Günter Faltin: Kopf schlägt Kapital (Buchrezension, Teil I)

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Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt, beschäftige ich mich in letzter Zeit vermehrt mit dem Thema ortsunabhängiges Arbeiten. In diesem Zuge habe ich bereits über die Ansätze von John Strelecky und Tim Chimoy berichtet, die radikal dazu plädieren, sich von tot-langweiligen Arbeitsverhältnissen zu trennen und stattdessen das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Unweigerlich stößt man dabei auf Günter Faltin, der mit seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ die These vertritt, dass jeder von uns Entrepreneur werden kann und dass die Chancen dafür noch nie so gut waren wie heute.

Jeder kann ein Unternehmen gründen
Faltin hat ein bestimmtes Unternehmenskonzept Modell der Unternehmensgründung (zu der ich gleich kommen werde) getestet und dessen Funktionieren unter Beweis gestellt. Die Botschaft – jeder kann ein Unternehmen gründen, und viel mehr Menschen sollten das auch tun. Die meisten würden sich die Frage aber erst gar nicht stellen: „Ich Unternehmer, wie soll das gehen?“ Doch, ein Unternehmen zu gründen, so Faltin, habe gegenüber dem Angestellten-Dasei etwas ungleich Bereichernderes. Entrepreneurship sei ein Weg zur Selbstbestimmung und die Umsetzung eigener Ideen noch nie so einfach gewesen wie heute. Warum also nicht den Fesseln der Lohnarbeit entkommen, die er als „leise Krankheit“ bezeichnet. „Unternimm dein Leben selbst“, sagt Faltin, und „lass es nicht von anderen unternehmen.“ Heute gebe es immer weniger attraktive Arbeitsplätze, um die immer mehr Konkurrenz buhlen würde. Die Alternative dazu sei, seine Passion zu finden, seine Selbstfindung voranzutreiben und etwas von Bedeutung zu machen. Gewöhnliche Menschen könnten heute außergewöhnliches Leisten und sollten nicht einfach etwas tun, das sie nicht erfüllt.

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Günter Faltin viel auf, dass in Entwicklungsländern Tee viel Günstiger war als im Westen. Die Teekampagne war geboren. Bild: Unsplash, pixabay

Teekampagne
Dass jeder Mensch mit einer simplen Idee erfolgreich sein kann, belegte Faltin mit der Teekampagne. Mit diesem außerordentlich erfolgreichen Projekt stellte er unter Beweis, dass auch ein kleiner Marktteilnehmer die Vorteile großer Unternehmen für sich nutzen und sich einen Marktvorteil erarbeiten kann. Faltin, obwohl er kein großes Interesse an Tee hatte, fiel auf seinen Reisen in Entwicklungsländern auf, dass Tee dort im Gegensatz zu uns sehr günstig war und fragte sich ganz einfach, weshalb. Der Grund, so würde er bald herausfinden, war der Zwischenhandel. Könnte man diesen eliminieren, indem man das Produkt direkt zum Konsumenten bringe, könne man dieses wesentlich günstiger anbieten und hätte damit einen klaren Marktvorteil. Gesagt, getan. Faltin machte sich an die Arbeit. Er beschränkte sich auf nur eine einzige Teesorte, nämlich Darjeeling, den wertvollsten Tee überhaupt. Grund für diese Beschränkung war die Tatsache, dass man nicht unzählige Teesorten importieren könne, weil sich die Lagerung dadurch als nicht machbar bzw. unrentabel gestalten würde. Deswegen nur eine Sorte Tee, und zwar die Wertvollste am Markt. Von dieser Sorte musste er nun mindestens zwei Tonnen bestellen, weil sich nur so der Import auch rechne, und genau das machte er dann auch, womit der Zwischenhandel entfiel und damit sein Ziel erreicht war. Das war allerdings noch nicht alles.

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Die Erfolg der Teekampagne beruht auf der Eliminierung des Zwischenhandels. Bild: MichaelGaida, pixabay

Den Tee füllte er in Großpackungen ab, da kleine Packungen das Produkt nur unnötig verteuern würden. Das Konzept ging voll auf. Die Teekampagne ist heute das größte Teeversandhaus in Deutschland mit über 200.000 Kunden und gleichzeitig größter Darjeeling-Importeur weltweit. Alles begann also damit, den Preis von Tee zu hinterfragen und damit auch den ganzen Prozess von der Erzeugung bis zum Versand an den Kunden. „Eine lächerlich einfache Idee“, schreibt Faltin. Seine propagierte „Ökonomie der Einfachheit und Vernunft“ überzeugte die Kunden mit einem unschlagbaren Preis und Qualität. Durch das Geld, das man sich durch den Entfall des Zwischenhandels und Marketing sparte, hatte man zudem den Puffer, sich vor Ort für Nachhaltigkeit einzusetzen.

Wie wird man nun Entrepreneur?

Alles beginnt natürlich mit einer Idee. Um diese müsse man, so Faltin, immer wieder beharrlich kreisen, bis man eine bessere Lösung als der Markt habe. Dazu sei jeder Mensch in der Lage und wie mit der Teekampagne bewiesen wurde, handelt es sich dabei nicht um Erfindungen, sondern um die Übertragung bekannter Prinzipien auf ein neues Gebiet. Einfach sei das keinesfalls, sondern ein langwieriger Weg, der unkonventionelles Fragen und viel Gedankenarbeit erfordere. Eine Idee sei natürlich nicht einfach ein spontaner Einfall, kein Brainstorming, sondern ein systematisches Entwickeln, das besagte Kreisen eben. Was ärgert mich an bestehenden Produkten, was fehlt mir oder Freunden, seien Fragen, die man sich stellen sollte, und folglich, könne man das preiswerter anbieten? Die Anfangsidee zu finden, das sei der Schlüssel, und diese müsse zum Gründer passen, ihm Spaß machen. Was ist das Feld, in dem sich man sich engagieren möchte und wie könne man dieses zu seinen Gunsten verändern?

Die Lösung müsse ein gutes und ausgereiftes Konzept sein, das sei der Kern des Entrepreneurship, und doppelt so gut sowie halb zu teuer als der Markt. Die Qualität des Konzeptdesigns, wenn man so will, sei entscheidend, ein klarer Marktvorteil müsse erkennbar sein. Durch Anpassung könne man dieses Ziel nicht erreichen, sondern durch eine neue Sicht auf die Dinge. Wie könne man ein Produkt direkt zum Konsumenten bringen, den Ablauf vereinfachen und altbekanntes neu kombinieren? Den Kopf anzustrengen, sei die Devise, nicht den Geldbeutel. Dieser Prozess erfordere Abstand, einen weiten Blick, den eine Auszeit von der streng zielgerichteten Alltagsarbeit fördere, was aber nichts zu tun hätte mit Zeit vertrödeln. Habe man schließlich ein Konzept, käme es auf drei Prinzipien an. Skalierbarkeit, Einfachheit und ein Minimieren von Risiken. Den Job zu kündigen empfiehlt Faltin jedoch nicht. Auf der sicheren Seite zu sein, sei erst mal gut. Man müsse lange tüfteln, bis das Konzept stimmig sei, und das Kapital niedrig halten. Die Ideenfindung sei durchaus im Angestelltenverhältnis möglich. Bei der Umsetzung und nach dem Proof of Concept sei es dann an der Zeit, adios zu sagen zu der Sklavenarbeit, der man als Angestellter nachgehe.

Was man nicht machen sollte
Faltin bringt das Beispiel einer Restaurantgründung. Für ein solches Vorhaben sei viel Geld notwendig und ein großer Zeitaufwand, zum Beispiel durch das Suchen einer passenden Räumlichkeit und die Regelung des Kapitalbedarfs. Dies könne so viel Raum einnehmen, dass die Idee darunter leide. Die Idee des Restaurants, die man ursprünglich gehabt habe, könne sich verwässern, verloren gehen. Eine Restaurantgründung ohne glasklares Konzept sei mit hohem Risiko und Kapital verbunden und letztlich der Erfolg auch von reinem Glück abhängig. Man könne das auch ganz anders machen. Bei einer intelligenten Unternehmensgründung seien in der Anfangsphase weder teure Berater und Rechtsanwälte noch Notare und Finanziers notwendig. Auch sollte man sich das Feld für seine Tätigkeit mit Bedacht auswählen. Die Technikbranche – hart umkämpft! Ein Restaurant – dafür muss man schon vorab viel Geld hinblättern! Im Bereich Tourismus, als Beispiel, seien Medaillien viel einfacher zu holen in einer Branche, in der die Nachfrage stetig steigt. Egal, was man auch macht, der Unternehmensname sollte prägnant und einprägsam sein, das sei sehr geschäftsfördernd.

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MaSan
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