John Mayer

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Film, Musik, Impressionen

Vorstellung eines brillanten Musikers und außergewöhnlichen Menschen

Irgendwo im amerikanischen Conneticut, Ende der achtziger Jahre, zieht ein dreizehnjähriger Junge mit seiner Gitarre unter dem Arm durch die Straßen, um in den Clubs des Nachts den Blues aus seinen Saiten zu zaubern. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass er einmal mit dem großen BB King spielen wird, mit John Scofield und Eric Clapton. Dass ihn letzterer als wahren Meister der Gitarre bezeichnen wird, auch davon wagt er noch nicht zu träumen. Die Wege, die er gehen wird, werden außergewöhnlich und gewagt, doch folglich richtig sein. Seine Geschichte beweist, wozu ein Mensch in der Lage ist, wenn er seinen Träumen folgt, auch gegen alle Vernunft. Heute, im Alter von 37 Jahren, kann er auf einen langen Weg zurückblicken, der sich in sechs mit Auszeichnungen überhäuften Studioalben manifestiert. Auf einen Weg vom Blues zum Pop, über den Jazz bis hin zum Folk und Country. Was kommt jetzt, möchte man ihn am liebsten fragen. Wir dürfen gespannt sein. Ein Portrait über John Mayer, einen großen Musiker.

Video: Die Anfänge…’Neon‘ aus Rooms for squares

Legenden
Große Geschichten beginnen mit Legenden, so auch die Geschichte von John Mayer. Im Alter von 13 Jahren, er spielt bis dato Klarinette, drückt ihm sein Vater eine geliehene Gitarre in die Hand und dazu eine Kassette des Gitarren-Virtuosen Stevie Ray Vaughn. Damit ist sein Interesse für den Blues geweckt und es dauert nicht lange, bis er in lokalen Blues Bars auftritt und in seiner ersten Band spielt.

Mayers‘ erstes Album ‚Rooms for Squares‘

Wenige Jahre später greift er nach einem prägenden Krankenhausaufenthalt zum Stift, entdeckt die Liebe zum Schreiben für sich. Das Geld für seine erste Gitarre verdient er sich nach seinem Schulabschluss auf einer Tankstelle, und daraufhin, Mayer ist nun 20 Jahre alt, schreibt er sich in der Musikhochschule in Boston ein. Doch er merkt bald, dass er nicht für die Schulbank gemacht ist, möchte Musik machen, statt sie zu studieren. Sein selbst gesetztes Ziel, der größte Gitarrist zu werden, verwirft er nun, weil er das Streben nach perfekter Technik und dieses selbstgefällige sich übertrumpfen wollen ablehnt. Er selbst möchte ‚hörbar‘ sein. Er nimmt die Gitarre in seinen Kompositionen als prägendes Element aus dem Vordergrund und konzentriert sich mehr auf das Songwriting, auf Melodie und auf Rhythmus. Nach nur zwei Jahren kehrt er der Musikhochschule den Rücken und zieht nach Atlanta, um dort sein Glück zu finden.

Video: Mayer mit BB King

Der Durchbruch
Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie Menschen mit lediglich ihren Überzeugungen und Träumen im Schlepptau losziehen, um entgegen aller Vernunft ihrer Überzeugung nachgehen und dann Großes erreichen. Auch der große Sting zog einmal völlig abgebrannt mit Frau und Kind von seinem Küstendorf nach London, ließ den sicheren Job zurück im Tausch gegen eine völlig unsichere Zukunft. Was passiert ist, wissen wir alle. Es scheint so, als ob das Treffen einer kompromisslosen Entscheidung für eine Sache, also quasi ohne Rückflugticket, ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Die Karriere von John Maier beginnt hier, in Atlanta, wohin es ihn in der Folge einer mutigen Entscheidung, nämlich des Abbruchs seines Studiums, verschlägt. Dort tritt er hauptsächlich mit Akustikgitarre, was ihm den Vorteil verschafft, solo auftreten zu können, in Clubs auf und taucht ein in die ansässige Songwriter-Szene.

‚Heavier Things‘ ist Mayers‘ zweites Album

In Zusammenarbeit mit Glenn Matuloo produziert er seine erste akustisch geprägte EP Inside wants out, die er bei seinen Auftritten verkauft. Diese Scheibe bringt ihm viel Lob ein, vor allem aber das Interesse von Aware Records, einem Unterarm des großen Labels Columbia. Es folgen Festivalauftritte und im Jahr 2001, Mayer ist erst 24 Jahre alt, sein Debütalbum Room for Squares. Mit dem Song Your body is a wonderland erhält er einen ersten Grammy, und der Headliner No such thing stößt mit seiner Mischung aus Blues, Folk und Pop auf große Beachtung. Die Musikerwelt vergleicht ihn schon jetzt mit Ikonen wie Sting und Dave Matthews. So mancher kritische Hörer denkt bei John Maier noch immer an dieses erste poplastige Album und an in der ersten Reihe schreiende Mädchen während seinen Konzerten. Doch dieses Album ist erst der Beginn seiner musikalischen Entwicklung.

Video: Beim Jammen mit Eric Clapton

Musikalische Veränderung
2003 erscheint zunächst sein zweites Album Heavier Things, dessen Song Daughters mit einem weiteren Grammy zum Song des Jahres gekürt wird. Nun verlässt er den Weg des akustischen Pops und wendet sich seinen Anfängen, dem Blues, aber auch dem Jazz zu. In der Folge, mittlerweile als grandioser Gitarrist bekannt, jammt er mit Weltgrößen wie BB King, Eric Clapton, John Scofield und Herbie Hancock.

Im ‚John Mayer Trio‘ geht der Musiker fern des Pop völlig neue Wege

Elemente von Jimmi Hendrix, Stevie Ray Vaughn, Robert Cray oder Freddie King schwingen nun in seinen Stil mit ein. Mit Pino Paladino und Steve Jordan gründet er das John Mayer Trio, was sich im Livealbum Try! manifestiert und als bestes Rockalbum des Jahres prämiert wird. Diese musikalischen Suche und schließlich Findung mündet in ein Meisterwerk und in sein vermeidlich bestes Album Continuum. Dieses Kunstwerk, anders kann man es nicht nennen, was mit einem Grammy für das beste Album des Jahres belohnt wird, sprüht geradezu über mit ganz großen Songs wie Say , slow dancing in a burning room, gravity oder dem Opener Waiting on the world to change, der als bester Popsong des Jahres gefeiert wird und ebenfalls einen Grammy erhält. Doch auch nach diesem Geniestreich wird es alles andere als ruhig um den Künstler.

Video: Slow Dancing in a Burning Room

‚Continuum‘ ist sein bisher bestes Album, finde ich zumindest

Aufbruch zu Neuem
Nachdem Mayer für Belief auf der EP the village sessions einen weiteren Grammy abräumt, spielt er im Jahr 2008 sein viertes Livealbum Where the light is in Los Angeles ein. Es ist eine Freude, ihm zuzuschauen, wie er mit minutenlangen Solos seine Songs einleitet, die wunderbar arrangiert sind. Genial sind auch die Passagen, bei denen er hoch oben auf dem Mulllholland Drive sitzt, mit dem riesigen Los Angeles im Hintergrund, wie sich sein Spiel mit den Geräuschen der Straße mischt und er so vor sich hinredet, auf eine zugleich enthusiastische und melancholische Art, völlig frei von Starallüren. Im Gegenteil, er scheint sich seine zurückhaltende, nachdenkliche Art bewahrt zu haben, mit der er vielleicht die Privatperson John Mayer schützt.

Video: Heart of Life

‚Where the light is‘ – sein grandioser Auftritt in LA, ein Must-See!!!

Mit Battle Studies, seinem vierten Studioalbum, wendet er sich, für den ein- oder anderen überraschend, wieder dem Pop zu, bevor er mit Born and raised wieder bluesigen und jazzigen Melodien verfällt, die in ein Countrygewand gewickelt sind. Dieses Album ist vielleicht ein erster Schritt in ein neues Gebiet. Obwohl es nicht ganzheitlich überzeugen mag, unterstreichen grandiose Songs wie Speak for me oder If I ever get around to living, mit wem man es hier zu tun hat. Das sind große, ganz große Stücke. Mit Paradise Valley erscheint sein bis dato letztes Album, dass einem mit einem Fragezeichen dastehen lässt. Root, Country und Folk begegnen einem da, unverpackt, direkt, nicht in der Eleganz, die einem bei den Refrains seiner großen Songs Gänsehaut verschafft. Nein, so ist es nicht diesmal. Vielleicht ist der neue John Mayer einfach nicht mehr so zugänglich. Vielleicht erschließen sich seinen neuen Songs nicht mehr sofort, sondern erst beim zweiten, dritten Hören. Vielleicht ist das der Startpunkt in eine ganz neue Richtung? wer weiß, beweisen muss der Mann jedenfalls nichts mehr.

Video: Something like Olivia

Facebook Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.