China Talk – ein Gespräch mit Gao Shusan von WKUP URBAN CYCLING (Teil 2)

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Ein Gespräch mit dem Fahrraddesigner Gao Shusan aus Shanghai, Mitbegründer von WKUP URBAN CYCLING, auf der Berliner Fahrradschau (Fortsetzung)

Wann sind eure Räder in Europa auf dem Markt erhältlich?
Da der Onlineverkauf für Europäer aufgrund der Verschiffungs-Kosten zu hohe Kosten verursachen würde, suchen wir derzeit einen Händler vor Ort. Deshalb sind wir hier und suchen das Gespräch zu potentiellen Abnehmern. Ich hoffe natürlich, dass wir das so schnell wie möglich schaffen, aber ganz ehrlich, es wird eine Weile dauern. Das hat aber auch eine positive Seite. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Tests wird unser Produkt in der Zwischenzeit durchlaufen und wenn es letztendlich irgendwann in Deutschland vertrieben wird, werden unsere Fahrräder noch mehr optimiert und dauerhaft sein. Das ist für uns sehr wichtig, denn das allererste Produkt sollte einwandfrei sein.

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„…das allererste Produkt sollte einwandfrei sein.“ Bild: WKUP

Sind eure Räder eher für den chinesischen Markt gedacht oder für den Europäischen?
Ich glaube, da gibt es eigentlich nicht sehr viele Unterschiede hinsichtlich den Vorstellungen von einem Fahrrad zwischen dem Westen und Asien. Natürlich sind die Menschen unterschiedlich groß und für Menschen in Deutschland müssen wir einen größeren Rahmen vorsehen, während sie in Asien flacher sein müssen. Übergeordnet aber ist der Charakter des Fahrrads. Schau dir Tokyo Bikes an.

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Natürlich ist es ein kleines Fahrrad, weil es japanische Kunden anvisiert, aber viel interessanter ist das übergeordnete Konzept. „Tokyo Slow“ lautet deren Markenzeichen und so reflektiert es den zurückgelehnten Charakter dieser Stadt. Unsere Räder kommen aus Shanghai, einer pulsierenden, schnellen, sich immer noch entwickelnden Stadt. Wir wollen, dass unsere Räder diese Modernität und Geschwindigkeit ausstrahlen. Deshalb sollte es auch nicht so relaxed aussehen wie das Tokyo Bike, und auch nicht so farbenfroh und dünn. Unsere Farben sind einfach gehalten, außerdem fahren wir schneller, weshalb es aufgrund der Aluminiumbauweise leichter ist und deshalb auch sehr modern wirkt. Dennoch wollten wir uns nicht allzu weit vom klassischen Fahrrad entfernen. Ein Fahrrad ist etwas sehr Einfaches, und das sollte man meiner Meinung nach nicht verlieren. Wir versuchen also, den Charakter Shanghais durch unsere Bikes auszudrücken. Auch wenn wir die Qualität und Geometrie an andere Länder anpassen, bleibt dieser Charakter erhalten, und genau den möchten wir zu Menschen in alle Welt transportieren.

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„Ein Fahrrad ist etwas sehr Einfaches, und das sollte man meiner Meinung nach nicht verlieren:“ Bild: Ma San (Martin Seibel)

Warum eigentlich Fahrräder? Normalerweise machen Architekten ihr eigenes Architekturbüro auf!
Das hängt mit meiner Kindheit zusammen. Ich komme aus Nanjing, der alten Hauptstadt Chinas, wo man sich, genauso wie in Hangzhou, früher gerne mit dem Fahrrad fortbewegte. Überall stehen große Laubbäume, die vor der Sommerhitze schützen. Wesentlich kleiner als Shanghai, kam man stets schneller voran. Ich mochte Fahrradfahren immer sehr gerne, weil es mir ein Gefühl von Freiheit gab. In Berlin, wo ich später von 2008 bis 2009 studierte, fuhr ich ebenfalls immer Fahrrad. Und da viel mir eines auf. In Berlin und in anderen europäischen Städten gab es im Gegensatz zu China eine Fahrradkultur. Das Fahrradfahren hier wurde vielmehr als gemeinschaftliche Handlung begriffen. Es ist so eine schöne Kultur, so liebevoll, so „gefallend“, dass es Menschen dazu bringt, mitzumachen. Meine Idee, Fahrräder zu bauen, begann hier in Berlin. Berlin hatte einen großen Einfuß auf mich. Als ich das zweite mal hier war und dann nach China zurückkehrte, wollte ich unbedingt ein Fahrrad designen. Weißt du, die Menschen hier in China lieben es eigentlich, Fahrrad zu fahren. Lediglich die starke Luftverschmutzung – ein Problem, dass leider noch nicht gelöst ist – hält sie davon ab. Im Grunde genommen aber lieben sie es, und das wird sich auch nicht ändern. Des Weiteren brachte mich die Stadtplanung auf die Idee, der ich viel Zeit während meines Studiums widmete. Die Gestaltung von Fahrradwegen und wie man diese organisiert, als Beispiel, spielten eine große Rolle. Ja, es gibt eine starke Verbindung zu dem, was ich ursprünglich lernte.

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„In Berlin und in anderen europäischen Städten gab es im Gegensatz zu China eine Fahrradkultur.“ Bild: Unsplash, Pixabay

Was macht Berlin und speziell diese Messe so wichtig für euch?
Ich mag Berlin sehr gerne, weil es eine wichtige Rolle in meinem Leben spielt. Zunächst war ich für fünf Monate hier im Rahmen meines Bachelors an der TU Berlin. Später, während meines Masters, hatte ich im Jahr 2008 erneut die Gelegenheit, für ein Jahr hierher zu kommen. Dort bekam ich das erste Mal ein Verständnis für diese Fahrradkultur, die es in China so nicht gibt. Letztes Jahr nun erzählte mir ein Freund über diese Messe in Berlin, eine Messe über urbane Fahrradkultur, welche anders sein sollte als andere Fahrradmessen, wo es eher um technische Neuheiten und High End Räder geht. Ich war sofort begeistert und wie du siehst, geht es hier um moderne Stadträder, um Kleidung, Essen und außerdem alles weitere, das nicht so teuer ist (lacht). Außerdem stellen wir gerade unsere neue Produktlinie vor, und dazu feiern wir auch noch den ersten Jahrestag unserer Marke. Da kommt also viel zusammen und wir dachten, jetzt ist die richtige Zeit, hierher zu kommen und uns den europäischen Kunden vorzustellen. Unser Ziel ist es natürlich, hier einen Markt zu finden und zu sehen, was all die anderen großartigen Marken so machen.

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Bild: WKUP

Bist du diese Tage schon in Berlin Fahrrad gefahren?
Das werde ich definitiv morgen machen, weil unsere Räder ja bis dahin hier auf der Messe stehen. Ich werde mir zwei unserer Bikes schnappen und meiner Frau Berlin zeigen. Früher war ich hier ja täglich auf Pedalen unterwegs.

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