Jaron Lanier – Wem gehört die Zukunft? (Buchrezension, Teil 2)

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Zweiter Teil der Buchrezension von Jaron Laniers „Wem gehört die Zukunft?“ »Hier« geht’s zum ersten Teil.

Untergang Musikindustrie
Als weiteres Beispiel zieht Lanier die Musikindustrie heran: Es sei noch nicht lange her, als eine breite Mittelschicht von Musik gelebt habe. Nicht nur die Künstler, sondern letztlich auch die Verkäufer im Laden. Kostenlose Musikdownloads hätten zum finanziellen Absturz einer ganzen Branche geführt. Natürlich gebe es Musiker, die von ihrem Handwerk leben könnten, doch das seien leider nur sehr wenige. Er vergleicht unsere Gesellschaft mit einem Starsystem, in dem man die Besten extrem belohne, die breite Masse aber auf der Strecke bleibe. „Kopiert man Musik nimmt man Musikern die Würde.“

Viele betroffene Sparten
Die Khan Acedemy wird genannt, welche ein kostenloses Studium im Internet anbietet. So schön die Idee auch sei, eine kostenlose Ausbildung führe weniger Arbeitsplätzen im Bildungssektor und eine schwindende Absicherung für Akademiker. „Ein kostenloses Studium! Doch wer es absolviert, sollte nicht damit rechnen, später eine Stelle als Lehrkraft zu finden.“ Nehmen sie die Übersetzer. Mit jeder automatischen Übersetzung, so Lanier, würden echte Menschen aus ihrer Arbeit gedrängt. Die Technologie werde in vielen Bereichen so effizient, dass sie den Menschen nicht mehr brauche.

Jaron Lanier: Wem gehört die Zukunft
„Maschinen werden irgendwann so gut funktionieren, dass viele Menschen keine Aufgaben mehr haben.“ Bild: moerschy, Pixabay

Es geht um reale Arbeitsplätze
Kodak sei ein ähnlicher Fall, so der Amerikaner. Das Aufkommen von kostenlosen Diensten wie Instagramm habe das Ableben des Konzerns befeuert. Letztlich seien hunderttausende Arbeitsplätze verloren gegangen. All diese Fälle haben eines gemeinsam. Zunächst wird für den Endkunden ein unschlagbares oder kostenloses Angebot erstellt, und zunächst funktioniere das auch eine Weile. Doch letztlich gingen reale Arbeitsplätze verloren. Je mehr Menschen „Couchsurfing“ benützten und nicht mehr willens seien, für Übernachtungen zu bezahlen, desto mehr Arbeitsplätze gingen in der Hotelbranche verloren.

Wo ist das ganze Geld?
Das ganze Geld ginge nun an wenige auserwählte Firmen, von denen einige schon genannt wurden. Ihnen würden Milliardengewinne beschert, während der Einzelhandel, das Hotelgewerbe und weitere Branchen mit immer weiter sinkenden Gewinnmargen abgespeist würden. Das wiederum sei ein einziger Rattenschwanz. Einstiegsgehälter auf Lebenszeit, die Praktikumsgeneration und im Gegensatz dazu Fantasiegehälter bei Managern seien bereits die Folgen.

Automatisierung
„Maschinen werden irgendwann so gut funktionieren, dass viele Menschen keine Aufgaben mehr haben.“ Lanier spricht als weiteres großes Thema den rasanten Fortschritt an, den unsere Gesellschaft heute erlebt, und dessen denkbare Konsequenzen. Roboter könnten schon bald die Altenpflege übernehmen, Programme Häuser planen und autonome Fahrzeuge die Straßen bevölkern. 3D Drucker, die schon heute mehr als 100 Werkstoffe drucken können, könnten eine prägende Rolle in der Zukunft spielen. Auch in der Pharmazie und in der Herstellung sei mit einem immer größeren Maß der Automatisierung zu rechnen. Denn, was automatisiert werden könne, das würde auch automatisiert. Droht uns nun eine massive Arbeitslosigkeit, verursacht durch eine ausgereifte Technologie, die doch eigentlich unser Leben verbessern soll?

Trugschluss
Unternehmen wie Facebook, Apple oder Google würden, wie schon erwähnt, unsere Daten sammeln, den Wert dieser Informationen leugnen und ein Vermögen damit machen. Wir dagegen, zufrieden gestellt mit der „kostenlosen“ Nutzung deren Plattformen, mit Almosen abgespeist. Diese Kultur führe zu einer schrumpfenden Wirtschaft und zu einer neuen Machtkonzentration. Das Problem: Facebook oder Google würden nicht einmal im Ansatz so viele Mitarbeiter beschäftigen wie zum Beispiel General Motors. Im Gegenteil, diese Unternehmen sind ganz und gar nicht personalintensiv. Zudem sei die Zukunftsvision dieser Unternehmen zweifelhaft. Google fresse sich zum Beispiel selbst auf. Deren Einnahmequelle sei der Verkauf von Werbung und Unternehmen. Seien diese Unternehmen erst einmal pleite, woran Unternehmen wie Google selbst Schuld seien, verlören diese selbst ihre Einnahmequelle. Ein solches System sei von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Lösungsansätze
„Die Reichen leben hinter Mauern, nicht nur um sich zu schützen, sondern auch um so zu tun, als ob sie die anderen nicht bräuchten.“ Wir bräuchten eine Zukunft, in der es den Menschen besser geht, trotz besser werdender Technologie. „Wir dürfen nicht zulassen dass dem technischen Fortschritt eine Philosophie zugrunde gelegt wird.“ Wir seien es letztlich, die den Maschinen ihren Sinn geben würden und das Wichtigste: Menschen müssten endlich bezahlt werden für ihre Informationen, die sie ins Netz einspeisen. Nur so könnten wir in eine aufrichtige Form des Kapitalismus gelangen. Wir müssten uns von Gratis-Internet verabschieden und von passiven Kunden zu aktiven Teilnehmern werden.

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MaSan
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