Kim MacQuarrie – The last days of the Incas (Buchrezension, Teil 1)

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Die Geschichte von 168 Spaniern, die es schafften, das mächtigste Reich der neuen Welt zu erobern, ist einfach unglaublich. Nie wurde Geschichte lebendiger, toller, spannender geschrieben. Kim MacQuarrie lässt sie regelrecht in unseren Händen zum Leben erwachen, in einem ungemein guten Erzählstil, der einem stellenweise das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Ein kurzes Vorwort von mir
Im Jahr 2013 bereiste ich Peru. Jenen Moment, als ich nach viertägiger Wanderung durch die sauerstoffarmen Höhen der Anden wanderte, um früh am Morgen die sagenumwobene Stätte Macchu Picchu zu betreten, werde ich niemals in meinem Leben vergessen. Dieser fast surreal anmutende Ort, die Geschichte seiner Entdeckung und Mutmaßungen über seine Bedeutung erfüllten mich mit ungekannter Neugier. Meine Eindrücke, die ich hier und auch andernorts von dem Land bekam, drängten mich regelrecht dazu, mehr über das Volk der Inca zu erfahren, das, was ich vorher nicht wusste, ein unvorstellbar riesiges Reich mit 10 Millionen Bewohnern beherrschte, das vom heutigen Ecuador bis hinunter nach Chile reichte. Was ich nicht verstand: Wie schaffte es eine Handvoll Spanier unter Führung eines Analphabeten namens Francisco Pizarro, ein solch mächtiges Volk in die Knie zu zwingen. Beschäftigt man sich mit dem Thema, stößt man unweigerlich auf Kim MacQuarrie und dieses Buch, das zweifelsohne zu den besten Geschichtsbüchern gehört, das ich je gelesen habe. Das 500 Seiten umfassende Werk konnte ich noch keine Sekunde weglegen und wenn auch nur dann, um zu schlafen. Kurz – lesen Sie unbedingt dieses Buch!

Altes Segelschiff, Francisco Pizarro
Pizarro segelte weiter nach Süden als jeder andere vor ihm. Bild: 851878, Pixabay

Das Unbegreifliche
Im Jahr 1532 betrat ein Spanier namens Francisco Pizarro mit 168 Gefolgsleuten Peru. Zu diesem Zeitpunkt hatte der erfahrene Eroberer keine Ahnung, dass er dem mächtigsten Volk des südamerikanischen Kontinents gegenüberstand, dem Volk der Inca. Und auch nicht davon, dass er geradewegs auf ein 80.000 Mann starkes und voll bewaffnetes Heer zu marschierte. Doch tatsächlich, diese lächerlich kleine Bande von Analphabeten siegte und herrschte wenige Jahre später über das riesige Reich, was das Land und gar den ganzen Kontinent für immer verändern sollte. Wie konnte das passieren?

Die Idee der Eroberung
Zu Lebzeiten Pizarros fand ein entscheidender Wandel der Gesellschaftsstruktur statt. Aus Feudalismus, also dem Herrschen einer kleinen Eliteüber den großen Rest der Bevölkerung, wurde Kapitalismus. Von nun an war es für den kleinen Mann möglich, aus eigenem Antrieb reich zu werden. Angehörige der unteren Schichten, zu ihr gehörte Pizarro, suchten ihr Glück in der Ferne und schielten mit Hoffnung auf die Erfolge ihrer Landsleute, allen voran einem gewissen Hernando Cortés. Dieser hatte zuvor das mächtige Reich der Azteken besiegt und grenzenlosen Reichtum erreicht, das dem eines heutigen Multimilliardärs gleicht.

Wikimedia Commons, public Domain Bild von Claudio Pizarro
Portrait des Eroberers Francisco Pizarro. Bild: Wikimedia Commons, public domain

Francisco Pizarro
1476 als uneheliches Kind geboren, machte sich Pizarro – zu Hause erwartete ihn nichts als die Armut – in einem Schiff auf in die neue Welt, um sein Glück zu suchen. Wie Cortés aus Extremadura stammend, einer extrem kargen Landschaft, was aus jungen Männern sehr wortkarge, aber extrem willensstarke Männer werden lässt, wurde er schnell erfolgreich im Metier des Eroberns und wurde in Windeseile Leutnant. Es zog ihn nach Mittelamerika, auf Kolumbus‘ Spuren, der hier auf seiner letzten Reise im Jahr 1502 Honduras entdeckte. 1513 stieg er zum Kommandeur einer Pazifik-Mission auf und besegelte Gebiete, die noch kein Europäer vor ihm sah. Vor allem – er fand Gold. Im Jahr 1521, mit 44 Jahren, war er bereits reicher Landbesitzer in Panama mit über hundert für ihn schuftenden einheimischen Arbeitern. Doch – er wollte mehr!

Die hässliche Fratze der Eroberung
1502 bezeichnete die spanische Königin Isabella alle Indianer der neuen Welt als Untertanen. Das solle man diesen doch bitte mitteilen und darüber hinaus auch, dass sie von nun an einem neuen Gott, dem einzig wahren übrigens, huldigen müssten. Bei Verweigerung solle man diese doch bitte alle umbringen. Ja ja, so war das damals. Die Kolonisation diente nur einem Zweck, eine schwächere Bevölkerung durch Unterwerfung zu körperlicher Arbeit zu zwingen, um dem Unterdrücker ein Leben in Luxus auf Lebenszeit zu gewähren. Das erfolgte in einer Reihenfolge:

Zunächst musste man ein Reich finden, je reicher, desto besser. Dann ging es darum, ein Feudalsystem zu erschaffen, gefolgt von der eigentlichen Eroberung. Letztere folgte ebenfalls einem Schema. Resistenz musste durch Schockterror, je grausamer, desto besser, vernichtet und die Elite des Volkes beseitigt werden. Danach konnte man nach Lust und Laune plündern. Die Eroberung Perus diente dem ausschließlichen Zweck, einige wenige Personen sehr reich zu machen. Eine große Population zu finden, diese ihres Reichtums zu berauben und für sich arbeiten zu lassen, das war das Ziel. Kolonisation bedeutete nichts weniger als Raub. Mord, Folter und Unterdrückung und nichts, wirklich gar nichts Glanzvolles. Allen voran Francisco Pizarro. Bereits zu Wohlstand gekommen, lies sich seine Gier nicht stillen. Er wollte das, was Cortés mit der Unterdrückung des Azteken erreicht hatte. 1524 gründete er eine Firma mit Diego de Almagro. Denn, Eroberungen waren privat finanziert und nicht etwa, was viele glauben, vom König bezahlte Einsätze (diese genossen nach einer erfolgreichen Mission lediglich den ganzen Ruhm). Pizarro interessierte nur eine Frage – hatte Córtes das einzige Reich gefunden, oder gab es noch eines, im völlig unbekannten Süden des Kontinents?

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  • Cradle of Gold (die Storey von Hiram Bingham – einem Real Life Indiana Jones – und die Entdeckung Machu Picchus)
MaSan
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