Phillip P. Peterson: Paradox – am Abgrund der Ewigkeit (Buchrezension)

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Als ich neulich die letzte Seite dieses wahnsinnig guten Buches umschlug, saß ich wohl in etwa genauso da wie damals nach der Lektüre von Matrix. Meine Gedanken waren ungefähr: „What the Fuck! Kann das wirklich sein? Kann es! Fuck!“ Was ich da gelesen habe, ist viel mehr als bloße Science-Fiction, nämlich eine ungeheuerliche Vision eines verdammt guten Autors, die uns vor Augen führt, wie klein und sensibel unsere Erde ist und wie wenig wir wissen über das große, weite All. Phillip P. Peterson ist Ingenieur für Satellitenprogramme, und das merkt man bei jeder einzelnen Seite. Die Geschichte dreht sich um einen jungen Wissenschaftler, der den interstellaren Raum untersucht und im Speziellen das Verschwinden zweier Raumsonden am Rande des Sonnensystems. Irgendwas, so denkt er, stimmt da nicht. Dieser Meinung ist auch ein gewisser Herr Wyman, ein Milliardär, der eine bemannte Mission dorthin plant. Ein Must-Read nicht nur für Science-Fiction Fans!

Die Erde aus der Sicht des Weltraums
„Alle Menschen, die es gibt, sind auf dieser kleinen Kugel, die einsam ihre Bahnen inmitten des Alls zieht wie eine Insel des Lichts in einem Ozean der Finsternis.“ Bild: Aynur Zakirov, Pixabay

Mysteriöses Verschwinden
Wie die Voyager 1 verschwand auch die Voyager 2 am Rande des Sonnensystems vom Radar. Was seine Kollegen als Zufall abtun, ist für Wissenschaftler David rätselhaft. Irgend etwas stimmt da nicht! Als er von der NASA zum Privatkonzern CENTAURI wechselt, wird es von dessen Inhaber, einem Milliardär namens Wymann, den Peterson von TESLA-Chef Musk ableitete, ins Büro zitiert. Dieser setzt ihn in Kenntnis, dass auch eine CENTAURI-Sonde in ähnlicher Position wie die Voyager Sonden verschwunden sei. Zudem habe diese kurz vor ihrem Verschwinden ein exakt kreisrundes Objekt in einer exakt kreisrunden Umlaufbahn um die Sonne entdeckt. Nun plane man eine bemannte Mission, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dem verdutzten David erwidert Wyman, man habe einen Antimaterieantrieb entwickelt und könne den Weg bis an den Rand des Sonnensystems in sechs Monaten zurücklegen.

Die Welt der Astronauten
Es beginnt ein Streifzug durch die Welt der NASA und Centauri, die Peterson so glaubhaft zum Leben erweckt, wie es nur jemand vermag, der dort tatsächlich gearbeitet hat. Die hemdsärmelige Art der Astronauten zum Beispiel, die etwas unbeholfene Manier eines Wissenschaftlers wie David, und auch das viele Hin und Her der Politik einer Organisation wie der NASA. Zu David gesellen sich der Astronaut Ed, ein draufgängerisches, vorlauter Mann mit viel Erfahrung, der ein sich im Bau befindendes Raumschiff fliegen soll, sowie die Astronautinnen Grace und Wendy. Bei der Zusammenstellung der Crew wird der große Konkurrenzkampf deutlich, der unter Astronauten herrscht und der große Arbeitsdruck, unter dem sie stehen. Sie alle geben ihr Privatleben für die Raumfahrt auf. David ist ein eigenbrödlerischer Einzelgänger, Ed ist dabei, sich von seiner Frau zu trennen, und auch die beiden Kolleginnen zahlen einen hohen privaten Preis für ihren Beruf.

Sternenhimmel
„Unser Raumschiff ist nichts weiter als eine winzige Blase des Lebens in einem unendlich großen Ozean der Dunkelheit.“ Bild: Pexels, Pixabay

Aufbruch ins All
Aus großem politischen Geplänkel, in dem sowohl Ed als auch David ausgetauscht werden sollen, was von Anfang an so geplant war, setzen sich beide Männer jedoch durch Raffinesse durch und bleiben in der Crew. Was nun beginnt, ist ein vor allem für David, der noch nie im All war, eine knallharte Vorbereitung auf die Mission. Mehr soll darüber nicht gesagt sein, doch es kommt, wie es kommen muss. Die vier Astronauten werden mit einer Rakete ins All befördert, begeben sich zu ihrem dort zuvor positionierten Raumschiff und machen sich mit dem Antimaterieantrieb auf den Weg zu dieser rätselhaften Stelle am Rande des Sonnensystems.

Was wartet dort draußen
Von nun an lernen sich die Vier besser kennen und merken sogleich, dass sie so gut wie nichts gemeinsam haben. Für Ed ist die Mission sinnlos. Viel eher hätte man zum Mond fliegen sollen, oder zum Mars. Was erwarte man denn zu finden dort draußen im Nichts? Ähnlich sieht das auch Wendy. Der Mensch sei viel zu aggressiv und solle erst mal seine Probleme in den Griff bekommen, bevor er Chaos und Tod ins All aussähe. Für David ist die Sachlage eine ganz andere. Das wird deutlich, als Ed bei ihm im Labor vorbeischaut. David sitzt gerade vor seinem Monitor, auf dem verschiedene Kurven abgebildet sind. Was das sei, fragt ihn Ed. David erläutert ihm, dass die Kurven für das Wirken der Menschen auf der Erde ständen. Jede Kurve repräsentiere Abfallprodukte unserer Gesellschaft wie FCKW oder Methan, die sich als Radiosignale in Lichtgeschwindigkeit ins All ausbreiten würden. Mit einem Knopfdruck und simpler Technik könnte so eine außerirdische Zivilisation von Lichtjahren Entfernung feststellen, dass es auf der Erde Leben gebe. „Also haben wir die Erde in einen interstellaren Leuchtturm verwandet!“, entgegnet Ed. David redet weiter und erläutert ihm das sogenannte Fermi-Paradoxon. Demnach gebe es die Menschheit nämlich nur denkbar kurz, nämlich seit hunderttausend Jahren, die Erde dagegen aber schon fünf Milliarden Jahre. Das bedeute, dass eine außerirdische Kultur, sollte es sie geben, mit größter Wahrscheinlichkeit viel älter sein als die Menschheit. Vielleicht Millionen, gar Milliarden Jahre älter. Gebe es nun tatsächlich eine außerirdische, raumfahrende Kultur da draußen, dann müsste diese bereits die gesamte Galaxis besiedelt haben. Denn dies sei nach Schätzungen selbst ohne Lichtgeschwindigkeit in zehn Millionen Jahren möglich.

Person, die Sterne beobachtet
„Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber sie darf nicht für immer in ihrer Wiege bleiben!“ Bild: Ponciano, Pixabay

Davids Theorien
Als Ed daraufhin erwidert, dass es wohl keine Außerirdischen gebe, verneint David. Dass man alleine im All sei, halte er bei der Vielzahl erdähnlicher Planeten für unwahrscheinlich. Er redet davon, dass fremde Völker einfach kein Interesse an einer Ausbreitung haben könnten, dass die Evolution dies nur selten zulasse oder sich diese durch Technik wie die Nukleartechnik Zivilisationen an einem bestimmten Punkt ihrer Entwicklung selbst auslöschen würden. Und dann erwähnt er noch die Zoo-Hypothese, nach der die Außerirdischen längst da seien und uns wie in einer Art Tiergehege, der Erde, halten und studieren würden. Währenddessen nähern sich die Astronauten der Stelle des Verschwindens der Sonden und dem mysteriösen, runden Objekt. Als sie dieses erreichen, wird für die Vier nichts mehr so sein, wie es war.

Fazit
Wie von Charakter David im Buch bei einer seiner Unterredungen mit Ed deutlich wird, stellen wir uns eine außerirdische Zivilisation oft zu banal vor, vielleicht wie bei Independence Day. Und genau das ist das Interessante an der Ansicht des Wissenschaftlers David. Was ist, wenn eine Zivilisation Millionen oder Milliarden Jahre älter ist? Tatsache ist, man kann es sich nicht vorstellen. Sicher ist, dass diese ganz sicher nicht mit irgendwelchen Laserstrahlern hier auftauchen würden, sondern viel weiter fortgeschritten seien in einer Art und Weise, wie wir es uns niemals vorstellen können wenn man bedenkt, dass es die Menschheit in knapp hunderttausend Jahren vom Steinwerkzeug zur Raumfahrt gebracht haben. Für mich als Leser war dies ein wirklich neuer Ansatz, darüber nachzudenken, was dieses unendliche Weltall um uns herum bedeuten kann. Kann es sein, dass wir allein sind da draußen, wohl kaum! Doch wenn nicht, wo sind die anderen? Kann der Mensch ein interstellares Virus sein, ? Phillip P. Peterson lässt uns mit vielen Fragen zurück und der traurigen Wahrheit, dass die Menschheit viel zu wenig dafür tut, herauszufinden, was da draußen vor sich geht. Gerne möchte ich diesen Text mit einer Passage aus dem Buch enden lassen, einem Zitat des Raumfahrers Ziolkowski: „Die Erde ist die Wiege der Menschheit, aber sie darf nicht für immer in ihrer Wiege bleiben!“

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