Lion – Der lange Weg nach Hause (Film)

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Neulich im Freilichtkino in der Hasenheide in Berlin hätte man mit Taschentüchern den Umsatz seines Lebens machen können. Hinter LION steckt die unglaubliche und wahre Geschichte des Jungen Saroo, der auf tragische Weise seiner Familie entrissen wird und sich als Adoptivsohn einer australischen Familie wiederfindet. Spoilerfreie Filmkritik (Es wird nichts gesagt, was nicht aus dem Filmtrailer hervorgeht)!

Ein Junge namens Saroo
Die Szenen, die das indische Straßenleben abbilden, sind voller Kraft, einfach fantastisch. Irgendwo in Indien bestreitet eine alleinerziehende Mutter mit ihren drei Kindern ein Dasein, dessen Härte unsereiner sich nicht in den kühnsten Träumen vorstellen kann. Auch Sohn Guddu (Abhishek Bharate) und sein kleiner Bruder Saroo (Sunny Pawar) sind tagtäglich damit beschäftigt, sich auf der Straße herumzutreiben und irgendwie die Mahlzeit für den Abend heranzuschaffen. Es ist große Not, die hier gezeigt wird, doch auch dieses grenzenlose Glück und die pure Freude am Leben, wie sie nur Kinder in sich tragen, ist bezaubernd. Als die beiden Jungen nach getaner Arbeit zu Hause ankommen mit zwei Milchtüten – der ganze Lohn für die harte Arbeit – ist man schon recht früh den Tränen nahe. Was die beiden Jungen hier schauspielerisch auf die Bühne bringen, ist sensationell, rührend, hinreisend!

Verloren
Eines Tages überredet der kleine Saroo seinen großen Bruder, ihn zur Nachtarbeit mitzunehmen. Dieser willigt irgendwann ein und nimmt ihn mit, um des Nachts auf einem verlassenen Bahnhof nach verlorenem Geld und Essbarem zu suchen. Als Saroo, von Müdigkeit gepackt, auf einer Bank einschläft, bittet ihn Guddu, auf ihn zu warten. Mitten in der Nacht wacht nun Saroo auf, von seinem Bruder keine Spur. Der Bahnhof ist menschenleer, freilaufende Hunde streunern herum. Saroo hat große Angst und macht sich auf die Suche nach seinem Bruder. Als er sich in einen Zug begibt, um dort weiter zu suchen, schläft er ein. Am nächsten Tag befindet er sich in einem fahrenden Zug, der nirgendwo anhält und aus dem es kein Entrinnen gibt. Der Zug ist menschenleer und verschlossen auf dem Weg ins 1.600 Kilometer entfernte Kalkutta, ohne Zwischenstopp. Dem Jungen bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis der Zug endlich anhält.

Erwachen in Australien
Saroo ist verloren! Nur Hindi sprechend, kann er sich in Kalkutta, wo nur Bengali gesprochen wird, nicht verständlich machen. Verschmutzt wie er aussieht, halten ihn alle für einen Straßenjungen. Niemand hilft ihm, er weiß nicht, wo er ist und kennt noch nicht einmal den Namen seines Heimatortes. Niedergeschlagen schließt er sich einer Bande junger Straßenkinder an und schlägt sich durch die grauenhaften Nächte Kalkuttas, die für Straßenkinder wie ihn die Hölle sind. Menschenhändler und noch viel  Schlimmeres treiben sich herum, um Kinder einzufangen wie Tiere. Das Schicksal will es, dass er letztlich doch in vertrauensvolle Hände fällt und letztlich in die Obhut von australischen Adoptiveltern gerät.

Suche nach der verlorenen Kindheit
Als Erwachsener ist Saroo ein waschechter Australier. Nichts Indisches ist mehr da in ihm außer sein Aussehen. Seine Adoptiveltern Sue (Nicole Kidman) und John (David Wenham) kümmern sich herzlich um ihn und beobachten, wie aus ihm ein lebensbejahender, erfolgreicher junger Mann wird. Doch eines Abends auf einer Party mit seiner Freundin Lucy (Rooney Mara) bekommt Saroo, durch indisches Essen verursacht, einen Flashback zurück in seine Kindheit. Von nun an macht sich immer mehr das Gefühl in ihm breit, dass es einmal ein anderes Laben gab, vor langer, langer Zeit. Als dieses Gefühl ihn nicht mehr loslässt, zieht er sich aus seinem Alltagsleben zurück und widmet sich der Suche nach seiner wahren Herkunft. Es beginnt eine Suche im riesigen Indien nach seinem Dorf, aus dem er stammt und dessen Namen er nicht kennt. Eine rastlose Suche in dem Scherbenhaufen der Erinnerungen beginnt. Aufgrund der Tatsache, das in Indien jedes Jahr fast 100.000 Kinder verschwinden, handelt es sich bei dem Thema um ein außerordentlich wichtiges und aktuelles. Ein absolutes Must-See schon allein deshalb, um die schauspielerische Leistung zweier Kinder zu bestaunen! Die Taschentücher nicht vergessen!

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