Partnerwahl oder Partnerqual

Veröffentlicht am Veröffentlicht in China, Geschichte & Kultur, Impressionen

Jedes Wochenende treffen sich am Shanghaier People’s Square Eltern, um aufgeregt zu debattieren. Nicht etwa um die derzeitige Luftverschmutzung oder neue Wehwehchen, sondern um einen passenden Partner für ihre Sprösslinge. Überall hängen Steckbriefe mit Bild, Alter, Ausbildung, Sternzeichen, Hobbys und so weiter aus, entweder an einer Wäscheleine oder Regenschirmen befestigt. Was spielt sich hier ab?

Gesellschaftliche Zwänge
Nun, die nun wirklich sehr intime Einmischung der Eltern ins Leben ihrer Kinder ist geschichtlich verankert und die Zustimmung des Sohnes oder der Tochter bei der Wahl des Ehepartners wird aus der Geschichte heraus nicht benötigt. Jedenfalls trifft das für traditionsbewusste Familien zu, die den zukünftigen Partner oft bereits im Kindesalter festlegen. Das hat auch praktische Vorteile, denn bei der ganzen Karriereplanung der vielbeschäftigten Jungspunde bleibt keine Zeit, um sich für das andere Geschlecht zu interessieren. Der Druck ist ja auch nicht gerade klein. Über 30 Jahre alt sein, unverheiratet und kinderlos – ein NoGo, das in der Gesellschaft nicht allzu gut ankommt. Als Frau fällt der Hammer sogar noch früher, so werden die Armen mit dem Überschreiten des 26. Lebensjahres als „Leftover Women“ (shengnü 剩女) bezeichnet bzw. gebranntmarkt. Kein Wunder also, dass sich Panik breit macht bei den schon Anfang Zwanzigjährigen, die sich oft viel zu früh in die Ehe stürzen. Die hohe Scheidungsrate von fast 40%, im Jahr 2015 ließen sich fast vier Millionen Paare scheiden, spricht für sich.

China Partnersuche
Bild: Meditations, Pixabay

Männerüberschuss
Immer schwerer haben es die stets bevorzugten Männer, die unter immer größerer Konkurrenz um immer weniger Frauen buhlen müssen. Das haben sie der heute gelockerten „Ein-Kind-Politik“ zu verdanken, unter der Jungen stets bevorzugt und Mädchen nicht selten abgetrieben wurden. Im Jahr 2011 zum Beispiel kamen auf 100 Frauen ca. 118 Männer. Vor allem auf dem Land bevorzugte man Männer für die harte Farmarbeit. Doch, „what goes around, comes around.“ Heute müssen sich die Herrschaften mächtig ins Zeug legen. Es gibt per se keine Hochzeit, sollte sich der Mann keine Wohnung leisten können. Aufgrund der Tatsache explodierender Immobilienpreise in Großstädten kein gutes Omen für die Herren der Schöpfung. Diese Tatsache beginnt langsam auch an der bevorzugten Position des Mannes als Kinderwunsch zu rütteln, denn mit einem Mädchen kommt man weitaus billiger weg.

Liberaler ist man in der Stadt
In Städten wie Shanghai ist das natürlich anders, auch wenn man auch hier nicht von Liberalismus sprechen kann. Trotz der vollen Breitseite der Globalisierungswelle besteht auch hier hartnäckig ein Rest der Tradition. Herkunft, Beruf und Gehalt sind wichtige Kriterien, die das Märchen von Aschenputtel und dem Märchenprinzen auch hier nahezu unmöglich machen. Eltern haben eine gehörige Portion Mitspracherecht, denn schließlich haben sie ihr Kind erzogen, das zukünftig auch die Pflicht haben wird, sich um die Eltern im Alter zu kümmern. Die sogenannte von Konfuzius auferlegte „Pietät“ duldet keinen Widerspruch gegen elterliche Entscheidungen, die ihre Wahl nicht nur unter ökonomischen Gesichtspunkten treffen, sondern auch Wahrsager und Tierkreiszeichen in die Entscheidung miteinbeziehen. Eine Drachenfrau mit einem Affenmann verheiraten, ein „NoGo“! Das Tierkreiszeichen des Mannes hat stets stärker zu sein als jenes der Frau.

Die Frau zieht nach wie vor den Kürzeren
Traditionell unterstützen Familien ihre Söhne. Von Ihnen wird erwartet, eine Wohnung mit in die Ehe zu bringen. Die Frau ging vollständig in die Familie des Mannes über und ihre Familie wurde dem Verlust einer Arbeitskraft wegen mit einer Brautsteuer entschädigt. Heute sieht das zwar etwas anders aus, doch nach wie vor fühlt sich die Familie der Frau selten verpflichtet, die Tochter zu unterstützen. Im Gegenteil, diese unterstützen vielmehr ihre Brüder oder Cousins bei deren Wohnungskauf.  Zudem hat die Frau mit der Heirat keine Ansprüche auf gemeinsamen Besitz. So blöd das nun alles für die Frau klingt, besser geworden ist es allemal. Früher wurde die gewünschte Frau schlicht entführt und dann die Entschädigung nachträglich ausgehandelt, mit null Mitspracherecht der Frau natürlich.

Willst du mehr über die traditionelle chinesische Hochzeit wissen, schau mal hier nach!

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MaSan
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