Toskana. Nach Arezzo tauschen wir Schnell- gegen Landstraße und kommen schließlich an unserem Zielort für mehrere Tage an, dem Campingplatz Il Saregeto. Inmitten eines Tals liegt dieser kleine Campingplatz umgeben von Hügeln, gespickt mit Olivenbäumen. Der Spielplatz, die Tiere und das kleine Naturschwimmbad suggeriert uns, dass wir hier richtig sind. Als Familie fühlen wir uns sofort willkommen. Der Platz ist überschaubar – nur wenige Stellplätze – wodurch eine sehr ruhige Atmosphäre entsteht. Kaum Straßenlärm, viel Natur, Schattenplätze: perfekt, um mit Kindern zur Ruhe zu kommen.

Campingplatz Il Saregeto
Laufen war ich natürlich auch (-;

Sandro und seine Frau betreiben rund um den Campingplatz aktiv Landwirtschaft und lassen die Besucher daran teilhaben. Morgens geniesen wir das Ciabatta, das man vorbestellen kann und frisch gebacken und noch warm gebracht wird. Die Kinder finden rasch Spielkameraden, da im Spielbereich – mit Trampolin, Schaukel und Tiergehege (Ziegen, Kaninchen) – immer was los ist. Eines Abends fragt uns Sandro, ob die Kids nicht Lust hätten, mit den Pferden zu reiten, was sie sich nicht zwei Mal sagen lassen. Am nächsten Tag sitzen sie auf Zeus und Falco und traben durch den Olivenhain. Jetzt im Oktober auch steht die Olivenernte an und die Familien sind den ganzen Tag in den Hügeln zum Pflücken. Mein Sohn möchte das unbedingt sehen und ehe wir uns versehen, stehen wir mit Sandros Familie im Olivenhain und pflücken fleißig mit. Ein tolles Erlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.  

Cortona

Unweit Castiglion Fiorentino und unserer Camping-Oase befindet sich mit Cortona einer der schönsten Orte der ganzen Toskana. Hoch oben thront die Stadt auf einem Hügel und schon die Auffahrt ist ein Erlebnis – enge Serpentinen, terrassenartige Olivenhaine und dazwischen immer wieder Ausblicke bis hinunter ins Tal von Castiglion Fiorentino. Oben angekommen schlendern wir durch das Gewirr enger Gassen, vorbei an Natursteinmauern, alten Stadttoren und kleinen Werkstätten, in denen die Zeit irgendwie stillsteht.

Cortona

Cortona ist überschaubar, gemütlich und voller kleiner, schnuckeliger Läden. An der Piazza Luca Signorelli fällt uns eine kleine Schlange auf und aufgeregte Kinderstimmen – Eis! Die Gelateria SNOOPY sieht nicht nur extrem cool aus bei genauso coolem Personal, sondern gibt uns kurz darauf – und das ist ungelogen – das mit Abstand beste Eis seit Jahren in die Hand. Die in flüssige Schokolade eingetauchte Waffel, die mir der Mann oben auf meine zwei Kugeln auflegt, ist quasi der Punkt auf den „I“. Einfach Wow!!! Nur ein paar Meter die Straße hoch habe ich übrigens – das ist lange her – die beste Pizza meines Lebens gegessen, einmal mehr ungelogen! Das Wetter meint es gut mit uns, die Sonne wärmt noch und wir sitzen vor der Gelataria, während die Kinder ihr Gelato verschlingen. Cortona hat eine Leichtigkeit, die man schwer beschreiben kann – vielleicht ist es der Mix aus Geschichte, Kunst und diesem typisch italienischen Flair, das man am liebsten einpacken würde. Wir bleiben lange, lassen uns treiben und genießen einfach den Moment.

Arezzo

Arezzo ist von unserem Campingplatz nur einen Katzensprung entfernt – wir schauen mal rein. Die Stadt ist weniger touristisch als Florenz, weniger perfekt als Siena, aber genau das macht ihren Charme aus. Wir parken am Rand der Altstadt und laufen bergauf Richtung Piazza Grande, dem Herzstück von Arezzo. Die Piazza ist wirklich beeindruckend: schräg, großflächig, umrahmt von historischen Gebäuden und kleinen Cafés, die wie gemacht sind für eine Pause. Wir trinken Espresso und Lemon Soda, schauen dem Treiben zu und merken wieder einmal, wie wenig es braucht, um sich im Urlaub richtig frei zu fühlen. Die Kinder erkunden die Arkaden, wir lassen uns treiben, schauen in das ein oder andere Geschäft und machen ein paar Fotos.

Cecina – Naturstrand & Wellenrauschen

Nach all den Hügeln und Altstädten wollen wir ans Meer – und steuern Cecina an. Obwohl, eigentlich nicht direkt. Zunächst suchen wir uns etwas Anderes auf halber Strecke. In Erwartung eines kleinen, hübschen Naturcampingplatzes finden wir uns ganz allein wieder auf einer ziemlich wilden, ungepflegten Wiese und entscheiden uns für die Weiterfahrt. Kein Problem, mit einem Campervan. Also geht es weiter nach Cecina, wo wir einen Platz auf einem großen und hey, nicht so schönen, Campingplatz finden. Und dennoch: der Platz ist sauber, aufgrund der Jahreszeit wenig besucht und wir bekommen diesen für einen Schnäppchenpreis. Jetzt im Herbst, das muss man wissen, haben viele Campingplätze bereits geschlossen und es ist ein Privileg, dass wir die nächsten Tage quasi mit dem Meer vor der Nase verbringen dürfen. Der Campingplatz liegt einen Steinwurf von der Küste entfernt und schon bei der ersten Fahrt dorthin wissen wir: Das ist genau unser Ding. Kein durchgestylter Badeort, keine Liegestuhlwüsten, sondern ein kilometerlanger Naturstrand, wild, rau, echt. Ein Pinienwald trennt die Straße vom Wasser. Wir parken, laufen durch das duftende Grün – und stehen plötzlich vor einer breiten, offenen Strandlandschaft, die uns sofort begeistert. Treibholz, Dünen, hohe Wellen: ein Paradies für Kinder und Eltern gleichermaßen. Die Kids bauen Festungen aus angeschwemmten Stämmen, jagen mutig die auslaufenden Wellen, und wir sitzen einfach da, schauen aufs Wasser und atmen durch. Cecina zeigt uns noch einmal, wie vielseitig die Toskana ist: Nicht nur Hügel & Wein, sondern auch Meer & Wind. Wir bleiben länger als geplant – solche Orte ziehen einen fest.

Der Naturstrand bei Cecina, genau unser Ding

Vinci – auf den Spuren Leonardos

Auf dem Weg zurück Richtung Norden liegt Vinci – und allein der Name verpflichtet uns natürlich zum Halt. Der Geburtsort von Leonardo da Vinci ist ein Muss, wenn man mit Kindern reist. Das Museo Leonardiano verteilt sich auf mehrere Gebäude im kleinen historischen Zentrum und ist eine Mischung aus Kunst, Wissenschaft und Wunderkammer. Genau das Richtige für neugierige Kinder. Die Modelle von Leonardos Erfindungen – Fluggeräte, Kräne, Kriegsmaschinen – wurden anhand seiner Skizzen gebaut. Man bekommt ein Gefühl dafür, was für ein unfassbar breites Genie dieser Mann war und verlässt das Museum mit dem Wunsch, direkt etwas zu bauen. Der kleine Stadtkern von Vinci ist gemütlich, perfekt für einen kurzen Spaziergang und ein Gelato zum Abschluss (ja, schon wieder). Der Blick ins toskanische Umland von hier oben ist dazu einfach traumhaft.

Vinci

Fazit – wie war dieser Roadtrip für uns vier im Campervan zu dieser Jahreszeit?

Der T6.1 Bulli von Roadsurfer war für unseren Herbst-Roadtrip genau das richtige Gefährt – und gleichzeitig eine Erfahrung, die uns gezeigt hat, wie viel Freiheit, aber auch wie viel Organisation in so einem kompakten Camper steckt. Das größte Plus: Beweglichkeit und Spontanität. Mit dem Bulli fährt man nicht, man gleitet. Durch enge Altstadtgassen, über Serpentinen, an überfüllten Strandparkplätzen vorbei – wir haben uns nie wie ein Fremdkörper gefühlt. Stellplatz gefunden, Dach auf, Stühle raus, kochen – der Bulli macht aus jeder Ecke einen kleinen Urlaubsmoment. Und genau das lieben wir an solchen Reisen: nicht genau zu wissen, wo man am nächsten Tag landet, und sich treiben lassen zu können.

Doch so viel Freiheit hat auch ihre Schattenseiten. Der wohl größte Nachteil: das ständige Auf- und Abbauen. Zu viert im Bulli bedeutet zwangsläufig: räumen, umbauen, wieder räumen. Alles hat seinen Platz – oder sollte zumindest einen haben –, und trotzdem sucht man immer irgendetwas. Tagsüber wird die Sitzbank genutzt, nachts wird sie zum Bett. Unten herrscht dann Kinder- und Elternleben, oben Schlafdach-Leben – und spätestens beim nächsten Stop wird das ganze System wieder zurückgebaut. Gerade wenn man häufiger den Standort wechselt, wird der Bulli schnell zu einem täglichen Puzzle.

Was uns überrascht hat: Es funktioniert – auch zu viert, auch im Herbst, auch mit kühlen Nächten. Die Standheizung war Gold wert und machte das Schlafen angenehm warm und kuschelig. Wir haben uns aufgeteilt:

  • oben habe ich mit meinem Sohn geschlafen,
  • unten meine Frau mit unserer Tochter.

Das war nicht nur praktisch, sondern auch ein kleines Abenteuer für die Kids, die das Aufstelldach ohnehin geliebt haben. Der Bulli hat uns gezeigt, wie kompakt man als Familie leben kann, ohne dass es stressig wird – vorausgesetzt, man organisiert sich gut. Jeder Handgriff sollte sitzen, jeder hat seine eigenen kleinen Aufgaben, und alles, was man benutzt, landet direkt wieder am richtigen Platz. Dann funktioniert es überraschend gut.

Unterm Strich bleibt: Ein Campervan ist kein Wohnmobil, aber ein unglaublich flexibler Reisebegleiter. Für Familien, die gerne unterwegs sind, die Freiheit lieben und kein Problem damit haben, ab und zu im Camper-Tetris-Modus zu leben, ist er perfekt. Für uns war es jedenfalls nicht der letzte Roadtrip im Bulli – die Mischung aus Freiheit, Natur, Minimalismus und Familienzeit ist einfach unschlagbar.

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Ma San[/Avatar]

 

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