Sapa – unterwegs im Nordwesten Vietnams

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Südost Asien, unterwegs

Das Umland des in der bergigen Grenzprovinz gelegenen Städtchens ist wunderschön

Es war definitiv eine gute Idee, den Motorroller trotz der Warnung des Reiseführers auszuleihen und zur frühen Abendstunde Richtung Ta Van zu fahren. Steil hinunter ins Tal führt uns der immer holpriger werdende Weg, der sich serpentinenartig an der steilen Felswand entlang schlängelt. Zu sehr auf die Straße konzentriert, sind wir auf den folgenden Anblick nicht gefasst. In einer Kurve halten wir an und was wir sehen, ist so anmutend, dass ich mich noch heute ganz genau in diesen Moment hineinversetzen kann. Das Licht bricht sich an den hohen Bergen, die das riesige Tal umfassen, spiegelt sich in den zahllosen Reisterrassen und glitzert uns entgegen. Ein Fluss fällt die steile Felswand hinab, bevor er die Felder aus sattem Grün entzwei teilt. Winzig erscheinen von hier aus die Silhouetten der barfuß durch die Terrassen watenden Menschen.

Der Pumpkin Express
Der Pumpkin Express spuckt uns nach achtstündiger Fahrt um fünf Uhr morgens ziemlich unromantisch am Bahnhof von Lao Cai aus. Der Parkplatz wird von unzähligen Minibussen belagert, und nach einem Moment der Stille fühlt man sich ganz plötzlich, wie sehr oft in Vietnam, wie in einem Papageienschwarm. Sofort werden die ankommenden Westler, darunter wir, umworben wie auf einem landestypischen Heiratsmarkt. Ums Heiraten geht es hier zum Glück aber nicht, lediglich um die Weiterfahrt ins 40 Kilometer entfernte Sapa . Und so wird verhandelt, mal wieder. Der Fahrer nennt einen astronomischen Preis, den man selbst so dermaßen dreist unterbietet, dass dieser wiederum beleidigt dreinschaut. Doch sein Gesichtsausdruck wandelt sich schnell wieder in ein verschmitztes Lächeln, und wir einigen uns auf einen Preis in der Mitte, wie immer. Kurz darauf sitzen wir auf dem Rücksitz und genießen die Fahrt.

Sapa, Vietnam
Bild: MaSan/Martin Seibel

Umgeben von Bergen und Reisterrassen
Auf den Straßen Sapas herrscht schon am Morgen ein buntes Treiben. Überall sieht man Frauen der H’mong und der Dzao , Angehörige der lange Zeit sehr armen Bergvölker, denen der anhaltende Tourismus heute aber ein gutes Einkommen beschert. Die einen sind mit großen Körben beladen, andere tragen ihre Kinder auf den Rücken und schenken einem keinerlei Beachtung, und wiederum andere bieten uns sofort ihren Dienst als Reiseführer an. Zwischendrin tummeln sich die zahllosen Rucksacktouristen aus aller Welt, die die P. Cau May, die Hauptstraße mit ihren unzähligen Restaurants, Hotels und Geschäften für Wanderausrüstung entlang schlendern. Sapa, auf 1.600 Meter Höhe gelegen, ist von den höchsten Bergen des Landes umgeben, darunter der Fanispan , der die Reihe anführt. Zahllose kleine Dörfer inmitten wunderschöner Reisterrassen befinden sich in naher Umgebung. Deswegen kommt man hierher, zum Wandern und zum Trekken, um das ländliche Vietnam zu erleben und zu bestaunen. Nach dem lauten und chaotischen Hanoi mit seinen Abermillionen Motorrollern lässt man hier, wenn man so will, die Seele baumeln.

Sapa, Vietnam
Bild: MaSan/Martin Seibel

Cat Cat
Das wenige Kilometer südwestlich gelegene Dörfchen Cat Cat ist über eine steil abfallende Straße zu erreichen, die sich Stück für Stück, fast ohne das man es merkt, in einen kleinen Pfad verwandelt. Es ist Mai, Trockenzeit und bestes Wetter in der nordwestlichen, an China angrenzenden Provinz. Die Dorfbewohner in Cat Cat sind gerade dabei, in Gemeinschaftsarbeit die Reissetzlinge in die Terrassen einzupflanzen. Was für Touristenaugen wie die Idylle schlechthin wirkt, ist ein Knochenjob. In gebückter Haltung, barfuß durch den Schlamm watend wird diese Arbeit verrichtet. Auch kleine Kinder sind in dieses Geschehen involviert. Während manche den Blick mit einem kindlichen Lächeln erwidern, sieht man in andern Gesichtern den Blick der harten Arbeit, in viel zu jungen Augen. Es ist eine Mixtur zwischen organisiertem Tourismus und Tradition. Auf der einen Seite die kleinen Läden in Holzhütten, die Getränke, kleine Instrumente und sonstige Souvenirs feilbieten, und dort fünf bis sechsjährige Jungen, die Wasserbüffel vor sich hertreiben. Das Gefühl des Voyeurismus, dass uns beschleicht und dazu die Tatsache, dass man sich auf einem Rundweg mit vielen anderen Touristen befindet wird beruhigt durch die Tatsache, dass der Tourismus diesem lange Zeit bettelarmen Bergvolk zu mehr Wohlstand verhilft, was erfreulich ist.

Sapa, Vietnam
Bild: MaSan/Martin Seibel

Zwiegespalten
Als der Pfad schließlich zurück, bergauf gen Sapa führt, entschließen wir uns entgegen dem ausgewiesenen Weg in entgegengesetzter Richtung in die Felder weiterzulaufen. Was wir dort sehen, ist einerseits wunderschön, erfüllt es doch unser Klischee vom friedlichen Landleben. Andererseits bekommt man einen Einblick in die ungeschönte Armut dieses Bergvolkes. Einfachste Holzhütten säumen den Weg und man fragt sich, wie sich das Leben außerhalb der Trockenzeit in einer solchen Behausung offenbart. Schweine streunen herum und die Menschen, denen man begegnet, schauen den westlichen Eindringlingen nicht mehr mit diesen erstaunten Augen an, die man gewohnt ist, wenn man in einem Land wie Vietnam unterwegs ist. Nicht etwa, weil man sich vielleicht nicht dafür interessieren würde, sondern weil die Arbeit schlicht zu hart ist, um sich dafür zu interessieren. So machen wir uns, zwiegespalten, auf den Rückweg nach Sapa, während sich der Abend über die Felder legt.

Sapa, Vietnam
Bild: MaSan/Martin Seibel

Motorisiert
Nichts macht mehr Spaß, als mit einem Motorroller die Serpentinen um Sapa entlang zu düsen. Zu erkunden gibt es schließlich mehr als genug. Zunächst fahren wir in nordwestlicher Richtung aus der Stadt hinaus dem höchsten Berg Vietnams entgegen, dem Fanispan. Obwohl sich der Tag in dichten Wolken versteckt, bieten sich uns hier und da fantastische Ausblicke in die Berge. Unterwegs passieren wir auch den Thac Bac , den silbernen Wasserfall.

Sapa, Vietnam
Bild: MaSan/Martin Seibel

Unser Weg führt uns in südöstlicher Richtung weiter, hinunter ins sogenannte Green Valley . Die Straße schlängelt sich an steilen Felswänden immer weiter hinunter ins Tal. Links die Berge und rechts, soweit das Auge reicht, Reisterrassen. Anfangs noch gut asphaltiert, wird der Weg immer holpriger und wir beschließen, zu Fuß in die Felder zu laufen, in Richtung eines kleinen Dorfes inmitten des Tals. Abseits der Touristenströme erhält man auch hier wiederum einen fantastischen Einblick in diese von Bergvölkern bewohnte Welt, der faszinieren und der ärmlichen Zustände wegen auch gleichermaßen schockieren kann. Die Umgebung ist atemberaubend schön, und doch wird man sich unausweichlich der Armut und den einfachen Umständen der Menschen bewusst, die hier, abseits der von Hotels gesäumten Straßen Sapas, ihr Dasein fristen. Neben den erwähnten Ausflugszielen gibt es eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten, die Umgebung Sapas zu erkunden. Vom einfachen Tagesausflug in Eigenregie über mehrtägige Trekkingtouren zum Fanispan bis hin zu Homestays bei traditionellen Familien. In jedem Fall ist es ratsam, sich einen lokalen Reisebegleiter zu engagieren. So hat man einerseits eine erfahrene Person mit nützlichem Hintergrundwissen, und andererseits trägt man etwas zum finanziellen Auskommen der benachteiligten Bergvölker bei.

Sapa, Vietnam
Bild: MaSan/Martin Seibel

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MaSan
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