Timothy Ferris: Die 4-Stunden Woche (Buchrezension, Teil I)

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„Die Welt ist viel zu schön, um den Großteil seines Lebens in einer Bürozelle zuzubringen!“ Timothy Ferriss.

In letzter Zeit beschäftige ich mich immer mehr mit dem Thema ortsunabhängiges Arbeiten, digitales Nomadentum und Gründung. Über John Strelecky bin ich auf Tim Chimoy gestoßen, auf Günter Faltin, Gary Vaynerchuk und nun Timothy Ferris. Diese Begegnungen haben eine Revolution in mir ausgelöst. Ich bin voller Ideen und setze diese in die Tat um, weil ich durch diese Menschen weiß, dass es geht. Ich weiß nun, dass es möglich ist, sein eigenes Ding zu machen. Nein, nicht nur möglich, sondern unausweichlich. Lohnarbeit, so Ferriss, ist Sklavenarbeit, und ein Absitzen der Lebenszeit im Büro schlichtweg eine Tragödie, die einem ganz sicher Leid tun wird. Dort draußen spielt sich eine Bewegung ab und eine Armee junger Web-affiner Menschen macht sich daran, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die 4-Stundenwoche von Timothy Ferris wird von digitalen Nomaden und Freigeistern als Bibel angesehen. Falls du also im Büro sitzt, gerade sinnlos auf der Maus herumklickst und denkst, „What the fuck, was mache ich hier eigentlich“, dann kaufe dieses Buch und tauche ein in eine neue Welt der Möglichkeiten.

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„Es ist besser, wenn ein Mann in Freiheit fehlgeht, als wenn er in Ketten Recht hat.“ Thomas H. Huxley. Bild: Pixabay

Das Problem
In der Arbeitswelt von heute kursiert die Meinung, dass das Leben hart sein muss. Dass man schuften muss, um Anerkennung zu erlangen. Je mehr Zeit man für eine Arbeit braucht, desto wichtiger erscheint sie, desto mehr Selbstwertgefühl erzeugt sie, und desto mehr Lob bekommt man vom Chef. Doch Einsatz, so Ferris, „ist nichts weiter als eine andere Bezeichnung für sinnlose Arbeit.“ Dass sich Abermillionen Arbeitnehmer tagtäglich tu Tode langweilen, wird einfach ignoriert. Doch, „die Welt ist viel zu schön, um den Großteil seines Lebens in einer Bürozelle zuzubringen.“ Mehr als acht Stunden pro Tag das Gleiche zu tun, bis man irgendwann genug Geld hat, um damit aufzuhören, ist laut Timothy Ferriss geradezu absurd. Die Sache ist die: Die meisten Unternehmer kämen aus einer 8-Stunden Kultur, welche er als kollektive gesellschaftliche Vereinbarung bezeichnet und diese sogleich als Irrtum abtut. „Wie kann es möglich sein, das alle Menschen auf dieser Welt genau 8 Stunden täglich benötigen, um ihre Arbeit zu erledigen?“ Diese allgemeinen Regeln seien nichts weiter als eine Illusion, mehr nicht. Das Fatale daran sei, dass diese zu einer bequemen, gerade noch erträglichen Existenz führen würden. Einen nicht erfüllenden Job 30 oder 40 Jahre lang zu machen, das Leben aus einem jämmerlichen Bürofenster heraus zu beobachten, bis man genug Geld habe, um dies oder das zu tun, sei ein kapitaler Fehler. Wir würden uns nur vorgaukeln, etwas Sinnvolles zu tun, genauso wie alle anderen auch. Träume würden aufgeschoben bis ins Rentenalter, die besten Jahre leichtfertig verschwendet mit einem Job, der einen nicht erfüllt. Dieses Opfer sei durch nichts recht zu fertigen und man solle diesen Status Quo auf gar keinen Fall akzeptieren.

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„Die Welt ist viel zu schön, um den Großteil seines Lebens in einer Bürozelle zuzubringen.“ Timothy Ferriss. Bild: holdosi, pixabay

Erst einmal raus
Habe man das für sich erkannt, sei es an der Zeit zu handeln, auch wenn man es erst einmal mit der Angst zu tun bekomme. Viele würden denken, dass sie nicht in der Lage seien, etwas Großes zu vollbringen. Die meisten Menschen, so Ferriss, seien lieber unglücklich, als Unsicherheit zu riskieren. Doch meistens seien die Risiken gar nicht so schlimm, gar nicht so ernst, wie man es sich einreden würde. Man solle sich fragen, was das Schlimmste sei, was passieren, was schief gehen könne. Letztlich seien die Konsequenzen in der Regel leicht zu reparieren. Im Notfall könne man sich zur Not erst einmal als Barkeeper über Wasser halten. Es gebe überhaupt kein Risiko, zu überleben. Sofort damit aufzuhören, seine Lebenszeit zu verschwenden, sei das Wichtigste, den Absprung zu planen und endlich damit aufzuhören sich weiß zu machen, dass sich mit Geld das Leben irgendwann schon verbessere. Zu wissen, was man nicht mehr will, um nicht mehr zu den lebendigen Toten zu gehören, sei der entscheidende Schritt. Es sei diese kollektive Unsicherheit, aus der man heraustreten müsse.

Handeln
Ferriss zeigt uns nun ein alternatives Lebensmodell auf, dem er und bereits viele andere sogenannte digitale Nomaden folgen. Der Schlüssel dabei ist es, das Einkommen von der Zeit abzukoppeln, dieses zu automatisieren, um dadurch ortsunabhängig arbeiten zu können. Geschäfte könnten so aus der Ferne gesteuert und die nun verfügbare Zeit dafür aufgewendet werden, endlich etwas Sinnvolles zu dieser Welt beizutragen. Statt acht Stunden am Tag Papiere hin und her zu schieben gelte es, die eigenen Optionen zu erkennen und mit geringstmöglichem persönlichen und finanziellen Aufwand seine Brötchen zu verdienen. Loslegen können man sofort und den Kurs auf dem Weg jederzeit korrigieren. Man solle mit seinen Stärken arbeiten, statt Schwächen aufzupolieren, seine besten Waffen noch besser einsetzen. Die finale Messlatte sei dann der relative Stundenlohn, also mit viel weniger Zeit einen höheren Lohn zu erwirtschaften. In diesem ersten Schritt motiviert Ferriss den Leser, für sich die folgenden Fragen zu beantworten. Was begeistert dich? Was hält dich davon ab, dein Wunschleben zu führen? Was opferst du, wenn du so weiter machst? Was ist das Schlimmste, das passieren kann, wenn du deinen derzeitigen Job an den Nagel hängst? Was kannst du tun, um den Schaden zu beheben und wie kannst du eventuell zurückkehren in den alten Job? Bist du unzufrieden, mit dem, was du tust? Welche Ängste schiebst du vor dich hin? Wer willst du gerne sein?

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Wer willst du sein? Bild: Blickpixel, pixabay

Nun gelte es, konkret zu werden, und eigene Träume aufzuschreiben, die man nicht irgendwann, sondern in den nächsten 6 bis 12 Monaten in die Tat umsetzen solle. Die Kosten dafür zu ermitteln gehöre ebenso dazu, denn das nehme die Angst, die Dinge wirklich durchzuziehen. Ferris erwähnt zur Motivation erfolgreiche Beispiele. Den unglücklichen Büroangestellten Hans, den ein Gleitschirmflug dazu inspiriert, seinen Job zu kündigen und der heute Surf- und Abenteuerreisen auf Florianopolis vertreibt. Auch eine französische Familie wird genannt, die 15 Monate lang um die Welt segelt. Mit Kindern versteht sich, die oft als Grund vorgehalten werden, Dinge generell nicht zu tun. Indem die besagte Familie nach der Reise das Boot verkauft und das eigene Haus währenddessen vermietet habe, hätten sich die Kosten auf lediglich 18.000 Dollar belaufen. Das Leben in Frankreich im gleichen Zeitraum wäre um ein Vielfaches teurer gewesen. Heute verdiene die Familie ihr Geld durch Segel-Workshops. Ein Einzelfall? Keinesfalls! Jedes Jahr stechen in Frankreich 300 Familien in See. Was uns der Autor damit sagen will? Dass alles geht, alles möglich ist. Und das, wenn man es wirklich ernst meint, auch Geld nicht das eigentliche Thema ist.

Hinderliches über Board werfen
Während man im Büro am wirkungsvollsten ankäme, einfach mit Akten unter dem Arm herumlaufen und sich ein Handy ans Ohr halten, sei dies nicht das Ziel des digitalen Nomaden oder NR’s. Kurz, Neureichen, wie ihn der Autor nennt. Wie auch immer, weniger zu tun sei der Schlüssel, um mehr zu erreichen. Davon, Zeit abzusitzen, wie es gang und gäbe ist, bzw. von den Zwängen fester Zeiten, müsse man sich befreien. Viel Zeit für etwas aufzubringen mache eine Sache noch lange nicht wichtig. Wichtig sei dagegen, was man tue, und Ferriss beruft sich dabei auf das Pereto-Gesetz oder 80 zu 20 Regel, wie er es nennt. Dabei geht es um die Beseitigung von Überflüssigem und die Tatsache, dass sich vieles auf der Welt in diesem ungleichen Verhältnis bewegt. Zum Beispiel sind oft nur 20% der Produkte eines Unternehmens für 80% der Gewinne verantwortlich (zum Beispiel das IPhone von Apple). 20% der Ursachen sind oft für 80% der Konsequenzen verantwortlich. Damit ist gemeint, seine Stärken zu finden, diese zu multiplizieren und nicht der Arbeit Willen zu arbeiten, also nicht work for work sake.

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MaSan
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