Timothy Ferris: Die 4-Stunden Woche (Buchrezension, Teil II)

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„Es ist besser, wenn ein Mann in Freiheit fehlgeht, als wenn er in Ketten Recht hat!“ Thomas H. Huxley. Dies ist der zweite Teil der Buchrezension über die Bibel für digitale Nomaden, Timothy Ferriss‘ Bestseller ‚Die 4 Stunden Woche‘. Hier gehts zum ersten Teil.

Welche Dinge in unserem Alltag würden nur wenig zu unserem Erfolg beitragen, welche dagegen viel. Im Kundengeschäft ginge es zum Beispiel darum, sich um die 20% der besten Kunden zu kümmern, die 80% des Umsatzes ausmachen. Auf diese solle man sich konzentrieren statt auf die übrigen 80% der Kunden, die lediglich 20% des Umsatzes und ein Haufen Arbeit verursachen. Damit könne man jede Menge Zeit sparen. Bloße Geschäftigkeit sei nichts weiter als wahlloses Handeln, in Arbeit zu versinken „so unproduktiv, wie gar nichts zu tun.“ Gezielt handeln, statt Papier hin und her zu schieben so zu tun als ob, lautet also die Devise. Einmal mehr fragt bzw. berät Ferriss den Leser: Mit welchen Dingen verbringst du deine Zeit, damit du dich produktiv fühlst? Bei jeder Tätigkeit solle man sich die Frage stellen, ob man mit dem Tag zufrieden sei, wenn man nur das mache. Maximal zwei wichtige Dinge am Tag solle man erledigen, kein Multitasking betreiben und konzentriert eine Sache zu Ende bringen. In gar keinem Fall solle man sich unterbrechen lassen, da die Aufnahme des roten Fadens jeweils viel Zeit brauche. Lösungen vorzuschlagen statt zu fragen solle ein Credo sein. E-Mails solle man nur zwei Mal am Tag beantworten, genauso wie Anrufe, und Meetings vermeiden (da völlig sinnlos). Stets bis 11 Uhr alles Wichtige erledigt zu haben, sei eine weitere wichtige Leitlinie. Aufgaben könne man sammeln und dann auf einmal erledigen. Kollegen könne man zu autonomen Handeln befugen. Es ginge darum, sich langsam abzuseilen, nicht härter zu arbeiten, sondern schlauer, um letztlich in 20% der Zeit 80% des Umsatzes zu erwirtschaften. Good Bye 8 Stunden Tag, Go Fuck Yourself!

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Arbeite nicht härter, sondern schlauer und dafür viel, viel weniger. Bild: Unsplash, pixabay

Automation
Um Zeit zu sparen, bringt Ferriss ein extremes Beispiel von A.J. Jacobs aus „Britanica & ich.“ Die indische Firma Brickwork in Indien bietet den Service von sogenannten Remote Executive Assistants an, so auch die Firma Your Man in India (YMII). Dahinter stecken virtuelle Assistenten, an die man vielerlei Dinge aus seinem Leben und beruflichen Alltag outsourcen kann. Assistenten helfen für 4 bis 15 Dollar pro Stunde bei vielerlei Aufgaben, recherchieren zum Beispiel nach Themen, erstellen Excel-Listen oder erstellen die kompletten Bewerbungen bei der Jobsuche. Alles ist möglich. Da das Ganze sogar zeitversetzt läuft, erspare man sich doppelt Zeit. Was man abends an einen Assistenten in China rausgebe, sei pünktlich nach dem Aufstehen im Postfach. Ferriss empfiehlt jedem, einen Virtuellen Assistenten, kurz VA, zu beauftragen. Dies helfe dabei zu lernen, Arbeiten zu delegieren, selbst Chef zu sein. Andere anleiten statt selbst angeleitet zu werden, lautet die Devise, um sich wichtigeren Dingen zu widmen. Zu teuer? Keinesfalls! Bezahle man einen Topassistenten für das Erledigen einer Aufgabe für einen ganzen Tag, bezahle man im Worst Case (meistens schaffen diese es schneller) 240 Euro. Wenn man selbst zum Beispiel im Angestelltenverhältnis 200 Euro verdiene, koste das Ganze nur 40 Euro. Und dafür habe man einen ganzen Tag frei, für lausige 40 Euronen. Ist das nun ein zweifelhaftes Unterfangen? Gemäß Ferriss nutze die Industrie VA’s für unzählige Arbeiten und mache Millionengewinne nur dadurch. Warum solle man als Kleinunternehmer oder sogar Angestellter diesen Vorteil nicht nutzen? Politisch unkorrekt? Also wirklich, schau mal auf das Etikett deines Pullovers und sieh nach, wo der herkommt! Es geht darum, ein freier Mensch zu werden. Wenn du das geschafft hast, kannst du dich für die Rettung der Pinguine einsetzen (die letzten Sätze stammen jetzt nicht von Ferriss (-: ).

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Sein dein eigener Chef, sei frei! Bild: Unsplash, pixabay

Du brauchst ein Produkt
Nachdem man definiert habe, was man gerne tue und worin man gut sei, die unnötigen Dinge eliminiert und gelernt habe, zu delegieren, ginge es nun darum, sein Geschäftsmodell auf den Markt zu bringen und alle technischen Raffinessen zu nutzen. Ferriss bringt ein Beispiel. Ein Mann namens Doug habe die Seite prosoundeffects.com entwickelt, wo man sich nach Lust und Laune Soundeffekte einkaufen könne. Das Produkt sei aber keinesfalls von Doug selbst, er böte dieses nur an, habe also keinerlei Inventar. Funktionieren würde dies über pay per click Werbung auf Yahoo, bestellen könne man dann auf seiner Website. Die Lieferung erfolge am Ende vom eigentlichen Hersteller der Sound-CD’s, nicht von Doug. Doch wie finde ich nun mein Produkt, das ist die Königsdisziplin. Letztlich gehe es darum, das zu tun, was man am liebsten tue. Ferriss selbst zum Beispiel verkauft ein Nahrungsergänzungsmittel mit dem Namen BrainQuicken. Darauf gekommen ist er, weil er selbst Sportler ist. In was, fragt Ferriss den Leser, bist du gut, wo liegt deine Kompetenz und was machst du gerne? Einen kreativen Blick auf den Lebenslauf zu werfen könne helfen.

Nun müsse man sich eine Nische suchen, einen Markt, und seine Kunden definieren. Man solle selbst Teil der Zielgruppe sein. Anschließend könne man das Produkt entwickeln. Nützlich seien auch Zeitschriften, in denen man aufgrund Daten über die Leserschaft Produktideen finden könne. Ein perfektes Produkt koste 50 bis 200 Dollar und werfe den 8 bis 10-fachen Gewinn ab. Den hohen Preis solle man rechtfertigen und keinesfalls auf den Billigzug aufspringen. Man könne auch ein vorhandenes Produkt unter eigenem Label verkaufen oder als Experte Informationsprodukte verkaufen. Doch was ist ein Experte? Drei Bestseller solle man über ein Thema lesen, so Ferriss, und schon sei man Experte und wisse mehr über ein Thema als die meisten anderen. Damit könne man Content erschaffen und diesen für Geld wiederum anderen beibringen oder Fachartikel für spezielle Magazine schreiben. Bevor man sich Hals über Kopf in ein Business werfe, gelte es, das Produkt vorab zu überprüfen. Dies sein mit pay per click Werbung möglich, mit Google Adwords Kampagnen oder durch das Einstellen des Artikels in ebay zum Herausfinden des Marktpreises. Den idealen Namen für das Produkt solle man sorgfältig über das Google keyword tool herausfinden. Gehe man mit dem Produkt an den Markt, solle man zwei Varianten zu zwei Preisen anbieten.

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„Ich glaube, dass das Leben existiert, damit man es genießt.“ Timothy Ferriss. Bild: Unsplash, pixabay

Raus aus dem Angestellten-Dasein.
„Wenn Sie getreulich acht Stunden am Tag arbeiten, werden sie vielleicht irgendwann zum Chef und dürfen täglich 12 Stunden arbeiten“, wird Robert Forst zitiert. Trotzdem gebe es Hoffnung für die Lohnarbeiter da draußen. Nämlich sich schnellstmöglich mit einer Homeoffice bzw. Telearbeitsvereinbarung zu verdrücken. Lasse sich der Chef nicht darauf ein, helfe nur die Kündigung. „Dieser Job wird Ihnen niemals die freie Zeiteinteilung erlauben, die sie sich wünschen.“ Eine Kündigung bzw. entlassen zu werden, so Ferriss, sei ein Glücksfall, der einem davor bewahre, im falschen Job hängen zu bleiben und wie Abermillionen Menschen über Jahrzehnte hinweg einen langsamen geistigen Tod zu sterben. Man solle die Dinge loslassen, die nicht funktionieren, den Sprung wagen. Natürlich stände man dann erst einmal im Nichts. Im Regen, wenn man so will. Nun gelte es, die Ängste zu verarbeiten, die Ausgaben zurückzufahren und von Reserven zu leben, fürs Erste versteht sich. Wolle man irgendwann zurück in die Lohnsklaverei, könne man Lücken im Lebenslauf problemlos verschleiern.

Zu guter Letzt
Dem ein oder anderen Leser kommt das jetzt vielleicht vor wie ein Wegweiser ins Hippie-Leben, ist es aber nicht. Denn worum es nicht geht, ist freie Zeit. Es geht darum, „mehr zu leben und mehr zu sein.“ Klar seien da diese Stimmen, die sagen, „du hast es nicht gepackt“, „du bist nicht gut genug.“ Doch das seinen nüchtern betrachtet Rufe aus einer „mehr ist besser“ oder „Geld bedeutet Erfolg“ Mentalität. Aber nein! Das Leben fände außerhalb des Bankkontos statt. Wende deine Gedanken dem Inneren zu, schreibt Ferriss, setze dir ambitionierte Ziele, engagiere dich für andere, lerne und diene kontinuierlich und kümmere dich nicht darum, was andere über dich denken. Denn das ist es, was das Leben bedeutet. „Leben heißt lernen. Ich sehe keine andere Möglichkeit. Das ist wohl auch der Grund, warum ich die meisten meiner Jobs innerhalb der ersten sechs Monate wieder hingeschmissen habe oder selbst hinausgeworfen wurde. Die Lernkurve flachte ab und ich fing an, mich zu langweilen.“ Man solle sich die Zeit nehmen, schreibt Feriss, um etwas zu finden, das einen erfüllt, sich über die Dinge klar werden. Was macht dich glücklich, was begeistert dich, worin bist du gut, was gibt dir Selbstwertgefühl? Und wie könne man andere daran teilhaben lassen?

Fazit
Die 4 Stunden Woche gilt als Must-Read für zukünftige Entrepreneure. Ich muss sagen, dass sich das immerhin 300 Seiten zählende Werk runter liest wie nichts. Ich konnte das Buch kaum weglegen, was aber nicht nur an der Thematik, sondern am ungemein lustigen Erzählstil des Auors liegt. Einmal musste ich mich in der vollen U-Bahn halb totlachen, im Ernst! Was gibt es noch zu sagen? Nun, das Buch bietet wirklich handfeste Tipps, die man praktisch anwenden kann und ist darüber hinaus überaus motivierend. Nach der Lektüre möchte man am liebsten gestern statt heute die Kündigung einreichen und ein Kleinunternehmen anmelden. Ich finde, die 4 Stunden Woche schließt eine Lücke im großen Vakuum, in dem sich zukünftige Entrepreneure bewegen müssen, und gibt einem eine gehörige Portion Selbstvertrauen mit auf den Weg. Man sollte das Buch mit anderen kombinieren wie beispielsweise Günter Faltins ‚Kopf schlägt Kapital‘, das viel mehr ins Detail geht, aber halt eben nicht halb so genial und nun mal überhaupt nicht lustig ist. Von mir gibt es, na wie sagt man da, viereinhalb von fünf Sternen.

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MaSan
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2 Gedanken zu „Timothy Ferris: Die 4-Stunden Woche (Buchrezension, Teil II)

  1. Hallo Ma San,

    das war eines meiner ersten Bücher, die ich schon wegen des provokanten Titels gekauft habe. Das ganze Thema rund um das Thema ortsunabhängig Arbeiten beobachte ich so seit zwei Jahren. Noch arbeite ich mich ein. Man kann viel lernen und wenn später auch nur ein kleines Nebeneinkommen dabei herauskommt.

    Liebe Grüße
    Renate

  2. Hallo Renate,
    ich danke dir herzlich, dass du dir die Zeit genommen hast, meinen Arrtikel zu lesen. Ich bin auf Umwegen auf das Buch gestoßen, weil mir eine Freundin das Buch THE BIG FIVE FOR LIFE geschenkt hat. Danach habe ich gedacht: „Wow, es gibt tatsächlich Leute da draußen, die so denken wie ich, die im Büro sitzen Tag für Tag und irgendwann aufwachen und sagen, keinen Tag länger!“ Ich denke, ich muss mein Leben ändern und Dinge tun, die mich erfüllen. So war es auch nicht weit zu dem Buch von Tim Chimoy „Handbuch zum ortsunabhängigen Arbeiten“. Durch dieses Buch habe ich tatsächlich Initiative ergriffen und betreibe mein eigenes kleines Business, zumindest läuft das gerade an. Und durch dieses Buch wiederum bin ich auf Timothy Ferriss gestoßen und auf Günter Faltins Buch „Kopf schlägt Kapital“. Nach der ganzen Lektüre bin ich davon überzeugt, dass ein 9 to 5 Job eine eklatante Verschwendung von Lebenszeit darstellt. Denn Zeit, das habe ich mitlerweile gelernt, ist das wertvollste Kapital im Leben. Velleicht hast du Lust, meinen Artikel „Gedanken am Schreibtisch“ zu lesen. Das ist eine Kurzgeschichte, die ich geschrieben habe aufgrund der Tatsache, dass Arbeitnehmer durchschnittlich 3 bis 4 Stunden täglich nicht arbeiten. Oh Mann, ich schweife mal wieder völlig aus, sorry und nochmals vielen Dank!

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