Laufen – wenn der Laufgott nicht auf deiner Seite ist

Seit Januar bin ich circa 800 Kilometer gelaufen, seit acht Wochen verdichtet im Rahmen von fünf, teilweise sechs Einheiten die Woche. Neun 30K-Läufe und drüber waren dabei, teilweise knallhart gelaufen mit 5K-Zwischensprints und Endbeschleunigung. Jede Menge Intervalle waren es auch: 5×2, 10×4, 3×3, 5×1, 4×3, 3×5. Ein Haufen langsame Dauerläufe, spät am Abend gelaufen, nach der Arbeit und der obligatorischen Gute-Nacht-Geschichte, um neun, zehn Uhr abends. Und dann waren da noch Speed-Einheiten über 10 bis 20K, volle Kanne gelaufen, darunter eine Sub-38 auf 10K und 1:26 auf die 21K – ICH WAR VOLL AUF KURS! Am 10. April, in knappen zwei Wochen, wäre der Südliche Weinstraße Marathon gewesen, mein erstes großes Ziel dieses Jahr und Anlass für das ganze Training. Auf viele bekannte Gesichter habe ich mich soooooo gefreut. Letztes Wochenende nun der Rückschlag, Diagnose Covid, und das war es dann auch! So etwas verkraftet man nicht einfachmal so, auch nicht als ein Marathonläufer, der es gewohnt ist, dass ein Lauf oft nicht geradlinig läuft, sondern in Up- and Downs. Aber wenn einem so der Teppich unter den Füßen weggezogen wird, dann reicht auch einmal Schütteln nicht, das schmerzt, und zwar richtig. Das Erste was ich den Arzt gefragt habe beim PCR-Test war: Kann ich den Lauf machen? Schnelle, kurze Antwort: Kannst du knicken!

Das ist nicht das erste Mal, dass der Laufgott nicht auf meiner Seite ist. 2018 habe ich für einen großen Traum trainiert, den Athen-Marathon. Zwei Wochen vorher – IT-Band-Schmerzen, laufen unmöglich. Nach einer Kortisonspritze bin ich trotzdem hin, lief mich warm und bemerkte dabei, dass es nicht geht. Fast mit Tränen in den Augen stand ich an der Seitenlinie. Ein Jahr später war ich wieder dabei, und pünktlich mit dem Abflug erwischt mich eine Magen-Darm-Grippe. Die Nacht vorher habe ich durch-gebrochen, aber an den Start ging ich trotzdem. Das Ergebnis war miserabel, aber das war egal. Das Überschreiten der Ziellinie an jenem Tag ins antike Stadion von Athen – ich werde es nie, niemals vergessen (einen Bericht über den Marathon findest du hier).

Ich weiß nicht was ich verbrochen habe, aber der Laufgott ist verdächtig oft nicht auf meiner Seite, so kommt es mir jedenfalls vor. Hätte ich diesen Shit nicht vor einem halben Jahr bekommen können, oder wenigstens vor fünf Wochen? Aber nein, eineinhalb Wochen vor dem Lauf – ein Todesstoß ist das, ein wirklich seltener Witz des Universums. Und überhaupt, was jetzt? Meine Schuhe hängen am Nagel und ich beobachte mal diese verdammte Krankheit. Dann werde ich mich mindestens zwei Wochen auskurieren müssen bevor ich langsam wieder hochdrehen kann. Am 21. Mai steht der Rennsteig an, mein erster Ultra, 73K. Und der Marathon muss davor stattfinden. Ich habe an den Ober-Elbemarathon gedacht, der ist aber zu früh. Reicht nicht, um fit an den Start zu gehen. Zwei Marathons gibt es, die passen könnten. Den Prag-Marathon am 8. oder den Mannheim-Marathon am 14. Mai. Zwar nah am Rennsteig, aber der Marathon ist wichtiger. Mal sehen wie ich es mache, ich muss diesen ganzen Sch…. erst mal noch verkraften.

5 Gedanken zu „Laufen – wenn der Laufgott nicht auf deiner Seite ist

  1. Hey Martin, das sind die Dinge die man so überhaupt nicht gebrauchen kann, du hast so hart trainiert und jetzt das. Tut mir echt voll leid, ich kann deine Enttäuschung und den Frust gut nachvollziehen, hatte ähnliches auch schon ein paar mal.
    Aber: Gesundheit geht immer vor! Erstmal auskurieren, dann Pläne machen. Und locker bleiben. Das Laufen läuft nicht weg (haha), dein nächstes Ziel nach hoffentlich schnell durchgestandener Krankheit wird sein wieder auf Kurs zu kommen. Und das kann durchaus Spaß machen, wenn man sich nicht mit Ziel X und Y verrückt macht. Ein DNF wegen schlecht auskurierter Krankheit, ist schlimmer als überhaupt nicht anzutreten (ich weiß leider wovon ich rede). Und dann das erste realistische Ziel locker angehen, du wirst erstaunt sein wie gut das funktioniert (auch hier weiß ich wovon ich rede).
    Auf jeden Fall gute Besserung und vertrau deinem Körper, der merkt sich seinen Leistungsstand, du wirst schnell wieder fit sein. Beste Grüße, Oliver

    1. Hi Oliver,

      ich glaube ich bin langsam drüber weg. Gesundheit ist alles und insbesondere mit dieser Sache hier, bei der keiner weiß was es genau ist und macht, ist Vorsicht geboten. Ich war Letztlich auch froh, dass der Arzt das rigoros und gnadenlos ausgeschlossen hat. Vorher habe ich noch herum gerechnet, ob ich nicht doch noch irgendwie an den Start gehen könnte. “Aber”, so fragte der Arzt mich, “was hättest du davon? Eine 50%-Leistung wenn überhaupt, und das Risiko einer nicht auskurierten Krankheit.” Nein, das wird nicht gemacht, es ist okay und ich komm drüber weg. Ich warte jetzt mal 2 Wochen komplett ab und mache gar nichts. Danke fürs Aufmuntern und die netten Worte!!!

  2. Hallo, Martin, durch Zufall habe ich dich als ebenso begeisterten Läufer getroffen, wie ich eine Läuferin bin.

    Kann sehr, sehr gut nachempfinden, wie es dir derzeit geht, ABER – und jetzt kommt das ABER, lass dir Zeit, kuriere dich aus, gehe es danach langsam an, verlange nicht zu viel von dir, genieße jeden Schritt – auch bei den Ultras – und vor allem höre auf deinen Körper – immer !! Es lohnt sich – immer !!

    Bin in diesem Monat 43 Jahre laufend unterwegs, kann ein Lied von weniger guten Zeiten (zum Glück selten ) und den guten singen, höre auf meinen Körper, der mir stets deutlich zu verstehen gibt, wo es langgeht !

    In diesem Sinne – halte durch -es lohnt sich !

    1. Hey,

      herzlichen Dank für die lieben Worte, das tut wirklich gut! Ich war jetzt fast zwei Wochen nicht mehr laufen und diese Zeit kommt mit jetzt schon wie Monate vor. Ich glaube nicht, dass es in den letzten 20 Jahren vorkam, dass ich mal für zwei Wochen nicht laufen war. Deshalb fällt mir das auch so schwer! Im Prinzip gab es auch immer eine klare Exit-Strategie für Verletzungen welcher Art auch immer, also ein Weg, wie man da raus kommt. Ich fühle mich im Moment einfach nur total K.O. durch diese seltsame Krankheit, die alles andere ist als eine normale Erkältung, für die sie ja so viele erklären. Ich werde nächste Woche mal ein langsames Läufchen wagen und mal sehen, wie es sich so anfühlt. Mir wird gerade mal wieder klar, welches Geschenk es ist, gesund zu sein und überhaupt laufen zu können… da spielen Ergebnisse und Ambitionen ganz schnell keine Rolle mehr!

      Lieben Grüße

  3. ” Mir wird gerade mal wieder klar, welches Geschenk es ist, gesund zu sein und überhaupt laufen zu können… da spielen Ergebnisse und Ambitionen ganz schnell keine Rolle mehr “.

    Das ist ein Satz, den sich so mancher hinter die Ohren schreiben sollte, wie wahr – nicht zuletzt in dieser weniger schönen Zeit !

    Grüße von der stürmischen, nassen Ostsee, zum Laufen für mich einfach nur ideal, soll einer verstehen ! 🙄

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