Let’s talk about Architecture – der Barcelona Pavillon von Mies van der Rohe

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Barcelona. Nahe des Montjuics, des sogenannten olympischen Berges, auf dem der Königspalast thront, steht eines der bemerkenswertesten Gebäude der Stadt – der deutsche Pavillon der Weltausstellung von 1929, gebaut von Ludwig Mies van der Rohe.

Der kurze prägnante Satz „Less is more!“ stammt aus seinem Munde und wird von jedem Architektur-Professor der Welt im ersten Semester mit Stolz verlautet. „Weniger ist mehr!“ Was meint Mies van der Rohe damit? Nun – einige der Prinzipien Van der Rohes waren radikale Einfachheit, eine genaue Ausarbeitung von Details und eine Liebe für noble Materialien. Es gibt wenige, die sich mit ihren Entwürfen in einer ähnlichen Intensität auseinandergesetzt haben wie Ludwig Mies van der Rohe. Werfen wir einen Blick auf das Gebäude!

Außenansicht des Barcelona Pavillons von Mies van der Rohe in Barcelona
Bild: MaSan (Martin Seibel)
Außenansicht des Barcelona Pavillons von Mies van der Rohe in Barcelona
Bild: MaSan (Martin Seibel)

Die tragende Außenwand verschwindet
Was fällt dir auf, wenn du dir das Gebäude ansiehst? Wenn ich dir sagen würde, dass eine der radikalsten Ideen der Architekturgeschichte in diesem Gebäude steckt, was würdest du sagen? Also – sieh dir die Außenwände an. „Welche Außenwände,“ fragst du dich jetzt sicherlich, und du hast recht. Es gibt keine. Und genau das das wesentlichste Merkmal der Architekturmoderne, also der Architektur des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Tragende Außenwände wurden abgelöst durch ein Stützenraster (für Mies van der Rohe wurden diese wie bei diesem Gebäude in Kreuzform ausgeführt und sind sehr filigran), auf dem das Dach ruht, welches über dem Gebäude schwebt, wie die Architekten so gerne sagen. Das Dach ruht also auf Stützen und nicht wie mehrere tausend Jahre lang zuvor auf der Außenwand. Daraus resultiert eine völlige Gestaltungsfreiheit des Raumes. „What the Fuck?“ Okay, ich sage dir, was das bedeutet. Das bedeutet, dass der Architekt in der Grundrissgestaltung völlig frei ist. Er kann die Außenwände und Innenwände, die ihre tragende Funktion ja verloren haben, dort platzieren, wo er will. Denke doch nur mal an ein herkömmliches Gebäude, zum Beispiel jenes deiner Eltern. Dort werden innen liegende tragende Wände verbaut mir der Folge, dass im darüber liegenden Geschoss eine Wand auf die gleiche Stelle gesetzt werden muss. Tragende Wände verhindern also eine freie Grundrissgestaltung!

Außenansicht des Barcelona Pavillons von Mies van der Rohe in Barcelona
Bild: Ma San (Martin Seibel)

Freie Grundrisse
Mies Van der Rohe gliedert nun den Raum mittels Wandscheiben, die er auf eine Art und Weise ineinander schiebt, dass nicht mehr ganz klar ist, wo der Außenraum eigentlich aufhört und der Innenraum beginnt. Das war zu Beginn des letzten Jahrhunderts absolut neuartig und radikal. Kein Wunder, dass der Pavillon nichts weniger als die Weimarer Republik repräsentieren sollte und mit ihr die Schaffenskraft des deutschen Handwerks. Die Prinzipien Van der Rohes werden jedoch am deutlichsten, wenn man einen Blick in den Innenraum wirft. Schau genau hin, was siehst du? Was ist anders als bei der Architektur, die du sonst so kennst?

Außenansicht des Barcelona Pavillons von Mies van der Rohe in Barcelona
Bild: Ma San (Martin Seibel)

Außenansicht des Barcelona Pavillons von Mies van der Rohe in BarcelonaInnen wir Außen, Außen word innen

Fließende Räume
Durch die freie Grundrissgestaltung und die nicht mehr benötigte tragende Fassade verschmilzt Van der Rohe den Außen- mit dem Innenraum. Das Glas, vom Fußboden bis an die Decke gezogen, erweckt den Eindruck, im Freien zu sitzen. Es wird ein fließender Übergang geschaffen. Unterstützt wird dies in der gleichen Materialwahl des Bodenbelages außen und innen und gleicher Materialbeschaffenheit der Decke, innen und außen.

What else
Das schicke Möbelstück, das du siehst, ist nichts weniger als der berühmte Barcelona-Stuhl, designt von Van der Rohe höchstpersönlich. Gestaltet hat er die Möbel für das spanische Königspaar, das den Pavillon besichtigte. Was noch auffällt, sind hochwertige Wandmaterialien, unter anderem Marmor und Travertin. Typisch für Van der Rohe, hebt ihn das von seinen berühmten Mitstreitern wie Le Corbusier ab (das ist „The Man“ der Zeit überhaupt), der solche Flächen eher in Sichtbeton gestaltet hätte aufgrund des Prinzips der Materialehrlichkeit. Auch die Wasserbecken unterstützen die Formensprache des Architekten, indem Sie den flachen Bau reflektieren und dadurch höher wirken lassen. Ein Mittel, auf das berühmte zeitgenössische Architekten wie Tadao Ando häufig zurückgreifen.

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MaSan
Ma San
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