Weißes Fahrrad Berlin

Berlin wird zur Fahrradstadt

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Wer einmal in Kopenhagen war, der weiß, dass es möglich ist, dass das Fahrrad dominierendes Vehikel im Straßenverkehr sein kann. In der dänischen Hauptstadt sind ‚alle‘ auf Pedalen unterwegs, vom einfachen Bauarbeiter bis zum Manager. Schön, dass diese Message bei uns angekommen ist – wurde auch Zeit!

Weiße Fahrräder
Komplett weiß lackierte Fahrräder wie dieses hier hat man schon oft gesehen in Berlin. Dieses steht auf einer Verkehrsinsel an der Kreuzung Gneisenaustraße Ecke Mehringdamm. Das Fahrrad ist komplett weiß, die Griffe, die Speichen, der Rahmen, alles! Davor stehen Kerzen, liegen Blumen. Hier ist ein Radfahrer gestorben. Die Kreuzung ist wie viele andere unübersichtlich. Als Radfahrer hier selbst bei Grün auf sein Recht zu beruhen, kann schnell tragisch enden. Und das tat es hier leider, genauso wie andernorts. 16 Weiße Fahrräder wurden an anderen Stellen der Stadt allein im Jahr 2016 aufgestellt, und das ist zu viel. Jedes einzelne ist eines zu viel. Kopenhagen hatte im gleichen Zeitraum – Zero, null! Was ist da los? Krieg möchte man es vielleicht nicht nennen, aber es geht sicher in diese Richtung. Die Fronten sind verhärtet, schon seit langem. An machen Kreuzungen sind morgens um halb neun mehr Fahrräder unterwegs als an ähnlicher Stelle in Peking, der ‚Nine Million Bicycle City‘. Das macht richtig Spaß, als Radfahrer versteht sich. Kurz, es wird hier immer mehr Rad gefahren, und das geht auf Kosten des Verkehrsraums von Autofahrern, die einfach nicht einsehen wollen, hier auch nur einen Meter ‚ihrer‘ Straße abzugeben.

Weißes Fahrrad Berlin
An dieser Stelle starb ein Fahrradfahrer, was das weiße Fahrrad anmahnt. Bil: Ma San

Man schenkt sich hier nichts. Autofahrer lieben es, auf Fahrradwegen zu parken, was die Biker um Ausscheren auf die Straße zwingt – Danger! Selbst beim Abbiegen lieben es die Autofahrer, den Radweg zu blockieren, um auf alle Fälle vor dem Radfahrer rechts abzubiegen. Dass man sich das nicht mehr länger gefallen lässt, also auf Fahrradfahrer-Seite, wird seid einiger Zeit mit wehenden Fahnen durch die Stadt getragen. Da ist die Critical Mass zu Beispiel, eine monatliche Fahrraddemo, bei der zigtausende Fahrradfahrer in einem Zug, dicht an dicht, durch die Stadt fahren und dabei jeglichen Autoverkehr lahmlegen, um damit zu sagen: „Wir sind hier und Verkehrsteilnehmer wie ihr. Und wenn ihr uns unseren Teil der Straße nicht gebt, dann nehmen wir ihn uns!“ Straßen wie am Nollendorfplatz in Schöneberg wurden Begegnungszonen und Straßen wie die Bergmannstraße plötzlich Fahrradstraßen. Selbst der Letzte muss mittlerweile gemerkt haben – Berlin wird Fahrradstadt.

Berlin wird Fahrradstadt – endlich!
Und genau das ist nun auch offiziell. Denn in Berlin wurde gerade das erste Radgesetz Deutschlands beschlossen. Und man lässt es gleich richtig krachen! Die Radinfrastruktur wird mit sukzessive ansteigenden Investitionen ausgebaut, über 50 Millionen Euro bereits im Jahr 2019. Hunderttausend zusätzliche Abstellmöglichkeiten werden gebaut sowie über 100 Kilometer mehrspurige Fahrradschnellwege. Das erinnert einmal mehr an Kopenhagen, wo auf sogenannten ‚Superstets‘, Fahrradautobahnen, Fahrradfahrer von den Vorstädten bis nach Kopenhagen fahren. Auf perfekt asphaltierten Strecken, getrennt vom Autoverkehr. Selbst die Ampeln werden nach dem Fahrradaufkommen getaktet. Auch in Berlin wird das so sein. Hauptverbindungen werden vorrangig behandelt, das heißt hier wird das Fahrrad bevorzugt, das Auto wartet. Geschützt von den Autos, erhalten auch die großen Hautverkehrsstraßen einen vom Autoverkehr geschützten Radweg. Zum Beispiel an der Skalitzer Straße, der Horror eines jeden Fahrradfahrers. Bei einer Fahrt von Friedrichshain nach Kreuzberg muss man sich in der Regel vorher schon mal bekreuzigen, weil das Überleben unklar ist. Ähnliches ist auf der Frankfurter Allee geplant, wo man verschiedene Varianten ausprobieren möchte. Bisher haben nur etwa 50% der Hauptstraßen in Berlin überhaupt Radwege und der Radverkehr fand stets auf einer Ebene mit dem Autoverkehr statt. Das ändert sich jetzt, was gut ist. Die Straße des 17. Juni ist ein gutes Beispiel, wo die Radspur deutlich höher gesetzt ist. Die Grenzen sind klar, für beide Seiten, so muss es sein! Es geht hier um Sicherheit, und viel mehr um das Gefühl, sich sicher zu fühlen im Straßenverkehr.

Fahrrad

Große Ziele
Im Herbst wird das Gesetz verabschiedet und bis dahin wird noch viel debattiert werden um knapp hundert Themen. Nicht nur die Politik ist daran beteiligt, sondern auch Initiativen, die bis zuletzt hart gekämpft haben. Bis zum Jahr 2025 soll ein Drittel aller zurückgelegten Wege mit dem Rad bewältigt werden, 33% also statt bisher knapp 10, wow! Die derzeit alle Straßen bevölkernden, qualmenden Staus werden der Vergangenheit angehören. Berlin hat sich entschieden, zugunsten des Fahrrads. Das ist fantastisch und bringt letztlich jedem Bewohner dieser Stadt mehr Lebensqualität. Beispiele Kopenhagen zeigen, dass diese Idee von Stadt ganz hervorragend angenommen wird.

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