Göran Kropp – Allein auf dem Everest (Buchrezension)

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Ein Schwede radelt von Stockholm bis zum höchsten Berg der Welt und besteigt diesen ohne Hilfe und ohne künstlichen Sauerstoff.

Den höchsten Berg der Welt zu besteigen ist der Traum vieler Menschen. Auf den Mount Everest herrscht ein ungebrochener kommerzieller ‚Run‘, der Bergsteigern wie Göran Kropp im Herzen weh tut. Westliche Expeditionen reisen mit zig Tonnen Ausrüstung und Kolonien von Trägern an und hinterlassen den Berg als Müllhalde. Kropp, erfahrener Höhenbergsteiger, will beweisen, dass es auch anders geht, dass man der Natur mit Respekt begegnen kann. So kommt es, dass im Oktober 1995 ein Mann von Stockholm aus losradelt. Sein Ziel – der Mount Everest.

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Göran möchte mit dem Fahrrad von Stockholm bis zum Mount Everest fahren

Lebenslust
Als George Mallory in den zwanziger Jahren gefragt wird, warum er den Mount Everest besteigen und sein Leben dabei riskieren wolle, antwortet dieser: „Weil es ihn gibt.“ Vielleicht kann man nur so einen Menschen wie Göran Kropp verstehen, der seinerseits auf die Frage, ob ihn denn Todessehnsucht antreibe, antwortet: „Nein, Lebenslust.“ Schon als sechs jähriger steht der geborene Einzelkämpfer auf dem höchsten Berg Norwegens. Nach wilder Jugend, in der die Kletterei in den Hintergrund gerät, landet er beim Militär, wo er dem Kletterfreak Mats Dahlin begegnet. Sie beide packt der sportliche Ehrgeiz und der Drang, etwas Außerordentliches zu vollbringen, etwas, was vorher noch niemand geschafft hat. Er trainiert wie besessen und tauscht seine Wohnung des teuren Sports wegen sogar gegen ein Zelt. Er besteigt weltweit viele Berge und 1993 schließlich seinen ersten Achttausender, den Cho Oyu. Er lernt aus seinen vielen Fehlern, die er während dieser Jahre macht, wie sich beispielsweise nicht genügend akklimatisiert zu haben oder in ein durch extreme Höhen verursachtes Rauschgefühl zu verfallen.

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Den höchsten Berg der Welt möchte er dann ohne Hilfe und ohne künstlichen Sauerstoff bezwingen

Eine Idee reift
Mit zunehmender Erfahrung nimmt seine kritische Wahrnehmung für kommerzielle Kletterexpeditionen zu, die er mit Luxusgesellschaften vergleicht. Als Mülldeponien hinterlassene Lager, Heerscharen von Trägern, tonnenweise Ausrüstung, mitgebrachte Köche, all das sieht er als „Vergewaltigung der Natur.“ Seine Idee für eine Soloexpedition reift, mit Reinhold Messner, für Kropp der größte Bergsteiger, als Beispiel, der 1980 den Everest als erster im Alleingang und ohne künstlichen Sauerstoff bestieg. Wer einen Berg durch technische Hilfsmittel besteigt, davon ist er überzeugt, betrügt sich und den Berg, und für letzteres habe man kein Recht. Zudem schrumpfe ein Achttausender unter Einwirkung von zusätzlichem Sauerstoff in der Wahrnehmung zu einem Fünftausender.

Hochgesteckte Ziele
1993 erreicht er als erster Skandinavier ohne größere Schwierigkeiten den Gipfel des K2, den für ihn schwierigsten Achttausender. Mit diesem Erfolg steigt das Interesse der Öffentlichkeit an ihm und damit auch sein Selbstbewusstsein. Seinen Traum, etwas Einzigartiges zu tun, will er nun erfüllen. Ziel soll der höchste Berg der Welt sein, der Mount Everest. Den Weg dorthin will er ohne Hilfe und aus eigener Kraft mit einem Fahrrad bewältigen. Seine komplette Ausrüstung möchte er selbst und ohne Hilfe von Trägern zum Basislager transportieren. Mit Vorträgen, durch Sponsoren und mit Hilfe seiner Freundin Renata treibt er das Medieninteresse auf sich und die notwendigen finanziellen Mittel ein. Allein eine Genehmigung für die Besteigung kostet zu dieser Zeit 50.000 Dollar. Es folgen die Reiseplanung und vor allem die Reduktion des Gepäcks auf ein absolutes Minimum. Er reduziert Lebensmittel, Koch, Fahrrad-und Kletterausrüstung sowie Bekleidung auf 130 Kilo, die er auf einem Spezialfahrrad mit Anhänger die Gesamtstrecke von 11.406 Kilometer transportieren möchte. Im Oktober 1995 macht er sich unter großem Rummel schließlich auf den Weg, nicht ohne einen Anflug von Skepsis für sein Unternehmen.

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Göran erreicht Kathmandu im Februar 1996

Unterwegs mit dem Fahrrad
Seine erste Etappe führt ihn durch Deutschland, Tschechien, die Slowakei und Ungarn nach Rumänien. Anfängliche Probleme überwindet er und schnell arbeitet er routiniert seine Tagesdistanz von neun Meilen ab. Seine Reise in den immer ärmer werdenden Osten Europas ist schon jetzt ein einziges großes Abenteuer, mit Übernachtungen im Zelt in einsamen Landschaften und Zufallsbegegnungen mit Menschen aller Art. Sporadisch stoßen Renata in Begleitung von Frederik Blomqvist, sie dokumentieren die Reise, zu ihm. Im November hat er bereits mehr als ein Fünftel des Weges geschafft, und Anfang Dezember erreicht er den Iran. Wilde Hunde rennen hinter ihm her und immer öfter begegnet er Menschen, sich ihm gegenüber feindselig verhalten. Er wird mit Steinen beworfen, von einem fahrenden Motorrad aus mit einem Knüppel zusammengeschlagen und später in Afghanistan beinahe regelrecht gelyncht. Im Februar 1996 erreicht er schließlich mit einem ramponierten Fahrrad Kathmandu und damit das erste große Ziel. Die bisherigen Strapazen wären an sich schon einzigartig, doch die große Herausforderung beginnt für ihn erst jetzt.

Von Kathmandu zum Basislager
Immer im März findet sich die Bergsteigergemeinde in Kathmandu ein, um sich auf die Besteigung des Everest Anfang Mai von nepalesischer Seite aus vorzubereiten, wenn sich der Monsun nähert und die immer währenden Stralströme am Berg vertreibt, also die günstigsten Bedingungen bestehen. Von Kathmandu aus, Renata ist von nun an seiner Seite, legt Kropp die äußerst anstrengende Strecke nach Jiri zurück. Große Teile des Weges muss er schieben, denn Straßen gibt es keine mehr. Ab hier schleppt er seine gesamte Ausrüstung zu Fuß weiter Richtung Basislager, was ihm unter Sherpas wohl zu Recht den Namen ‚The Crazy Swede‘ einbringt. Sie sind es nicht gewohnt, dass ein Westler seine Ausrüstung selbst trägt. Nach 12 Tagen erreicht er Namche Bazar im Khumbutal , das Zentrum der berühmten Sherpas , jenes vor langer Zeit aus Tibet eingewanderte, tiefgläubige Volk mit den besten Trägern und Wegführern der Welt. Von hier aus unternimmt er einen ersten Akklimatisierungssmarsch in größere Höhe, bevor er sich ins 5300 m hohe Basislager aufmacht.

Der gläserne Horizont – Reinhold Messners Alleingang auf den Mount Everest

Im Basislager
Das Basislager ist eine wahre Zeltstadt mit über hundert Zelten. Insgesamt elf Expeditionen finden sich dieses Jahr ein und Göran kampiert zusammen mit seinem kleinen Team, bestehend aus Köchen, Renata, Frederik, zwei Geldgebern und Sherpas, darunter Ang Rita, einem legendären Sherpa, der den Gipfel bereits neun Mal ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen hat. Helfen lässt er sich aber weiterhin von keiner dieser Personen, vielmehr soll die Besteigung durch die Begleiter dokumentiert werden. Unter den vielen Expeditionen, die sich einfinden, das bemerkt Kropp sofort, befinden sich viele Amateure, deren einzige Höhenerfahrung, so sagt er gehässig, im Erklimmen der heimischen Maisonettetreppe besteht. Allen voran Sandy Pittman , verklärte Millionärin, die sich sogar Zeitschriften aus Katmandu ins Lager bringen lässt, als wäre das Ganze ein Spaßtrip. Von den Medien fälschlicherweise als Weltklasse-Bergsteigerin bezeichnet, hat Göran nur Spott für diese übrig. „Wer nicht in der Lage ist, einen Achttausender aus eigener Kraft zu besteigen, hat hier auch nichts zu suchen“, sagt er. „Der Mount Everest ist zum Luxusgipfel geworden, ein Treffpunkt für Clowns, die etwas haben wollen, womit sie auf ihren Gartenpartys angeben können.“ Am Berg befinden sich aber auch zwei der zu dieser Zeit renommiertesten Bergsteiger der Welt, Rob Hall und Scott Fischer, die die erwähnte betuchte Kundschaft für viel Geld auf den Gipfel führen wollen. Es herrscht ein Run auf den Berg, eine echte Kommerzialisierung. So stehen auch die Bergführer stark unter Druck, den Gipfel zu erreichen. Göran aber will die ‚Antithese zu Sandy Pittman sein‘ – Jemand, der allein zurechtkommt, keinen Müll hinterlässt und ohne Sauerstoff klettert. Er will alles alleine und ohne jegliche Hilfe schaffen. Dies zu beweisen ist Ziel seiner Unternehmung.

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Bergsteiger beim Aufstieg (Bild: tpsdave / David Mark)

Der Aufstieg
Nach einem weiteren Akklimatisierungstrip in über 7000m Höhe macht sich Kropp als erster in dieser Saison am 1. Mai um 6 Uhr morgens auf den Weg mit dem Ziel, zwei Tage später den Gipfel zu erreichen. Der Aufstieg beginnt mit der Überquerung des gefährlichen Kumbugletschers, der jedes Jahr von einer Expedition mit Leitern und Seilen gesichert wird. Göran aber sieht auch das als Hilfsmittel an und bahnt sich einen eigenen Weg durch das riskante wandernde Eis. Am sogenannten Camp 1 in 6.100m Höhe wandert er direkt vorbei ins 400m höher gelegene Camp 2, wo er mit Ang Rita und Frederik zusammentrifft, die seinen Aufstieg bis in 7.100m Höhe dokumentieren sollen. Am nächsten Tag steigt er mit zwei spanischen Bergsteigern auf 7.800 auf, wo sie die Nacht vor dem finalen Aufstieg in einem Biwag verbringen. Göran beschreibt die Unmöglichkeit, sich ein Zelt unter diesen Umständen zu teilen. Alle keuchen, ringen nach Luft und man muss kämpfen, dem Impuls, einfach liegen zu bleiben zu widerstehen.

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„Der Mount Everest ist zum Luxusgipfel geworden, ein Treffpunkt für Clowns, die etwas haben wollen, womit sie auf ihren Gartenpartys angeben können.“

Gerlinde Kaltenbrunner – Ganz bei mir: Leidenschaft Achttausender

In der Todeszone
Gegen zwei Uhr Nachts begibt er sich über die 8.000m Marke und erreicht bald Camp 4, laut Göran die höchste Müllkippe der Welt. Verschlissene Zelte flattern im eisigen Wind, überall liegen Sauerstoffflaschen und Seile herum und große Säcke mit denen, die es nicht geschafft haben. Dass Höhenbergsteigen keine Romantik inne liegt, wird spätestens jetzt klar. Hier geht es nicht um die schöne Aussicht, hier geht es ums Überleben. Der Gipfel des Mount Everest, 8848 Meter hoch, liegt in der äußeren Stratosphäre, und ein Mensch in dieser Höhe bewegt sich an der äußersten überlebensfähigen Grenze. Die Atmung fällt nun extrem schwer, und selbst als die beiden Spanier vor Erschöpfung umkehren, geht Göran weiter. Mit Göran Kropp schreibt nicht irgendjemand über den faszinierenden höchsten Berg der Welt, sondern ein erfahrener Extrembergsteiger, der seine eigenen Grenzen genau kennt, der bis ans absolute Limit gehen kann und trotzdem immer vor Augen hat, dass die größte Gefahr im Gefühl der Unbesiegbarkeit besteht. Vor Erreichen eines Gipfels umzudrehen sieht er als seelische Stärke, und auch, niemals zu vergessen, dass dies immer nur der halbe Weg ist. Er würde das Wagnis Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff nicht auf sich zu nehmen, wenn er nicht wüsste, dass er körperlich und psychologisch in der Verfassung ist, es zu schaffen. Über Frederik und Ang Rita, die in 6.200m warten, stellt er die Verbindung ins Basislager her, dass ihn wie gebannt anfeuert: „go, Göran, go.“ Doch um 13:30, nur 100 Höhenmeter vom Gipfel, dreht er um. Die eiserne Regel, den Gipfel ohne Sauerstoff nach 14 Uhr nicht zu besteigen, ist für ihn Gesetz. Er erzählt, wie schwer ihm das fällt und vor allem, wie erschöpft er ist. Auf dem Hosenboden rutschend kämpft er sich Richtung Camp 4 und bremst mit dem Eispickel, zu schwach um zu gehen. Als er im Basislager ankommt, ist sein Gesicht geschwollen, die Lippen schwarz, er hat kiloweise Gewicht verloren und fällt noch vor dem Zelt in sich zusammen. „Manchmal ist man so müde, dass einem Leben und Tod egal sind.“

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„Manchmal ist man so müde, dass einem Leben und Tod egal sind.“

Die Tragöde am Everest
Während Göran gescheitert zurückkehrt und sich für seinen zweiten Versuch erholt, machen sich vier Expeditionen, darunter die Gruppen von Rob Hall und Scott Fischer auf den Weg, um am 10.Mai den Gipfel zu erreichen, jenem Tag, der traditionell am meisten Erfolg verspricht. Anstatt dem ersehnten Erfolg kommt es zur größten Tragöde in der Geschichte des Berges. Rob Hall und Scott Fischer stehen durch ihre Kunden, die Unsummen für den Gipfel bezahlt haben, erheblich unter Druck, diesen auch zu erreichen. Doch viele der Bergsteiger sind bereits beim Verlassen von Camp 4 völlig am Ende. Es kommt zu einer Verkettung von Umständen, die zum Unglück führen. Die beiden Starbergführer verausgaben sich beim Helfen ihrer zum Großteil unfähigen Kundschaft zu sehr und verlieren zu viel Zeit. Die erwähnte Sandy Pittman wird gar über weite Strecken den Berg hinauf gezogen. Als um 14:00 noch niemand auf dem Gipfel steht, schwenkt die Stimmung im Lager, auch beim niedergeschlagenen Göran, in blanke Besorgnis um. Rob Hall erreicht den Gipfel erst nach 14:00 Uhr und wartet dort auch noch auf Nachkömmlinge. Um 15 Uhr, ein Unwetter ist im Anflug, herrscht am Hillary Step, dem berühmten Felsvorsprung in Gipfelnähe, immer noch ein großes Gedränge. Während sich einige Bergsteiger auf den Rückweg machen, ist Scott Fischer noch auf dem Weg nach oben. Scott, bekannt dafür, wie kein anderer an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit zu gehen, hat sich durch seine Rolle als Übervater zu sehr verausgabt. Als er mit seinem Freund, dem Scherpa Lobsang auf dem Gipfel steht, gibt er schließlich, völlig am Ende, auf. Doch Lobsang kämpft um seinen Freund und zieht ihn soweit den Gipfelgrad hinunter, bis auch ihm die Kräfte versagen. Er muss ihn zurücklassen. Ein Schneesturm ist nun in vollem Gange, es herrschen minus 40 Grad, und die Bergsteiger sind völlig orientierungslos, sehen keinen Meter weit. Manche flehen gar hinablaufende Bergsteiger an: „Bitte, lasst mich nicht sterben.“ Doch der tödliche Sturm tobt erbarmungslos und in einer solchen Situation, das ist ungeschriebenes Gesetz, hilft sich jeder selbst. Acht Bergsteiger finden den Tod. An dieser Stelle soll das legendärere Buch ‚In eisigen Höhen‘ von Jon Krakauer erwähnt werden, der die Tragödie selbst erlebt.

‚In eisige Höhen‘ ist ein Buch, das man jedem am Bergsteigen interessierten Leser ans Herz legen muss. Jon Krakauer ist mit dabei, als es am Everest zur Tragödie kommt. Ein Werk von einem Bergsteiger und begnadeten Schriftsteller, aus dessen Feder unter anderem ‚Into The Wild‘ stammt.

Der zweite Versuch
Trotz der Tragödie, die Saison ist zu Ende und das Basislager leert sich zum Großteil, will es Göran nochmal versuchen. Am 17. Mai verlässt er erneut das Basislager und findet sich bald wieder in Camp 4 im Biwak zusammen mit weiteren Bergsteigern ein. Den ersten Aufstieg noch in den Knochen, ist er körperlich schon jetzt am absoluten Ende, hat extremen Sonnenbrand und Höhenhusten. Auch diesen Versuch bricht er nach zwei Tagen wegen schlechten Wetters ab und klettert ins Camp 2 zurück, von wo aus er es am 21. Mai innerhalb von drei Wochen, das ist Rekord, das dritte Mal versucht. Gegen 16 Uhr erreicht er Camp vier und wieder zeigt sich, dass dieser Sport vor allem mit einem zu tun hat – mit Qual. Göran hat, obwohl man in dieser Höhe schnell an Gewicht verliert, keinen Hunger. Jede Bewegung erfordert riesige Anstrengung. Er hat Durchfall, verliert literweise Flüssigkeit und selbst das Reden verursacht Schmerzen. Das Denken lässt nach und man wird so müde, dass man sich hinlegen und schlafen möchte. Die schöne Aussicht ist das Letzte, was einen Bergsteiger in dieser Höhe interessiert. Kurz vor 1 Uhr nachts, Göran schafft es gerade, eine Hand voll Erdnüsse zu essen, bricht er auf. Nach sechs Schritten muss er pausieren, Panik überkommt ihn und er ist kurz davor, umzudrehen. Doch als er den Gipfel sieht, schleppt er sich weiter. Als er den Hillary Step überwindet und sich dem Gipfel nähert, empfindet er keine Vorfreude, sondern fragt sich, ob er den Rückweg überleben kann. Er verweilt nur kurz auf dem höchsten Punkt der Welt, und gedanklich total abgestumpft stolpert er wieder bergab, rutscht auf dem Hosenboden, zu schwach um zu gehen. Viele andere Bergsteiger, mit künstlichem Sauerstoff wohlgemerkt, überholen ihn, machen sich Sorgen um ihn: „Don’t push too hard.“ Er pausiert nach jedem Schritt und kann selbst den Durchfall nicht zurückhalten, der ihn überkommt. Wie er es in Camp 4 schafft, weiß er selbst nicht mehr. Er röchelt nur noch vor sich hin, sein Gesicht ist blau angelaufen, auch sprechen kann er nicht mehr. Von oben bis unten mit Kot verschmiert, in einem Geisteszustand, in dem es ihm egal ist, ob er überhaupt überlebt, erreicht er am 25.Mai das Basislager. Dass er nicht den Flieger zurück in die Heimat nimmt, versteht sich. Zusammen mit Renata radelt er zurück und erreicht im Oktober 1996, nach insgesamt einem Jahr, Stockholm, wo er unter Hurrarufen und Polizeieskorte als Volksheld empfangen wird.

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