Quer durch Nicaragua – auf der Isla de Ometepe (II)

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Angekommen auf der Insel de Ometepe, reise ich in den wilderen Osten der Insel, nach Balgüe.

»Artikelfortsetzung: Dies ist der zweite von drei Artikeln über die Isla de Ometepe in Nicaragua. Hier gehts zum ersten Teil!«

An den Ausläufern Balgües passiere ich eine Schule und Kinder kommen mir mit ihren hübschen Schuluniformen entgegen. Neben der Schule auf einem Sportplatz übern die Jungs ihren Sport, den sie in Nicaragua so lieben – Baseball. Der Pitcher wirft den Ball schnell wie ein Pfeil zum Fänger, der dieser dann weiter verteilt. Als ich weiterlaufe, passiere ich eine Pizzeria, die mir alsbald verdeutlicht, dass sich die Italiener mittlerweile wohl auch ganz wohl fühlen hier. Dann gelange ich ins Zentrum von Balgüe, das eigentlich nur aus einer einzigen Straße besteht. Dort richte ich es mir für einige Tage in einem Hostel ein, um meine Seele fernab jeglichen Stress baumeln zu lassen.

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Unterwegs von Santa Cruz nach Balgüe. Bild: Ma San (Martin Seibel)

Die „Nicas“, unendlich gastfreundlich
Der Strand befindet sich nur ein paar Meter von der Straße entfernt und auf einem Stein sitzend schaue ich hinaus auf den See, währen die blutrote Sonne sich daran macht, hinter dem alles dominierenden Vulkan Maderas unterzugehen. Die Sonnenuntergänge auf der Isla de Omtepe sind, ja wie sagt man, „World Class“! Auf dem Weg zurück laufe ich schnurstracks unter einem Mangobaum durch, an dem meine Lieblingsfrüchte baumeln, die ich sonst nur aus dem Supermarkt kenne. Das merkt wohl die Frau einer Bar nebenan, die mir prompt welche abpflückt und mit einem Lächeln in die Hand legt. So sind die „Nicas“, stets unendlich gastfreundlich. Hier grüßt man jeden mit einem „Adios“, was man sowohl zur Begrüßung, als auch zum Abschied sagt. Lustig ist, dass die Einheimischen, dem Englischen meist nicht mächtig, den Ausländern zur Begrüßung dementsprechend auch ein „bye, bye“ zurufen. Wirklich niedlich.

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Die Strände auf diesem Teil der Insel sind eine Wucht! Bild: Ma San (Martin Seibel)

Das Dilemma mit den „Cheles“
Es ist leicht, mit den Leuten hier ins Gespräch zu kommen, vor allem mit den vielen „Cheles“, den Ausländern, von denen ziemlich viele hier entweder wohnen oder als Volontäre einige Monate Freiwilligenarbeit leisten. So geben diese Sprachunterricht an einheimische Kinder, arbeiten auf meist ebenfalls von Ausländern betriebenen Öko-Fincas oder engagieren sich sonstwo.

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„Engagieren“ ist allerdings ein breit gefächerter Begriff, erzählen mir zwei Mitglieder des deutsch-nicaraguanischen Vereins „Sanito“, die ich hier kennenlerne. Das meiste Geld, so sagt man mir, das Ausländer hierher brächten, bliebe auch bei den Ausländern. Die vielen Hostals zum Beispiel könnten sich, davon konnte ich mich bereits selbst überzeugen, vor Touristen kaum retten, während einheimische Hospedajes meist leer ausgingen. Diese sind im Lonely Planet, der Bibel der Reisenden, gar nicht erwähnt. Das sei ein großes Problem. Der Tageslohn eines Bauarbeiters liegt hier bei gerade mal 140 Córdoba, etwa fünf Euro. Ein Backpacker zahlt hier mal locker das fünffache, um sich für wenige Stunden einen Motorroller auszuleihen.

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Von hier aus hat man einen tollen Blick auf den Vulkan Maderas. Bild: Ma San (Martin Seibel)

Reisen mit Verantwortung
Auch die vielen Öko-Fincas, erzählen mir die Leute von Sanito, hätten zwar ein unglaubliches Wissen und Sammelsurium an einheimischen Nahrungsmitteln und Pflanzen, würden dieses Wissen aber nicht an die Einheimischen weitergeben. Vielmehr unterrichten diese zahlungskräftige ausländische Volontäre á la „Sponsored by Daddy“ für viel Geld ihr Wissen. Der durchaus gute Wille solcher Organisationen, mitsamt der Volontäre und vor allem den Horden der vielen stylischen Backpacker, die hier von einem Hipster-Hostal zum nächsten ziehen, darf an dieser Stelle kritisch hinterfragt werden. Ich finde, dass man als Reisender ab und an sein Geld auch den Einheimischen zukommen lassen darf und das ein oder andere Mal ruhig in ein einfaches Hospedaje einchecken kann statt in das „Smoothie“ Hostal von nebenan.

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DIe Menschen hier sind sehr arm. Der Tageslohn eines Bauarbeiters beträgt gerade mal fünf Euro. Bild: Ma San (Martin Seibel)

Echtes Engagement
Doch natürlich engagieren sich hier auch Menschen, die sich mit großem Elan hier einbringen, wie eben „Sanito“. Den Menschen hier, sagt man mir, fehle es vor allem an grundlegendem Wissen, zum Beispiel über Nahrungsmittel. So wachse hier beispielsweise Moringa, die nährstoffreichste Pflanze der Welt.

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Quasi jeder könnte sich diese Pflanze selbst im Garten kultivieren, doch statt dessen gehört Unterernährung bzw. einseitige Ernährung zur Tagesordnung. Beim Kochen verwenden viele Familien zum Entzünden des Kochfeuers Plastik, weswegen die Küchen häufig ganz schwarz sind aufgrund des giftigen Rauchs. Die traditionelle Maya-Kochweise, die auf dem System eines einfachen Steinherdes beruht, könnte hier Abhilfe schaffen. Hier braucht es Organisationen wie „Sanito“, die behutsam, ohne besserwisserisch zu wirken, Aufklärungsarbeit leistet. Nur so kann sich an der Situation nachhaltig etwas verbessern. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto, das funktioniert.

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