**ESEL CAB – Carsharing made in Landau: mein Testbericht zur lokalen Alternative zu MILES & Co.**
Carsharing in Landau? Lange war mir nicht klar, dass es hier überhaupt eine echte Alternative zu MILES oder SHARE NOW gibt. Bis ich ESEL CAB entdeckt habe – ein lokales, komplett elektrisches Carsharing, das ohne Grundgebühr auskommt. Ich habe mich registriert, die Fahrzeuge getestet und war überrascht, wie gut das Angebot funktioniert – mit ein paar Punkten, an denen man noch feilen könnte.
Zurück in die Zeit der ersten Carsharer
Ich erinnere mich gut an meine Berliner Jahre, als plötzlich die ersten Carsharing-Flotten im Straßenbild auftauchten. Skepsis am Anfang, dann immer mehr Freunde, die es nutzten – und irgendwann ich selbst. MILES und SHARE NOW wurden die beiden Platzhirsche: kilometer- vs. zeitbasiert, beide perfekt für die Großstadt.
Umso erstaunlicher, dass Carsharing in kleineren Städten oft kaum vertreten ist. Seit meinem Umzug nach Landau frage ich mich:
Warum gibt es hier eigentlich kein MILES?
Kein Bedarf? Kein Verständnis? Oder einfach niemand, der sich traut?
Vom überzeugten Fahrradfahrer zum Peugeot-Besitzer wider Willen
Ein eigenes Auto wollte ich nie. Bis meine Schwiegereltern uns ihren alten Peugeot 206 vor die Tür stellten. Plötzlich stand da diese Blechkiste – und wie das so ist: Man arrangiert sich, es wird „Familie auf vier Rädern“.
Trotzdem bleibt das Rad hier im Alltag unser Hauptverkehrsmittel. Aus Überzeugung. Aus Spaß. Und weil es sinnvoll ist in einer Welt, die sichtbar unter Druck steht.
Aber:
Die Realität der Kleinstadt ist anders als die Großstadt.
Öffentliche Verkehrsmittel? Unzuverlässig.
Ausflüge in den Pfälzerwald? Ohne Auto schwierig.
Die Frage bleibt also: Muss es ein eigenes Auto sein?
Als mein Auto liegen blieb – und ich eine Lösung brauchte
Der Peugeot fiel durch den TÜV, 1.000 Euro Reparatur – klassisch. Gleichzeitig standen ein Geburtstag mitten im Pfälzerwald und ein Marathon in Hockenheim an. Bahn? Früh morgens quasi keine Chance.
Mietwagen? Über 100 Euro – plus Papierkrieg.
Also: Wo ist MILES, wenn man es braucht?
Stadtmobil? Ja, in Landau aktiv – aber 80 Euro Jahresgebühr? Nope.
Und dann stoße ich auf ESEL CAB
ESEL CAB – der erste Eindruck
Der Name war mir sofort vertraut – die Autos sieht man ja immer in der Eutzinger Straße stehen. Doch beim Klick auf die Website: Sicherheitswarnung, Seite nicht erreichbar. Etwas schräg.
Also kurzerhand dort vorbeigelaufen. Fahrzeuge da, Website trotzdem down. Am nächsten Morgen rief ich an – über Umwege beim Energieversorger. Und siehe da:
Ja, ESEL gibt es noch. Ja, die Flotte wird ausgebaut. Nein, es gibt keine Grundgebühr.
Sympathisch.
Registrierung: etwas versteckt, aber schnell
Über Windows ging die Website plötzlich doch – und der Registrierungsbutton war zwar gut getarnt, aber auffindbar.
Registrierung: 5 Minuten.
Vertrag ausdrucken, einmal in die Industriestraße, Führerschein zeigen – fertig.
Die ESEL-Karte in der Hand, direkt einsatzbereit.
Kostenfrei Mitglied, komplett unkompliziert.
Die erste Fahrt – ein BMW i3 wartet
Gebucht wird über die App „Carsharing Deutschland“. Einloggen, Zeitraum wählen, fertig.
Meine Fahrten:
- 18 € für 4,5 Stunden (Hauenstein)
- 36 € für 9 Stunden (Hockenheim)
Plus 20 ct/km – absolut fair und auf MILES-Niveau.
Am Stellplatz wartet ein vollelektrischer BMW i3 – sauber, geladen, bereit. Viele E-Auto-Erfahrungen habe ich nicht, aber:
Learning by doing funktioniert.
Auto per Karte öffnen, Terminal im Handschuhfach, PIN rein, Schlüssel raus, losfahren.
Kratzer melden? Telefonisch.
Bei MILES funktioniert das komfortabler per App – hier besteht definitiv Optimierungsbedarf.
Laden, Parken und kleine Stolpersteine
Das Auto war vollgeladen – perfekt. Laden kann man kostenlos an ESEL-Ladestationen via Tankkarte im Handschuhfach. Habe ich noch nicht getestet, soll aber unkompliziert sein.
Größeres Problem:
Mein Stellplatz war besetzt. Da ESEL kein „Free Floating“ mehr nutzt, muss man das Auto genau an diesem einen Stellplatz abstellen. 100 Meter weiter weg parken? Möglich, aber man kann dann nicht laden.
Das ist für den nächsten Nutzer ungünstig – und für Menschen, die früh morgens los müssen, potenziell stressig.
Hier könnte ESEL viel Vertrauen schaffen, wenn das System flexibler wäre.
Fazit: Eine echte Alternative – mit Potenzial
ESEL CAB ist für Landau das, was MILES für Berlin ist – nur kleiner und lokaler.
Und das ist absolut positiv gemeint.
✔ Keine Grundgebühr
✔ Faire Preise
✔ Vollelektrische Flotte
✔ Schnelle Registrierung
✔ Hohe Verfügbarkeit
Warum also kennt kaum jemand dieses Angebot?
Hier darf ESEL mutiger werden:
mehr Präsenz, besseres Design, klareres Messaging.
Denn Carsharing ist nicht nur praktisch – es ist Freiheit ohne Verpflichtung, und das passt perfekt zu einer Stadt wie Landau.
Das könnte dich auch interessieren
Ko Ngai – a dream island in the Andaman Sea of Thailand (II)
12. Mai 2016
Peter Wohlleben: Hörst du wie die Bäume sprechen (ein Buch für Kinder)
21. Juli 2022