Die Berliner „Radbahn“

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Die neun Kilometer lange Berliner Radbahn soll die Hauptstadt endlich fahrradfreundlicher machen

Wer in Berlin Fahrrad fährt, und das sind mehr als eine halbe Million Menschen und damit mehr als in jeder anderen Stadt in unserem Land, lebt gefährlich. Denn Berlin ist eine Mega-Autostadt, dessen ganzes urbanes Gefüge überall von mehrspurigen Straßen durchzogen wird. Unfälle mit Fahrradfahrern gibt es en masse, und alleine dieses Jahr mit mehrfach tödlicher Folge. Dann markieren ganz weiß gestrichene Räder den Ort des Unglücks, und so mancher Radfahrer streckt seinen Kopf in Gedenken gen Himmel bei diesem Anblick. Nee, Autofahrer und Radler, sie können sich nicht besonders gut leiden in dieser Stadt, pöbeln sich ständig gegenseitig an und kämpfen um ihr Recht im Straßenverkehr. Autofahrer lieben es, auf Fahrradwegen zu parken, was die Radler zum gefährlichen Ausweichen auf die stark befahrenen Straßen zwingt. Sie können keinen sicheren Abstand zu parkenden Autos einhalten, weil die fahrenden zu dicht aufrücken, und, und, und. Fahrradfahrer kommen einfach zu kurz und können nur neidisch auf Städte wie Kopenhagen schauen, mit ihren zahlreichen ‚Superstis‘, Straßen nur für Radfahrer. Ein Hauch von Kopenhagen ist nun auch für Berlin angedacht, und wird hoffentlich bald Realität, die Berliner ‚Radbahn‘.

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Critical Mass, Baby
Nein, das ist keine Demo für Crystal Meth , sondern eine Critical Mass, um das klarzustellen. Autofahrer stehen verärgert an längst grünen Ampeln und warten, und warten, und ja, warten, weil vor ihnen zig tausende Fahrräder vorbeirollen, eine kritische Masse. Nach Straßenverkehrsordnung nämlich gelten hintereinander fahrende Räder ab einer gewissen Anzahl als ein einziges Fahrzeug. Und wenn dieses Fahrzeug eben so lang ist, dass es eine halbe Stunde lang an einer Ampel vorbeirollt – natürlich zum Ärger der wartenden Autos – dann ist das eben so. Aber genau darum geht es. Autofahrer sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass es auch Menschen gibt, die keine Lust haben, unsere Luft zu verschmutzen. Die es stattdessen lieben, sich zu bewegen, und dafür ihren Platz im Verkehr einfordern. Denn: Es gibt viel zu wenige Fahrradwege in der Stadt, und oft führen diese immer wieder auf die Straßen. An gefährlichen Kreuzungen werden Räder oft übersehen und fast jeder Fahrradfahrer hatte schon das ein oder andere Mal Glück, nicht umgenietet worden zu sein. Oder noch schlimmer. Es ist nicht lange her, dass ein Autofahrer in der Leipziger Straße einen Fahrradfahrer aus Wut mit einem Schlagstock krankenhausreif geprügelt hat. Und auch nicht, dass ein weiterer Radler in Friedrichshain absichtlich überfahren wurde.

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Die Radbahn
Hier muss sich etwas ändern, dringend! Das haben sich auch ein paar Berliner Jungens gedacht und ein Konzept vorgeschlagen, dass die Situation der Radfahrer verbessern soll. Ihre Vision, die Berliner ‚Radbahn‘, wurde bereits für den Bundespreis für Ecodesign nominiert und hat prominente Fürsprecher wie Hans-Christian Ströbele für sich gewonnen. Die Idee ist denkbar einfach: Unter der U-Bahnlinie U1, die über der Straße fährt, soll, geschützt vor Regen und Schnee, eine Fahrradstraße entstehen. Radler sollen hier, getrennt von den vielen Autos, die Möglichkeit bekommen, auf einem perfekt asphaltierten Weg à la Kopenhagen , ganz ohne Wurzeln und andere Hindernisse, von A nach B zu kommen. Das Beste: Das Konzept ließe sich recht einfach realisieren, denn der Platz unter der U-Bahnlinie ist quasi ein Niemandsland, eine ungenutzte Brache. Zudem müsste man in den vorhandenen Verkehr erst gar nicht eingreifen.

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Ganz neu ist die Idee nicht. In New York etwa hat man vor nicht allzu langer Zeit die Highline eröffnet. Eine ehemalige, über der Straße liegende Bahnlinie wurde zu einem grünen Park umfunktioniert, mit großem Erfolg und weltweiter Beachtung. Auf Kopenhagens Superstis, den Fahrradautobahnen, fahren täglich zehntausende Menschen, sogar Pendler von den Vorstädten nach Kopenhagen zur Arbeit. Radfahrer haben dort sogar Vorrang vor den Autos, Ampeln werden zugunsten der Radfahrer getaktet. In Megastädten wie Hong Kong hat man die Verkehrsteilnehmer gleich auf verschiedene Etage gehoben. In mehreren Geschossen sind zum Beispiel Fußgänger und Autos voneinander getrennt unterwegs. Sehr begrüßenswert, dass man in Berlin, dieser Smogstadt, überhaupt darüber diskutiert, etwas mehr für die Radfahrer zu tun. Denn je mehr Menschen aufs Rad umsteigen, desto besser!

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